Presseschau: Unklarheiten fünf Jahre nach Fukushima

Presseschau: Unklarheiten fünf Jahre nach Fukushima

Fünf Jahre ist der Unfall von Fukushima her. Noch heute sind viele Fragen offen. Ein Überblick über die aktuelle Lage.

Selten ließ sich ein Jahrestag mit so vielen anderen Themen verknüpfen, wie nun derjenige der Katastrophe von Fukushima. Zur Erinnerung: 2011 kam es vor der japanischen Küste zu einem Seebeben, das alleine über 15.000 Menschen das Leben kostete. Die Wellen, die danach die Küste überschwemmten, zerstörten unter anderem die Meerwasserpumpen des Atomkraftwerks, überschwemmten Stromaggregate und Verteilerschränke.

In der unübersichtlichen Gemengelage kam es zu mehreren Kernschmelzen, später zu Explosionen, sodass radioaktives Material in Luft und Wasser gelangen konnte. Mehrere hundert Menschen starben bislang an den Folgen des Unglücks, wobei sich genaue Zahlen nur schwierig schätzen lassen. Die Region leidet bis heute unter einem erhöhten Krebsrisiko und vermehrten psychischen Störungen, ergaben wissenschaftliche Untersuchungen. Aber im Einzelfall lässt sich eine Krebserkrankung kaum auf die Katastrophe zurückführen.

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Zeit Online schließt aus der schwierigen Datenlage überraschenderweise: "Nicht ein einziger Mensch ist seit dem GAU nachweislich durch die Strahlung gestorben." Ein Großteil der Menschen in der Region sei, anders als beim Unfall von Tschernobyl, rechtzeitig geflohen. Außerdem sei im Vergleich zum Unglück vor 30 Jahren nur ein Fünftel der Radioaktivität entwichen. Ein Ausschuss der Vereinten Nationen erwartete keine Gesundheitseffekte in der Bevölkerung und dem Großteil der Arbeiter.

Im August vergangenen Jahres meldete der Spiegel hingegen den ersten Krebsfall, der direkt auf den Unfall zurückzuführen sei. Dabei gebe es noch weitere, ähnliche Fälle - bei denen der Zusammenhang aber noch nicht bestätigt wurde.

Tatsächlich seien an den Folgen der Evakuation mehr Menschen gestorben, als durch die direkte Strahlung. Auch hier schwanken die Schätzungen. Die World Nuclear Association (ein Verband, der die Nuklearindustrie repräsentiert) spricht beispielsweise von über 1000 Menschen, deren Tode "disaster-related" sind, aber nicht durch den Tsunami oder Strahlung bedingt. Diese Tode wurden vom Stress der Flucht und dem Leben in den Notfallcamps, oder auf Grund der Evakuierung fehlender medizinischer Behandlung bestehender Krankheiten verursacht. Betroffen waren dadurch hauptsächlich ältere Menschen.

Wie geht es weiter mit der Atomkraft?Im Kraftwerk kämpfen auch heute noch tausende Arbeiter gegen Lecks und verstrahlten Boden, schreibt der Spiegel. Geschlossene Kühlkreise sind teilweise nicht mehr da, deshalb würden jeden Tag Hunderte Tonnen Wasser in die zerstörten Reaktorgebäude geleitet. Das verseuchte Wasser muss danach in großen Tanks gelagert werden. Ob die geschmolzenen Brennstäbe jemals geborgen werden, ist noch unklar.

So wirklich weiß niemand, wie es mit der Atomkraft weitergehen wird. Viele Länder gehen unterschiedliche mit der Frage um. In Deutschland hat Fukushima einen wesentlichen Anteil an der Entscheidung für den Atomausstieg bis 2022. Frankreich hält dagegen weiter an der Kernkraft fest und auch in Japan gibt es keinen konkreten Plan für einen Atomausstieg. Dabei hat die Atomindustrie seit Fukushima schwere Schläge einstecken müssen, meint die taz. Immer neue Zwischenfälle (wie beispielsweise in den AKWs Fessenheim oder Indian Point in New York), günstigere Alternativen und der Erfolg der erneuerbaren Energien haben der Branche geschadet. "Eine Zukunft", so die Zeitung, "hat die Technik heute nur noch da, wo Regierungen die Atomwirtschaft mit viel Staatsgeld und gegen die Gesetze des Kapitalismus am Leben halten."

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