Raubfische aus Aquakulturen: Können Forscher roten Thun durch Zucht retten?

Raubfische aus Aquakulturen: Können Forscher roten Thun durch Zucht retten?

von Jürgen Rees

Der rote Thun wird seit Jahren erbarmungslos gejagt. Aquafarmen sollen die Bestände sichern.

Der Rote Thun ist einer der geschicktesten Räuber der Meere. Um Beute wie Makrelen oder Rotbarsche zu erwischen, kann er seinen torpedoförmigen Körper auf bis zu 80 Kilometer pro Stunde beschleunigen - und das bei einer Körperlänge von bis zu fünf Meter und einem Gewicht von rund 700 Kilogramm.

Allerdings wächst kaum noch ein Exemplar zu voller Pracht heran. Meist endet der Rote Thun schon als Jungtier in den Netzen der Hochseefischer. Sein deliziöses tiefrotes Muskelfleisch hat ihn zum weltweit begehrtesten Speisefisch gemacht. Damit ist er selbst ein Gejagter geworden.

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Für ein Exemplar von 130 Kilo zahlen Händler in Tokio 80 000 Euro und mehr. Er ist so teuer, weil die Fischer weit mehr Tiere fangen als nachwachsen. Das verknappt das Angebot.

Aquakulturen sollen Hunger auf Fisch stillenWie dem Roten Thun ergeht es immer mehr Arten. Mehr als ein Viertel der weltweiten Fischbestände gilt als überfischt, sagt der World Ocean Review von 2013, eine Art Bestandsaufnahme der Meere. Heute wird jährlich fünfmal so viel Fisch gefangen wie noch 1950.

Inzwischen lassen sich die weltweiten Fangmengen nicht mehr steigern. Das wird zum Problem. Denn nur wenn die Ozeane genügend Nahrung hergeben, lässt sich die rasch wachsende Weltbevölkerung ernähren. Fisch ist in vielen Länder das wichtigste Lebensmittel - vor allem in Asien.

Den Hunger auf Fisch sollen in Zukunft Aquakulturen stillen. Kein anderer Bereich der Nahrungsmittelproduktion boomt so stark; zwischen 1970 und 2008 wuchs er weltweit im Durchschnitt um 8,4 Prozent pro Jahr. Rund 60 Millionen Tonnen Meeresfisch und Meeresfrüchte - mittlerweile 600 verschiedene Arten - stammen heute aus Zuchtanlagen. Das entspricht gut drei Vierteln der Menge, die Fischer 2011 wild fingen.

Forscher wollen nun selbst Raubfische wie den Roten Thun züchten. Doch da er lange Strecken wandert, ist er nicht so einfach zu halten wie Karpfen oder Garnelen. Der Rote Thunfisch lebt in unseren Breiten im Atlantik, kommt im Juni ins Mittelmeer, um zu laichen, und schwimmt dann zurück in den Atlantik.

Mast-Thun bedroht Makrelen und Sardinen Malta ist Pionier beim Versuch, Roten Thun in Aquakulturen zu halten. Fischmast wäre wohl der passendere Ausdruck. Denn anders als bei Lachsen, die aus Laich groß gezogen werden, fangen die Betreiber vor allem Jungtiere ein und füttern sie bis zur richtigen Größe.

Die Umweltschützer von Greenpeace kritisieren, dass dies den illegalen Fang von Thunfisch ankurbeln würde. Um alle geplanten Zuchtkäfige im Mittelmeer mit jungen Thunfischen zu versorgen, müsste die legale Fangquote um 60 Prozent überschritten werden.

Ein weiteres Problem: Die Raubfische fressen in Gefangenschaft Makrelen und Sardinen in riesigen Mengen, was deren Bestände bedroht. Solche Art Aquakulturen können also kaum geeignet sein, die Lage zu verbessern. Man würde auch nicht damit beginnen, Füchse, Wölfe und andere Landraubtiere in großem Stil zu züchten und sie mit Wild zu füttern.

Umfangreiche Informationen zum Thema Fischzucht bietet der WWF in einem Themenspezial an.

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In einer Mini-Serie beleuchtet WiWo Green in den kommenden Tagen die fantastische Unterwasserwelt mitsamt ihrer ökonomischen Perspektiven. Als nächstes befassen wir uns mit schwimmenden Städten. 

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