Zukunft: Zehn Städte wollen zu Energiespar-Gemeinden werden

Zukunft: Zehn Städte wollen zu Energiespar-Gemeinden werden

von Felix Ehrenfried

Will man Klima und Umwelt schonen, müsste jeder Bundesbürger seinen Energieverbrauch um zwei Drittel senken.

Es ist einige Jahre her, dass Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich errechnet haben, wie viel Energie für jeden Menschen theoretisch zur Verfügung steht, wenn die Umwelt nicht dauerhaft geschädigt werden soll. 1978 erkannten die Forscher in dem Aufsatz "Physical Quality of Life Index”, dass die Lebensqualität ab 2000 Watt energetischer Dauerleistung pro Person nicht mehr bedeutend steigt. Dieser Energiebedarf pro Person ist von der Umwelt verkraftbar und bremst die Klimaerwärmung, so die Begründung der Forscher.

Damit war der Grundstein der sogenannten 2000-Watt-Gesellschaft gelegt. Die Idee dahinter: In Industrieländern den Energieverbrauch pro Person zu begrenzen und ihn in Entwicklungsländern auszubauen - dann hätte jeder genügend Energie für ein angenehmes Leben zur Verfügung.

Anzeige

Jetzt haben sich zehn Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengeschlossen, um das Ziel einer 2000-Watt-Gesellschaft auf lange Sicht zu verwirklichen. Seit dem ersten Oktober arbeiten Arbon, Feldkirch, Gossau, Konstanz, Radolfzell, Schaffhausen, Singen, St. Gallen, Überlingen und Winterthur gemeinsam an dem Ziel, dass jeder Bürger in Zukunft im Durchschnitt lediglich 2000 Watt Dauerleistung braucht.

Zum Vergleich: Ein Staubsauger benötigt im Betrieb rund 1000 Watt. Jeder Mensch soll also dauerhaft nicht mehr Leistung benötigen als zwei Staubsauger im Dauerbetrieb. Umgerechnet auf ein Jahr entspricht das einem Verbrauch von 17.500 Kilowattstunden pro Person. Eingeschlossen dabei sind Wohnen, Mobilität, die Energie, die zur Herstellung von Nahrungsmitteln nötig ist und andere Dinge des Alltags.

Energieverbrauch um zwei Drittel senkenAktuell verbrauchen Menschen hierzulande und in den Nachbarländern bedeutend mehr. Rund 6500 Watt Leistung benötigt jeder Bürger dauerhaft, um sein Leben zu bestreiten.

Die zehn Städte, allesamt im Großraum um den Bodensee gelegen, wollen das jetzt deutlich reduzieren. Bis 2050, so das Ziel, soll jeder Bürger im Durchschnitt seinen Energieverbrauch um zwei Drittel gesenkt haben und damit nur so viel Strom, Wärme und Treibstoff nutzen, wie das Klima noch verträgt.

Dazu haben sich die Städte unter dem Namen WirLeben2000Watt zusammengeschlossen. Sie wollen mit unterschiedlichen Aktionen die Bürger über die Idee aufklären, zum Energiesparen animieren aber auch mit konkreten Projekten aktiv den Wandel zur 2000-Watt-Gesellschaft vorantreiben.

So gibt es in Konstanz eine Initiative, die auf Shareconomy setzt und gebrauchte Artikel, wie Kleider oder Möbel kostenlos weitergibt. Daneben gibt es einen speziellen Ernährungskalender, der für die Region aufzeigt, was der energiebewusste Kunde wann am besten kauft, um die Transportwege möglichst kurz zu halten.

Tipps und Aktionen zum EnergiesparenAußerdem wartet die Website mit zahlreichen Tipps auf: Wie spare ich am meisten Energie beim Waschen, wie shoppt es sich mit möglichst wenig Energieverbrauch und welche Apps helfen mir im Alltag Stromfresser zu identifizieren?

Besonders innovativ und neu wirken die Ideen dabei nicht. Jedoch ist es bemerkenswert, dass sich so viele Städte zu einem gemeinsamen Energiespar-Verbund zusammengeschließen. Auch hilft die Website Bürgern, sich leichter und schneller mit dem Energiesparen in unterschiedlichen Bereichen zu befassen.

Ob diese Hinweise reichen, um bei den Einwohnern der Gemeinden eine Umkehr zu bewirken, bleibt abzuwarten. Doch schaffen es die kleinen Gemeinden tatsächlich mit ihrem Ziel, könnte die Bodensee-Initiative eine Blaupause für größere Städte sein.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%