Presseschau: 30 Jahre nach Tschernobyl

Presseschau: 30 Jahre nach Tschernobyl

30 Jahre nach dem GAU: Die Auswirkungen der Tschernobyl-Katastrophe beschäftigen die Medien.

30 Jahre ist es her, dass im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl Reaktorblock 4 explodierte und für den schlimmsten Unfall in der friedlichen Nutzung der Atomkraft sorgte. Im Umkreis von 40 Kilometern wurde eine Sperrzone eingerichtet, 100.000 Menschen mussten evakuiert werden. Eine radioaktive Wolke zog über Europa.

Drei Jahrzehnte nach der Katastrophe arbeiten täglich noch etwa 3000 Menschen auf dem Gelände berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die meisten kommen mit der Bahn aus dem 50 Kilometer östlich gelegenen Ort Slawutytsch, der nach dem Unglück neu gebauten Stadt am Dnepr-Ufer.

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Sie sind damit beschäftigt die Überreste des normalen Kraftwerkbetriebs zu deklarieren und zu entsorgen. Bereits wenige Monate nach dem GAU ging der Betrieb in den Reaktoren 1 bis 3 weiter. Erst im Jahr 2000 wurde der letzte von ihnen abgeschaltet. Die Arbeiter untersuchen Stahlfässer mit undefinierten Flüssigkeiten, um die radioaktiven Stoffe auszufiltern. Etwa 24.000 Tonnen sollen sich noch auf dem Gelände befinden. 20 Jahre könnten die Techniker noch mit diesen beschäftigt sein.

Mit den Auswirkungen der Tschernobyl-Katastrophe auf das Nachbarland Weißrussland hat sich Spiegel Online auseinandergesetzt. 70 Prozent des Fall-Outs gingen über den Regionen Gomel und Mogilew im Osten des Landes nieder. Evakuiert wurde niemand, lediglich Strahlenmessungen werden alle fünf Jahre durchgeführt. Die Führung des Landes verschweigt laut Experten der Bevölkerung die Folgen des GAU.

Verstrahlte Wildschweine in DeutschlandPräsident Alexander Lukaschenko und seine Regierung erklärten Anfang diesen Jahres 203 bislang als kontaminiert geltende Siedlungen zu sauberen Zonen erklärt. Die weißrussischen Behörden stützen sich darauf, dass die Halbwertszeit des radioaktiven Cäsium-137 etwa 30 Jahre betrage. Diese Zeit ist nun um. Strahlenschützer rechnen aber mit zehn Halbwertzeiten, die vergehen müssen, bis ein Nuklid nicht mehr nachweisbar ist, in diesem Fall also 300 Jahre.

Die verstrahlten Gebiete seien auch mit Strontium und Polonium belastet, die Radioaktivität gelange über den Boden wieder in den Nahrungskreislauf. Staatschef Lukaschenko setzt dennoch auf Atomenergie. In Ostrowez entsteht das erste Atomkraftwerk des Landes. Es soll 2018 an in Betrieb gehen. Der Vertrag wurde im Oktober 2011 unterschrieben, ein halbes Jahr nach Fukushima.

In Deutschland waren aufgrund des damaligen Wetters vor allem Regionen in Süddeutschland von radioaktiven Niederschlägen betroffen. Die Belastung ist aber nicht so stark, da es nur das Leichtmetall Cäsium in Form von Aerosol-Kügelchen und das leicht zu verdampfende Jod über die Atmosphäre bis nach Deutschland schafften, schreibt Spektrum.de. Pilze und Beeren liegen bei der Radioaktivität unter den strengen Grenzwerten. Lediglich die Wildschweine in den Gebieten geben den Forschern Rätsel auf. Teilweise sind sie stärker belastet als kurz nach der Katastrophe vor 30 Jahren. Dieses Mysterium soll weiter untersucht werden.

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