Preissturz an der Strombörse: Wer ist schuld?

Preissturz an der Strombörse: Wer ist schuld?

von Ralph Diermann

An der Strombörse sinken die Preise, die Schuld wird gerne den Erneuerbaren untergeschoben. Fälschlicherweise, wie eine neue Studie zeigt.

RWE, Eon & Co. haben massive Probleme im Kraftwerksgeschäft. Ihre Kohle- und Gaskraftwerke sind kaum oder nicht mehr profitabel, weil die Preise an der Strombörse in den Keller gerauscht sind. Die Schuldigen sind schnell ausgemacht: die erneuerbaren Energien, die den Markt fluten.

Diese Argumentation ist ein Standard vieler Diskussion um die Energiewende – ein beliebtes, weil so einfaches wie überzeugendes Erklärmuster für die Krise der Versorger. Aber stimmt das überhaupt? Sind es wirklich die erneuerbaren Energien, die den Kurs an der Strombörse auf Talfahrt schicken? Und sind sie tatsächlich schuld an der Misere im Kraftwerksgeschäft?

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Diese Fragen hat jetzt ein Forscherteam vom Lehrstuhl für Energiewirtschaft der Universität Duisburg-Essen in einer Studie untersucht (einen Teil der Studie fassen die Autoren auf dem Energie-Blog „Phasenprüfer“ zusammen).

Die Wissenschaftler haben dazu den Terminmarkt für das Jahr 2014 unter die Lupe genommen. Dort hatten Händler in den Vorjahren Strom eingekauft, der dann 2014 geliefert wurde. Ende 2007 war die Megawattstunde Strom mit Liefertermin 2014 für gut 60 Euro zu haben, Ende 2013 kostete sie nur noch knapp 40 Euro.

CO2-Preis ist entscheidendDer Terminmarkt bildet die Erwartungen der Händler an die Entwicklung auf dem Strommarkt ab. Und die haben sich im Laufe der Zeit stark gewandelt: Ende 2007, so die Studie, ging die Branche zum Beispiel noch davon aus, dass 2014 insgesamt 60 Terawattstunden Solar- und Windstrom erzeugt werden. Ende 2013 rechnete man für 2014 schon mit 93 Terawattstunden.

Doch nicht nur beim Ausbau der erneuerbaren Energien revidierten die Energieexperten ihre Prognosen deutlich. So erwarteten sie 2007 für 2014 einen Stromverbrauch von 644 Terawattstunden, 2013 nur noch von 604 Terawattstunden. Bei den CO2-Emissionszertifikaten nahmen sie 2007 für 2014 einen Preis von 25 Euro pro Tonne an, 2013 von gerade einmal 5 Euro.

Anschließend haben die Forscher mithilfe eines Modells die jeweilige Bedeutung dieser Entwicklungen auf den Börsenpreis errechnet. Das Ergebnis: Der Preisrückgang geht zu 52 Prozent auf das Konto der gesunkenen CO2-Preise. Zweitwichtigster Faktor ist der rückläufige Stromverbrauch (16 Prozent). Erst dann folgt der Ausbau der erneuerbaren Energien (11 Prozent).

Nachfrage wichtiger als Ökostrom-EinspeisungNun spielt der Verfall der CO2-Zertifikatspreise den Kraftwerksbetreibern natürlich in die Hände. Dennoch ist die Profitabilität neuer Kraftwerke zwischen 2007 und 2013 deutlich gesunken. Laut der Studie haben Braunkohle-Kraftwerke in diesem Zeitraum 31 Prozent an Profitabilität eingebüßt, Steinkohle-Kraftwerke 44 Prozent und GuD-Gaskraftwerke 86 Prozent.

Wenn nun die Entwicklung bei den Zertifikatspreisen entlastend wirkt – was nagt dann an der Profitabilität der Anlagen? Auch das haben die Autoren der Studie Thomas Kallabis, Christian Pape und Christoph Weber untersucht. „Unsere Analyse zeigt, dass die Nachfrage der wichtigste einzelne Einflussfaktor ist“, resümieren die Wissenschaftler. Anders als öffentlich wahrgenommen, sei die über den Erwartungen liegende Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen für die Profitabilität nur zweitrangig.

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