Zu Olympia gestartet: Neues Datenzentrum steuert Stadtmanagement von Rio

Zu Olympia gestartet: Neues Datenzentrum steuert Stadtmanagement von Rio

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Gerade bei Großereignissen soll sich das Zentrum als nützlich erweisen. (Foto: Centro de Operações Rio)

von Kathrin Zeller

Erster Schritt zur Smart City: Damit Rio nicht mehr unter Stau, Müll oder Unwettern leiden muss, hat die Stadt ein modernes Datenzentrum aufgebaut.

Daten, Daten und noch mehr Daten. In Rio de Janeiro laufen Informationen aus mehr als 1000 Kameras, mobilen Apps und öffentlichen als auch privaten Dienstleistern in einem Operationszentrum zusammen. Während der Olympiade spielt das Zentrum eine besonders wichtige Rolle.

Sei es die Koordination von Konvois wichtiger Gäste, die Ortung und Beseitigung von Stromausfällen, oder die Umleitung von Müllwagen an besonders verschmutzte Stellen der Stadt – alles kann im so genannten Operationszentrum (portugiesisch "Centro de Operações") koordiniert werden. Rund 800 Kameras besitzt das COR selbst, auf hunderte weitere greift das Zentrum durch Partnerschaften mit Einrichtungen wie Shoppingzentren, Parkplätzen oder Restaurants zu.

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Von außen ist das Gebäude etwas unscheinbarer. (Foto: Centro de Operações Rio)

Von außen ist das Gebäude etwas unscheinbar. (Foto: Centro de Operações Rio)

Darüber hinaus nutzt das COR Daten von Dritten, bedient sich etwa bei der Nahverkehrs-App WAZE. Einige Angestellte analysieren Bewegungen in den sozialen Medien, die für ganz bestimmte Bereiche der Stadt ausgewertet werden können, und erfassen so Reaktionen auf Vorkommnisse wie Unfälle noch während der Aufklärungsarbeit der Polizei. Letztlich kann das COR Informationsströme aus rund 150 Quellen übereinanderlegen und je nach aktueller Nachfrage auf Landkarten in Realzeit abbilden.

Moderne Stadtsteuerung während der olympischen Spiele

Ziel der Datensammlung ist die Koordination der Stadt. Im Gegensatz zu Deutschland besteht in Brasilien bisher keine nennenswerte Diskussion über den Umgang mit solchen Daten, was wohl auch an der Priorisierung von Sicherheit liegt - Verkehr, Gewaltdelikte oder mangelhafte Infrastruktur fordern immer wieder Opfer.

Während der Olympischen Spiele übernimmt das COR ohnehin eine zentrale Steuerungsfunktion. Neben dem Stammpersonal ist laut dem Leiter Pedro Junqueira eine zusätzliche Gruppe mit der Überwachung der Austragungsorte Maracanã, Barra da Tijuca, Deodoro und Copacabana beauftragt. Im Falle einer akuten Risikosituation, beispielsweise einem Verkehrsunfall oder einem Terroranschlag, kann das COR Informationen der Sicherheitskräfte, der sozialen Medien oder Apps zur Steuerung des Einsatzes nutzen.

High Tech für Katastrophenschutz

Ursprünglich war das Operationszentrum sowohl für die Bewerbung zu den olympischen Spielen als auch zum Management von Risikoereignissen in der Stadt entstanden. Vor allem bei Starkregen ist Rio durch seine Topographie besonders gefährdet. Erdrutsche innerhalb der Stadt hatten zuletzt im Jahr 2010 hunderte Todesopfer gefordert, woraufhin das High-Tech-Zentrum innerhalb weniger Monate in Kooperation mit IBM errichtet wurde.

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Das Nervenzentrum der Stadt. (Foto: Centro de Operações Rio)

Seitdem weitet der Katastrophenschutz sein Programm zur Warnung und Evakuierung der Bevölkerung in Risikogebieten aus. Tausende Bewohner durchliefen Schulungen zum Verhalten im Katastrophenfall, Wohnorte von Menschen mit Behinderung sind auf Karten verzeichnet, und Anwohner beauftragt, diese beim Verlassen der Hügel zu unterstützen. Seither kam es zu keiner größeren Zahl von Todesopfern durch Erdrutsche, allerdings musste das System auch bisher auf keinen Regenfall reagieren, der gleichermaßen intensiv war wie im Jahr 2010.

Nachhaltigkeit im Stadtmanagement

Zentraler Aspekt des Operationszentrums ist die Integration verschiedenster Einrichtungen. Informationsquellen aus städtischen Dienstleistern wie der Müllabfuhr, Feuerwehr, Stromversorgern oder der Polizei sind rund um die Uhr verbunden und können so Maßnahmen aufeinander abgestimmt koordinieren. Eine hauseigene Intelligenzeinheit, genannt P3ns4, entwickelt fortlaufend Möglichkeiten zur besseren Nutzung der Datenströme weiter.

Inzwischen befasst sich das COR zunehmend auch mit der Vorbereitung der Stadt auf zukünftige Herausforderungen. Häufigerer Starkregen oder noch höhere Temperaturen durch den Klimawandel können sich negativ auf die öffentliche Gesundheit beispielsweise durch die Ausbreitung von Erregern von Tuberkulose oder dem Zika-Virus auswirken. Um diese Risiken vorwegzunehmen, schloss sich das Team um Junqueira einer Initiative der Rockefeller Stiftung an, die die Resilienz von Städten, also deren Widerstandsfähigkeit, erhöhen will.

Intelligente Insektenfalle Mit Drohnen und High-Tech gegen das Zika-Virus

Microsoft arbeitet an einer Insektenfalle, deren Sensoren gefährliche Mücken automatisch erkennen. So sollen sich Krankheiten wie das Zika-Virus nicht ausbreiten können.

Forscher Ethan Jackson stellt eine Mückenfalle in Harris County, Texas auf. (Foto: Microsoft)

Das Operationszentrum ist damit ein Vermächtnis, das der Bevölkerung auch nach der Olympiade erhalten bleiben wird, betont Liana Luz vom Büro für Internationale Beziehungen der Stadt Rio. Im Gegensatz zu anderen Austragungsorten wurde das COR von Anfang an als dauerhafte Einrichtung geplant und wird nach den Spielen weiterhin einen großen Beitrag zum Management der Stadt leisten können.

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