Mobilität: Warum Wasserstoffautos den Durchbruch doch schaffen

Mobilität: Warum Wasserstoffautos den Durchbruch doch schaffen

Brennstoffzellenfahrzeuge kommen in der Diskussion um die Mobilität der Zukunft zu kurz, findet unser Gastautor Uwe Albrecht.

Von Uwe Albrecht, Geschäftsführer der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST), einem international tätigen Beratungsunternehmen für nachhaltige Energie und Mobilität in München. Bis 2008 arbeitete Albrecht für Siemens.

Wenn es um die Mobilität der Zukunft geht, reden derzeit die Medien, Experten und die Verantwortlichen bei den Autokonzernen am liebsten über die batteriebetriebene Elektromobilität - also die Stromer, die heute schon in geringen Stückzahlen bei den Herstellern vom Band laufen. Eine öffentliche Diskussion um aktuelle Entwicklungen bei wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen gibt es dagegen kaum. Zu Unrecht, wie das Projekt H2moves Scandinavia jüngst unter Beweis stellte.

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Nach drei Jahren ist Ende 2012 dieses größte europäische Leuchtturmprojekt zum Test von Brennstoffzellenfahrzeugen unter Alltagsbedingungen erfolgreich zu Ende gegangen. Dabei wurden 19 seriennahe Brennstoffzellenfahrzeuge der Hersteller Daimler, Hyundai und Th!nk in Skandinavien mit Schwerpunkten in Oslo und Kopenhagen von Alltagsnutzern im täglichen Betrieb verwendet. Dafür entstand unter anderem eine zusätzliche Wasserstofftankstelle in Oslo.

Zwar gab es in der Vergangenheit viele Tests mit Wasserstofffahrzeugen, doch in Skandinavien konnte die Marktfähigkeit von Brennstoffzellenfahrzeugen und den dafür erforderlichen Tankstellen nocheinmal in beeindruckender Weise demonstriert werden. Die Technologie hat sich dabei als äußerst zuverlässig erwiesen. Fahrzeuge waren auch unter skandinavischen Winterbedingungen durchgehend verfügbar und konnten unter anderem an der neuen Selbstbedienungstankstelle rund um die Uhr in weniger als vier Minuten vollgetankt werden.

Ein weiterer wichtiger Projektbestandteil war die erfolgreiche Einbeziehung von Fahrzeugtechnikern in den betreuenden Kfz-Werkstätten vor Ort wie auch das Einbinden der örtlichen Zertifizierungs- und Sicherheitsbehörden. Und nicht zuletzt gab es ein durchweg positives Feedback aller Nutzer zu Fahrgefühl und Komfort – es macht offensichtlich Spaß, ein Brennstoffzellenfahrzeug zu fahren und viele sind nach der Testphase nur sehr ungern wieder in ihre mit Verbrennungsmotoren angetriebenen Fahrzeuge eingestiegen.

Hürden sind aus dem Weg geräumtIm Ergebnis haben alle in diesem umfassenden Projekt adressierten Aspekte gezeigt, dass es keine prinzipiellen technischen oder organisatorischen Hürden gibt, weder bei den Fahrzeugen noch bei Genehmigung und Betrieb der Tankstellen. Parallel dazu werden Strategien für die Einführung von Brennstoffzellenfahrzeugen und den weiteren Ausbau der Infrastruktur in Skandinavien entwickelt.

Mittlerweile arbeiten fast alle internationalen Automobilhersteller an der Entwicklung von Brennstoffzellenfahrzeugen. Besonders die Premiumhersteller sind hier aktiv. Aber woran liegt das?

Langfristig erwarten alle Hersteller Einschnitte beziehungsweise stark steigende Preise bei fossilen Kraftstoffen. Zusätzlich steigt der Druck auf den Verkehrssektor, signifikant zur Verringerung der Treibhausgasemissionen beizutragen. Nimmt man das von der Bundesregierung mit beschlossene europäische Ziel von 90% CO2-Verminderung bis 2050 ernst, darf bis dahin nur noch die produzierende Industrie Treibhausgase ausstoßen. Verkehr und andere Marktteilnehmer müssten dann emissionsneutral operieren! Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Automobilindustrie langfristig tragfähige Lösungen entwickeln.

Vor diesem Hintergrund gibt es gute Gründe für die Automobilindustrie, das Segment der reinen Batteriefahrzeuge durch Brennstoffzellenfahrzeuge zu ergänzen. Wenn diese erneuerbar produzierten Wasserstoff tanken, erfüllen sie zum einen die Umweltanforderungen, zum anderen ermöglichen sie aufgrund der mit ihnen verbundenen höheren Wertschöpfungstiefe wesentlich bessere Möglichkeiten der Marktdifferenzierung.  Zusätzlich erlauben sie von heutigen Fahrzeugen gewohnte große Reichweiten und kurze Betankungszeiten und fordern damit vom Kunden keinerlei Einschränkungen seiner Mobilitätsgewohnheiten.

In den nächsten Jahren werden wir wachsende Zahlen brennstoffzellenbetriebener Fahrzeuge auch im Alltagsbetrieb auf deutschen Straßen sehen. Parallel dazu soll und muss das Tankstellennetz signifikant ausgebaut werden. Wie bei der Einführung jeder neuen Technologie sind also noch diverse Hürden zu nehmen. Der Grundstein für die Alltagstauglichkeit ist aber gelegt.

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