Nachhaltigkeit: Sparkasse gibt sich einen grünen Anstrich

Nachhaltigkeit: Sparkasse gibt sich einen grünen Anstrich

von Constantin Alexander

Die Sparkasse in Hannover will Vorreiter für mehr Nachhaltigkeit im Bankensektor sein. Eine gute Idee, von der allerdings noch wenig zu sehen ist.

Derzeit sorgen grüne Geldanlagen nicht unbedingt für gute Schlagzeilen. Der Windkraftprojektierer Prokon ist pleite, tausende Anleger drohen ihre Investitionen zu verlieren. Dennoch: An dem Trend hin zu nachhaltigen Geldanlagen und grünen Banken wird der Fall Prokon wohl nichts ändern.

Vielmehr springen jetzt auch herkömmliche Geldhäuser auf den Nachhaltigkeitszug auf. Aktuellster Fall: Die Sparkasse, bislang nicht unbedingt als Avantgarde in der Branche bekannt, hat sich  dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex verpflichtet, der vom staatlichen Rat für nachhaltige Entwicklung erstellt wurde. Im Dezember unterzeichnete der Vorstandschef der Sparkasse Hannover, Walter Kleine, die entsprechende Erklärung.

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Bislang ist es allerdings nur die hannoversche Tochter der deutschlandweiten Finanzgruppe, die auf Grün setzt. Doch die könnte zum Vorbild für weitere Ableger werden. Immerhin zählen zur Gruppe mehr als 400 Sparkassen, die rund 50 Milllionen Kunden haben und ein Finanzvolumen von circa drei Billionen Euro verwalten.

Schaut man genauer hin, scheint das Projekt bisher wenig ambitioniert: Das hannoversche Kreditinstitut verpflichtet sich mit der Unterzeichung ersteinmal nur zu einer regelmäßigen und transparenten Auskunft über den Stand der Nachhaltigkeit im Unternehmen. Dazu soll ab diesem Jahr ein Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht werden, der über die Fortschritte in dem Bereich unterrichtet. Die erste Ausgabe ist für den März geplant.

Andere Banken machen vor, wie es gehtDie Sparkasse setzt dabei auf einen Trend, dem nach reinen Ökobanken wie der GLS-Bank inzwischen immer mehr „normale“ Kreditinstitute folgen. So hat sich die Hypovereinsbank den zehn Prinzipien des „Global Compact“ verpflichtet, die unter anderem ein Bekenntnis zu den UN-Menschenrechten beinhalten, Diskriminierung abbauen sollen, ein Verbot von Investitionen in umweltschädigende Technologie einschließen und Korruption, egal auf welcher Ebene, verbieten.

Auch die DZ Bank hat sich dem „Global Compact“ verpflichtet und fokussiert sich mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie unter anderem auf Kredite für Erneuerbare-Energien-Projekte. Auch Green IT ist laut Aussage des Geldinstitutes ein wichtiges Thema.

Sowohl die Hypovereinsbank als auch die DZ Bank veröffentlichen regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte, die CSR-Bestrebungen aufzählen und beschreiben, welche Auswirkungen das Nachhaltigkeits-Management auf die Finanzprodukte hat. Sonderlich mutig oder außergewöhnlich ist der Schritt der Sparkasse in Hannover also nicht. 

Greenwashing bei der Sparkasse?„Die Unterzeichnung ist der Schlusspunkt eines umfassend angelegten Projektes, das sich mit der Umsetzung der Nachhaltigkeit der Sparkasse Hannover in den Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales beschäftigt hat“, beteuert dagegen Stefan Becker, Sprecher der Sparkasse Hannover.

Was hochtrabend daherkommt, beginnt in Hannover mit einer schnöden Energiebilanz. So soll festgestellt werden, wie viel Energie das Unternehmen sparen kann. Der Umbau zu mehr Nachhaltigkeit hätte damit auch positive Effekte auf den Umsatz. Ziel sei die Einrichtung eines effizienten Energiemanagements, um das vorhandene Einsparpotenzial zu identifizieren, sagt Becker. So könnte zum Beispiel der Wasser- oder Stromverbrauch gesenkt werden. Ein Bereich, bei dem es in Deutschland immer noch Nachholbedarf gibt.

Doch die Sparkasse will nicht nur das eigene Unternehmen nachhaltig umbauen, auch die Palette der Finanzprodukte soll in Zukunft erweitert werden: „Als Unternehmen der Sparkassenfinanzgruppe können wir bereits auf nachhaltige Produkte von Verbundpartnern zurückgreifen, beispielsweise auf die Nachhaltigkeits-Fonds der DekaBank“, sagt Becker.

Außerdem biete die Sparkasse KfW-Darlehen und eigene Darlehen für regenerative Energien und Maßnahmen zur Energieeffizienz an. Besonders unternehmerische Ideen im Zusammenhang mit der Energiewende sollen eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Wobei Kredite für Projekte aus dem Erneuerbaren-Energien-Bereich inzwischen von nahezu allen Banken vergeben werden, allein schon weil sich damit bislang gutes Geld verdienen ließ.

Das Fazit: Bisher ist die Ankündigung der Sparkasse Hannover eher eine Marketingaktion, in der schon Bewährtes öffentlichkeitswirksam aufbereitet wird. Aber: Ein gutes Zeichen, dass der Bankensektor langsam umdenkt, ist er dennoch.

Die Sparkasse indes verspricht, dass es nicht nur beim guten Willen und ein paar Berichten bleibt, sondern dass die neue Strategie auch Eingang in die Konzipierung von Finanzprodukten finden soll: „Zur Zeit entwickeln wir Merkmale für eigene spezifische Nachhaltigkeitsprodukte, die in Zukunft unser Portfolio ergänzen werden“, sagt Becker. Man darf gespannt sein.

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