Neue Modelle: Audi treibt die grüne Mobilität voran

Neue Modelle: Audi treibt die grüne Mobilität voran

Audi greift bei der grünen Mobilität an. Dabei setzt der Autobauer auf unterschiedliche Treibstoffe für seine Modelle: von Windgas bis hin zu Strom.

Von Christian Sauer. Der Autor arbeitet für griin.de, das Blog zur nachhaltigen Mobilität.

Alle Welt redet derzeit von der Elektromobilität. BMW wird in einigen Wochen seinen E-Flitzer i3 offiziell auf den Markt bringen und die Bundesregierung legt ein Förderprogramm nach dem anderen für Batterien und Ladeinfrastruktur auf. Stiefmütterlich wird dagegen schon länger die Erdgasmobilität behandelt – aber besonders bei Audi will man sie jetzt verstärkt vorantreiben.

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Dafür ist man jetzt sogar in die Gasproduktion eingestiegen. Am 25. Juni wurde im norddeutschen Werlte eine Anlage offiziell eröffnet, die der Autobauer zusammen mit dem Stuttgarter Startup Etogas gebaut hat. Pro Jahr soll sie voraussichtlich etwa 1.000 Tonnen e-gas produzieren und dabei zirka 2.800 Tonnen CO2 binden, die sonst die Atmosphäre belasten würden.

Dafür wird Windstrom aus einem Windpark in einem Elektrolyseverfahren in Wasserstoff umgewandelt und dann mit CO2 aus einer Biogasanlage zu Methangas umgewandelt. Dieses kann dann in das bestehende Erdgas-Netz eingespeist werden, um damit Autos aber auch Haushalte zu versorgen.

Laut Audi ist es das bis dato größte Projekt der Power-to-Gas-Technologie weltweit. Zukünftig kann der bei der Produktion anfallende Wasserstoff bei Bedarf auch abgezweigt werden und auch als Treibstoff für Brennstoffzellenfahrzeuge dienen.

Mit grünem Gas CO2-neutral fahrenDass das Windgas auch wirklich bei seinen Kunden ankommt, dafür hat sich Audi etwas Besonderes ausgedacht. Käufer des er A3 Sportback g-tron, des ersten Erdgasmodells das Audi 2014 für 26.000 Euro auf den Markt bringt, bekommen optional eine Art Prepaid-Vertrag mit Tankkarte für das synthetische e-Gas dazu.

Die Fahrer können die beiden, unterhalb des Kofferraums installierten Drucktanks, dann an den meisten der bereits existierenden CNG-Tankstellen (Compressed Natural Gas) in Deutschland mit fossilem Erdgas oder Biomethan befüllen. Die Menge wird dann auf das grüne Gas gegengerechnet, das Audi produziert.

Der Haken: Das E-Gas ist teurer als normales Gas. Die Mehrkosten werden dem Fahrer dann im Nachhinein abgebucht. Wie viele Kunden sich deshalb auf das Modell einlassen ist fraglich.

Mit dem e-gas aus Werlte sollen dann rund 1.500 neue Audi A3 Sportback g-tron jeweils 15.000 Kilometer pro Jahr CO2-neutral zurücklegen. Im Fahrbetrieb entsteht kein Gramm CO2, das nicht vorher von den Pflanzen, die das CO2 zur E-Gas-Herstellung lieferten, gebunden worden wäre. Selbst in der umfassenden well-to-wheel-Bilanz, die den Aufwand für Bau und Betrieb von Windrädern sowie der e-gas-Anlage einbezieht, bleiben die CO2-Emmisionen des gasbetriebenen A3 nach derzeitigen Prognosen unter 30 Gramm pro Kilometer – der derzeitige EU-Durchschnitt bei Neuwagen liegt bei 130 Gramm.

Während einer Testfahrt in Berlin fiel der A3 e-tron durch seine Unauffälligkeit auf. Nur spezielle Anzeigen im Display zwischen den Instrumenten weisen auf den Gas-Verbrauch und die Restreichweite hin. Aber auch wenn mal keine Gastankstelle in Sicht muss der Fahrer keine Angst haben: Denn der g-tron führt zusätzlich in einem dritten Tank Benzin mit sich, um auch längere Strecken im Ausland ohne CNG-Tankmöglichkeiten zu gewährleisten.

Im Ausland ohne Gas unterwegsAudi verspricht eine Gesamtreichweite von rund 1.300 km, wobei 400 km davon mit Gasbetrieb möglich sein sollen. Das könnte potentiellen Kunden auch die Skepsis nehmen, durch das immer noch relativ dünne Gas-Tankstellennetz in Deutschland oder die noch selteneren Stationen im Ausland liegen zu bleiben. Sein Motor ist ein modifizierter, speziell auf den Gasbetrieb ausgelegter 1.4 TFSI. Mit 110 PS und 200 Nm Drehmoment beschleunigt der kompakte Fünftürer in weniger als 11 Sekunden von null auf 100 Kilometer pro Stunde, die Spitze liegt bei über 190 Kilometer pro Stunde.

