Presseschau: EU-Kommission berät über neue Zulassung für Glyphosat

Presseschau: EU-Kommission berät über neue Zulassung für Glyphosat

von Robyn Schmidt

Die EU-Kommission berät über eine Erneuerung der Zulassung für den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat.

Glyphosat ist eines der derzeit umstrittensten Themen in der deutschen Landwirtschaft. Über das Unkrautvernichtungsmittel wird schon länger diskutiert, vor allem über die Frage, ob es krebserregend ist. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit beispielsweise hält es für unwahrscheinlich, dass Glyphosat eine "krebserregende Gefahr" für Menschen darstellt. Die Internationale Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation hat das Mittel dagegen als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft.

Die Diskussion hat in den vergangen Wochen noch mal kräftig an Fahrt aufgenommen. Das liegt zum einen daran, dass in einer Studie der Unkrautvernichter in vielen deutschen Biersorten nachwiesen wurde. Zum anderen berät die EU-Komission aktuell über eine neue Zulassung für Glyphosat.

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Dass diese aber auch in den nächsten Tagen beschlossen wird, ist noch keine sichere Sache, schreibt der Guardian. Einige Länder wie etwa Schweden, Frankreich und die Niederlande sind nicht überzeugt, dass Glyphosat harmlos ist und könnten deshalb gegen eine Zulassung stimmen. Bevor die Zulassung aber abgelehnt würde, werde man die Wahl wahrscheinlich lieber verschieben, sagt ein EU-Beamter der britischen Zeitung.

Deutschland könnte sich enthaltenDeutschland könnte sich bei der Abstimmung enthalten, meint das Handelsblatt. Noch stimmen sich die Ressorts im Umwelt- und Landwirtschaftsministerium über eine gemeinsame Haltung ab. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ist skeptisch gegenüber dem Mittel, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ist für die Zulassung. Sollte sich die Bundesregierung uneinig sein, so sei eine Enthaltung das Wahrscheinlichste.

Dass ein großer Teil der Menschen in Deutschland von dem Unkrautvernichter betroffen ist, zeigt eine Studie von Euractive Deutschland. Laut dieser liegt die Glyphosat-Belastung bei 75 Prozent der untersuchten Menschen fünf Mal so hoch, wie es der Grenzwert für Trinkwasser zulässt. Auf die weite Verbreitung wollten auch die Grünen-Politiker aufmerksam machen, bei denen nach einem Test Glyphosat im Körper festgestellt wurde.

Die taz bemängelt die Nähe zwischen den Überwachungsbehörden und der Industrie. Die Ämter stützten sich beispielsweise auf Studien der Hersteller. Außerdem würden die Kontrolleure zusammen mit von der Branche finanzierten Organisationen an neuen Prüfungsverfahren arbeiten.

Für Landwirte wäre ein Verbot von Glyphosat problematisch, schreibt die Süddeutsche. Ohne das Mittel müssten sie öfters pflügen, um das Unkraut loszuwerden. Das wiederum ist auch nicht ideal für den Boden. Es gilt also einen Kompromiss zu finden. "Ein sparsamer, gezielter Umgang mit Glyphosat wäre klug", sagt Horst-Henning Steinmann, Projektleiter am Zentrum für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung der Universität Göttingen.

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