Mammut-Bau: Riesige Holzkuppel bietet Elefanten im Zoo Zürich neue Heimat

Mammut-Bau: Riesige Holzkuppel bietet Elefanten im Zoo Zürich neue Heimat

von Wolfgang Kempkens

Bauen mit heimischem Holz kann nicht nur CO2, Zeit und Geld sparen. Es sieht auch toll aus.

Es sieht ein wenig aus, wie  der Panzer einer XXL-Schildkröte. Den Kaeng Krachan Elefantenpark des Zoo Zürich schützt seit diesem Frühjahr das wohl größte frei tragende Holzdach der Welt vor Wind und Wetter.

Mit einer Spannweite von mehr als 80 Metern bedeckt das Dach die neue Heimat der thailändischen Elefanten des Tierparks. Mit 1.500 Tonnen Gewicht und einer Fläche von mehr als 6.000 Quadratmetern ist es so groß wie ein Fußballfeld.

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Holzdach ohne StützenNeben ihrer Größe ist die Holzkuppel besonders wegen ihrer Bauweise ein echter Hingucker. Denn sie kommt gänzlich ohne Stützen im Inneren aus. Wie ein Puzzle, ist das Dach aus übereinander liegenden Brettsperrholz-Elementen zusammen gesetzt. Diese Platten sind bis zu 15 Meter lang und 30 Zentimeter dick.

Unter hohem Druck geformt und mit einem Spezialkleber "Loctite HB Purbond" des Düsseldorfer Chemiemultis Henkel fest verbunden, ließen sich die Platten in das gewölbte Dach einpassen. Insgesamt verbrauchten die Monteure acht Tonnen Kleber. Nun sammelt das Dach Regenwasser für die bodennahe Bewässerung, für die Sandbefeuchtung oder die Entstaubung der Pflanzen.

Baustoff Holz hat KonjunkturIn den vergangenen Jahren hat das Bauern mit verleimten Holzplatten, Brettsperrholz genannt, stark zugenommen, wie Henkel beobachtet. Der natürliche Baustoff Holz ist, trotz Zunahme von Kaminöfen, in Deutschland nach wie vor im Überfluss vorhanden.

Jährlich wachsen rund 120 Millionen Kubikmeter nach, so die „Stiftung Unternehmen Wald“. Nur 70 Millionen Kubikmeter werden genutzt. Bauen mit heimischem  Holz gilt als nachhaltig. So setzt auch die Produktion der Holzplatten nur wenig Kohlendioxid frei, im wesentlichen das, was bei der Produktion des Stroms entsteht, der die Sägen antreibt.

Wenn das Holz ausgedient hat, kann es einfach verbrannt oder zu Spanplatten verarbeitet werden. Ein weiterer Vorteil: Eine Trockenzeit, anders als bei Betonkuppeln, entfällt. So wird der Bau schneller fertig. „Das spüren Bauherren direkt im Portemonnaie“, sagt Walter Stampfli, Henkel-Manager in der Schweiz.

Türme und Fliegende TreppenAuf das Baumaterial Holz setzt auch das Hannoveraner Unternehmen Timber Tower. Aus verleimtem Holz baut es Türme für Windenergieanlagen. Der erste Turm steht im brandenburgischen Marienwerder. Er ist 100 Meter hoch und trägt eine 1,5-Megawatt-Mühle.

Fünf weitere dieser zwölfeckigen Türme, die mit Folie verkleidet werden, sind für 2015 geplant. Sie sollen bis zu 140 Meter hoch werden. In jedem Turm steckt das Holz von 1000 ausgewachsenen Fichten.

Die Teile für den Turm werden in der Timber-Tower-Fabrik vorgefertigt und in sechs Containern zur Baustelle transportiert, wo der Turm zusammengebaut wird. Das sei problemloser als der Transport von gewaltigen Turmsegmenten aus Beton.

Spektakulär ist auch die frei tragende „Fliegende Treppe“, die Wissenschaftler der University of British Columbia aus verleimtem Holz gebaut haben.

Holz verdrängt andere BaustoffeDerartige Innovationen sind nötig, um die Holznutzung am Bau auszuweiten, die bislang nur leicht wächst. „Eine Steigerung der Holznachfrage wird nur durch eine Verdrängung anderer Bauprodukte möglich sein“, so Professor Udo Mantau vom Centre of Wood Science der Universität Hamburg, etwa von Beton und Ziegelsteinen.

Der Verdrängungswettbewerb hat schon begonnen. Im Jahr 2012 etwa wurden 16.285 Eigenheime in Holzbauweise errichtet, das sind 16,6 Prozent aller Eigenheime und damit der zweithöchste Prozentsatz seit 1990.

1999 lag die Zahl der Holzhausneubauten mit 27.843 zwar weitaus höher, allerdings bei einem insgesamt weit höheren Bauvolumen von 215.140 Einfamilienhäusern. Innovative Projekte, wie der Schildkrötenpanzer in Zürich, der die Bauindustrie derzeit aufhorchen lässt, sind wichtige Beschleuniger, damit sich Holz als Baustoff weiter etabliert.

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