Die ordentlichen Fahrleistungen sollten den meisten Kunden auch außerhalb der großen Städte ausreichen. Durch den moderaten Aufpreis von rund 2.500 Euro im Vergleich zu einem reinen Benziner könnte sich der A3 Sportback g-tron zu einer lohnenswerten und nachhaltigen Alternative für Fahrer mit mittleren oder höheren Kilometer-Laufleistungen entwickeln.

Mit rund 38.000 Euro um einiges teurer als der A3 Sportback g-tron wird der A3 Sportback e-tron mit Elektroantrieb werden. Dafür soll der als Komplettpaket samt Batterien erhältliche Plug-In-Hybride laut Audi 204 PS leisten und eine Gesamtreichweite von annährend 1.000 Kilometern besitzen. Rund 50 davon sollen rein elektrisch möglich sein. Das Gewicht ist mit vergleichsweise leichten 1.580 kg angegeben.

Den einzigen Kompromiss im Vergleich zum Nicht-Hybriden stellt ein etwas kleinerer Kofferraum dar. Denn wie im g-tron wird auch der e-tron darunter Komponenten des Antriebsstrangs verbergen. Technische Neu- oder Weiterentwicklungen sollen den uneingeschränkten Betrieb auch in kalten Wintern oder an heißen Sommertagen ermöglichen. Beim 1.4 TFSI Benzinmotor wurde besonderer Wert auf die Robustheit gelegt, denn wenn der Verbrenner zum Einsatz kommt, dann meistens im kalten Zustand und unter Volllast. Gerade dann müssen die Temperaturen des Kühlwasser und Öls sowie dessen optimale Verteilung garantiert sein. Nach der ECE-Norm soll sich der A3 e-tron mit lediglich 1,5 Liter Benzin je 100 km und 25 Gramm CO2 begnügen.

Ladezeit von vier StundenRein elektrisch fährt der e-tron maximal 130 km/h, und der Fahrer kann sogar einstellen, ob der Wagen beispielweise bergab eher „Segeln“ oder Rekuperieren soll. So lassen sich die Akkus beim Bergabfahren aufladen. Will man die Batterien an der heimischen Steckdose aufladen, dauert es rund vier Stunden – mit Starkstrom ungefähr halb so lange.

Optional wird es ein Ökostrompaket und eine Designer-Wandladestation geben. Ohne Aufpreis soll eine „attraktive Garantie“ auf die Batterien potenziellen Kunden die Angst vor hohen Kosten für deren Ersatz nehmen.

Bevor das Auto aber 2014 auf den Markt kommt, muss erst noch die Qualitätssicherung den Wagen prüfen. Danach folgen Schulungen der Mitarbeiter bei Audi selbst sowie des Vertriebs und des Services.

Fraglich bleibt allerdings, ob der kleine Bruder des A3, der A1 e-tron, in größerer Stückzahl gebaut oder weiterhin nur als „Technologieträger“ für Flottenversuche eingesetzt wird. Das Feedback auf den Wagen war bis dato positiv, und das Interesse an einer Serienfertigung sei vorhanden, heißt es bei Audi.

Das Besondere im A1: Noch im Vorserienstatus soll die neue connect-Funktion „Ampel Info Online“ angeboten werden und per Mobilfunknetz über die Länge der Rotphase informieren oder Empfehlungen zur optimalen Geschwindigkeit für die „Grüne Welle“ geben. In unserem Test in Berlin funktionierte das System bis auf ein paar Ausnahmen schon recht gut. Später soll es allerdings auch in allen Audi-Modellen angeboten werden.

Noch kommunizieren Ampeln schlechtBis zur flächenweiten Einführung müssen aber noch einige Stolpersteine des Systems aus dem Weg geschafft werden: Zum einen sträuben sich viele Städte und Gemeinden, Zugriff auf diese sensible Datenschnittstelle zu geben. Zum anderen ist überhaupt nur ein Teil aller Ampeln beispielsweise in Berlin vernetzt. Diese Entwicklung hat also Potenzial, aber wohl noch einen langen Weg vor sich.

Eine lange Entwicklungszeit hat auch der R8 e-tron hinter sich: Der rein elektrisch angetriebene Supersportwagen R8 e-tron sollte eigentlich Audis Antwort auf den BMW i8 und den von uns bereits getesteten Mercedes-Benz SLS AMG Electric Drive werden. Doch dann häuften sich Gerüchte um einen Stopp des Projekts. Offiziell heißt es, dass man sich nach einer ausführlichen wirtschaftlichen Prüfung gegen eine Fertigung von Kundenfahrzeugen in kleiner Auflage entschieden hat. Man wolle dieses „Auto für Millionäre“ nicht durch die anderen Audi-Kunden querfinanzieren lassen.

Die Kosten eines einzelnen Wagens hätten wohl bei über einer Million Euro gelegen. So wird es bei den zehn serienreifen Exemplaren bleiben, die Audi nicht verkaufen wird. Multimillionäre wird das vielleicht ärgern. Alle anderen können sich auf die neuen, günstigeren Modelle freuen.

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