Zur Fastenzeit: Tierschutzorganisationen fordern weniger Fleisch-Konsum

Zur Fastenzeit: Tierschutzorganisationen fordern weniger Fleisch-Konsum

von Peter Vollmer

Verbraucher alleine können die Nachteile des Fleisch-Konsums nicht aufheben.

Bis Ostern nur halbe Gabeln: Die Umweltschutzorganisationen Oxfam und WWF mahnen zum Beginn der Fastenzeit einen verantwortungsvolleren Fleischkonsum an. Über die Presseagentur DPA befeuerten Sprecher der NGOs die Debatte darüber, ob der Staat Ernährung stärker regulieren sollte.

Ein Vorschlag ist ein "Gülle-Euro" für Landwirte, die zu viel Gülle ausbringen und damit den Boden mit Stickstoff übersättigen. Zumindest in staatlichen Kantinen sollte zudem eine fleischarme Küche vorgeschrieben werden.

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Auch die Politik schließt sich der Kritik an den Fleischverhältnissen an, die SPD will aber eher die Produzenten in die Pflicht nehmen, sagt ihre Tierschutzbeauftragte Christina Jantz: Höhere Verbraucherpreise alleine würden die Intensivtierhaltung nicht beenden.

Trend spricht gegen Gesetze

Die Abstimmung mit den Füßen ist dabei deutlich: Seit Jahren entscheiden sich mehr und mehr Deutsche für eine vegetarische Ernährung. In Deutschland leben mehr Vegetarier als in fast allen vergleichbaren Staaten. Je nach Umfrage sind es zwischen 5,3 (Allensbach) und 7,8 Millionen (VEBU). So oder so eine Verdoppelung in den vergangenen zehn Jahren.

Viele Deutsche dürften zudem einen bewusst reduzierten Fleischkonsum haben. Ob auf der anderen Seite diejenigen, die überdurchschnittlich viel Fleisch essen, von WWF- und Oxfam-Appellen zum Umdenken bewogen werden, darf man bezweifeln. Muss also tatsächlich die Politik handeln?

Neben Überlegungen des Tierschutzes ist die weltweite Massentierhaltung auch ein Problem für die Umwelt. Nicht nur wegen zu viel ausgebrachter Gülle und einem stickstoffübersättigten Boden. Auch die Emissionen vor allem von Rindern stehen im Verdacht, den Treibhauseffekt weiter zu verstärken.

Problemfelder: Kühe und WeidenDas Problemtier ist die Kuh. Gerade Milchkühe haben hohe Methan-Emissionen durch Fermentierungsprozesse bei der Verdauung. (Sie rülpsen.) Aber auch Mist und Gülle sorgen für Methanemissionen, bei Rindern deutlich mehr als bei anderen Tieren, so das Umweltbundesamt.

Um den genauen Anteil der Tiere an den globalen Klimagas-Emissionen ist mittlerweile eine ideologische Debatte entbrannt. Denn er lässt sich kaum exakt bestimmen. Ein Beispiel: Isst eine deutsche Kuh Gras, Getreide oder Mais vom Nachbarfeld, hat dieses ja bereits CO2 gebunden - das senkt die Bilanz. Bekommt die Kuh allerdings Soja von südamerikanischen Feldern, die per Brandrodung nutzbar gemacht wurden, fällt die Klimabilanz desaströs aus.

Das US-amerikanische Worldwatch Institute hat 2009 eine Studie veröffentlicht, laut der 51 Prozent aller Emissionen aus dem Bereich der Tierhaltung kommen. Und dafür Kritik einstecken müssen, so hat das Institut auch den Energieverbrauch bei der Zubereitung des Fleischs oder "Verpasste Chancen der Wiederaufforstung" in die Berechnung einfließen lassen. Rechentricks, die an einer neutralen Herangehensweise zweifeln lassen.

Wenn Fleisch, dann biologisch und regionalDerzeit gelten rund 20 Prozent Anteil als deutlich wahrscheinlicher - immer noch ein hoher Wert. Die FAO, die Lebensmittel- und Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen, macht die Viehhaltung etwa für 18% aller Treibhausgase verantwortlich. Hauptanteil mit über 35 Prozent haben daran aber "Abholzung und Desertifizierung" von Weideland - ein Problem, das es in Deutschland kaum gibt.

Globale Probleme der Fleischwirtschaft anzuschauen, hilft also hierzulande nur bedingt weiter. Ein Importstopp für Futtermittel, die eine solche Landschaftsverwüstung verursachen, wäre ein Anfang. Eine Reduzierung der Stickstoffbelastung wäre ebenfalls wünschenswert - wie es auf Bio-Höfen bereits üblich ist. Diese kommen ohnehin mit einem Drittel des Energieeinsatzes klassischer Betriebe aus. Und ohne Massentierhaltung.

Ist der Bio-Hof also das Zukunftsmodell der Fleischwirtschaft? Die Grünen würden diese Idee unterstützen. Zumindest der Sprecher der Grünen Jugend, Moritz Heuberger, fordert in der aktuellen Debatte, die artgerechte Tierhaltung von Bio-Höfen als gesetzlichen Standard für alle Agrarbetriebe festzulegen.

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