Rohstoffe: Altmaier macht Weg frei für Fracking

Rohstoffe: Altmaier macht Weg frei für Fracking

von Sebastian Matthes

Fracking soll unter strengen Auflagen in Deutschland möglich werden. Wie gefährlich ist die Technik wirklich? Sind die Sorgen berechtigt? Die wichtigsten Fakten.

Fracking soll nun auch in Deutschland möglich werden. Unter strengen Auflagen will die Bundesregierung die umstrittene Gas- und Ölförderung aus tiefen Gesteinsschichten erlaufen. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) haben sich nach langem Hin und Her auf einen Verordnungsentwurf geeinigt.

Doch das beruhigt viele nicht. Kritiker sorgen sich um die Umwelt. Weil Chemikalien in die Böden gepumpt werden, um Gesteinsschichten aufzubrechen, aber auch, weil kolonnenweise Lastwagen durch die Natur brettern, um das geförderte Öl und Gas abzutransportieren.

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Sind die Sorgen berechtigt? Wie viel Gas gibt es überhaupt? Und an welchen Stellen übertreiben Kritiker und Befürworter? Mit diesen Fragen haben wir uns bei WiWo Green immer wieder befasst. Im folgenden die wichtigsten Texte zum Thema Fracking.

Wie groß ist die Gefahr?Generell halten Experten das Fracking-Verfahren in Deutschland für beherrschbar. In einer Studie kommt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zu dem Ergebnis, grundsätzlich sei "ein umweltverträglicher Einsatz der Technologie möglich“.

Das gilt auch für die USA. Vertreter der Gasindustrie beharren darauf, dass Fracking nicht gefährlicher sei als die herkömmliche Erdgasförderung. Nach 20 000 Fracks in den USA habe es nur knapp 40 Beschwerden wegen verschmutzten Grundwassers gegeben. Eine ordentliche Bilanz, attestierten Forscher der Eliteuni MIT.

Dennoch gelangte in den USA Fracking-Gift immer wieder ins Grundwasser.

Experten vermuten, dass die Chemie aus undichten Auffangbecken oder Förderrohren gesickert ist. Möglicherweise drang die Flüssigkeit aber auch durch die nur 500 Meter dicke poröse Gesteinsschicht nach oben, die an manchen Orten zwischen Grundwasser und Gasfeld liegt.

Warum sollten wir das überhaupt tun?Zwar werden die Erdgas- und Ölfördermengen, die in den USA durch Fracking sprudeln sollen, gerade in Frage gestellt. Sollten die Prognosen aber einigermaßen stimmen, wäre es politisch nur schwer darstellbar, den möglichen Erdgas-Boom an der deutschen Volkswirtschaft vorbeiziehen zu lassen, gerade dann, wenn die Diskussion über steigende Energiepreise aufflammt. Bleiben die Gaspreise in den USA dauerhaft so niedrig, wird das Land eine anhaltende Renaissance der Industrie erleben - zu Lasten auch von deutschen Standorten.

Wie lassen sich die Risiken beherrschen?Unkonventionelle Erdgasförderung – Fracking genannt – ist hoch umstritten. Um die Gesteinsschichten aufzubrechen, pumpen Unternehmen Chemikalien un den Untergrund, die teils in der Erde bleiben. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Paul ist aber der Meinungt, dass wir die Technik dennoch brauchen. Sein Argument: Negative Umweltauswirkungen könnten bei Beachtung strenger Umweltauflagen verhindert werden, "zum Beispiel durch den Ausschluss von Frack-Maßnahmen in sensiblen Bereichen wie Wasserschutzgebieten oder den Gewinnungsgebieten von Mineral- und Heilwässern." Diese Einschätzung bestätigen mehrere unabhängige Studien. Altmaier hat genau das jetzt zur Grundlage seines Gesetzesvorhabens gemacht.

Kann man auch sauber fracken?Um die Risiken zu minimieren, entwickelt die Gasindustrie saubere Fracking-Techniken. Der österreichische Energiekonzern OMV und der US-Multi Halliburton arbeiten an einer Fracking-Flüssigkeit aus Wasser, Quarzsand und Maisstärke. Um die Verträglichkeit zu zeigen, trank Halliburton-Chef Dave Lesar bei einer Konferenz gar einen Schluck des Gebräus.

Was bedeutet der Gas-Boom für die Energiewende?Die Folge des Schiefergas-Booms sind sinkende Preise, wie sich in den USA zeigt, hier sind die Preise regelrecht eingebrochen. Das könnte sich negativ auf die Anstrengungen auswirken, die Energieversorgung auf erneuerbare Quellen umzubauen. Klare Belege gibt es noch nicht. Wenn aber Gas & Öl billiger werden, wird das Engagement für grüne Investments abnehmen. Auf dieses Problem hat die Unternehmensberatung PwC unlängst in einer Studie zum Thema Schieferöl hingewiesen.

Wie wird Fracking von Bürgern in den USA gesehen?Einerseits herrscht in den USA Euphorie ob des billigen Gases. Aber eine neue Umweltbewegung macht gegen die Gas- und Öl-Fördermethode „Fracking“ mobil - vor allem in New York. Die Industrie kämpft derweil gegen den Export des Rohstoffs, zum Beispiel der Chemieriese Dow Chemical. Er will, dass die US-Regierung den Export verbietet, um die heimischen Preise zu schützen. Die könnten durch eine Anbindung an den Weltmarkt steigen.

Bleibt das Klimaproblem.US-Wissenschaftler streiten derzeit heftig darüber, wie klimaschädlich die Schiefergas-Förderung wirklich ist. Fest steht: Mit herkömmlichen Verfahren gefördertes Erdgas verursacht beim Verbrennen 50 Prozent weniger klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) als Kohle und ein Drittel weniger als Öl. Für Schiefergas ist die Rechnung komplizierter.

Streitpunkt der Forscher ist, wie viel des Treibhausgases Methan – der Hauptbestandteil von Erdgas – beim Fracken in die Atmosphäre gelangt. Einige nehmen an, Schiefergas sei doppelt so klimaschädlich wie Kohle, weil während der Förderung massenhaft Methan durch undichte Bohrrohre austrete – einig ist die Forschung aber nicht, wie viel Methan wirklich in die Luft gelangt. Dieses Problem wird in den USA erst 2015 endgültig gelöst werden: Dann sind die Unternehmen verpflichtet, ihre Bohrtürme mit Dichtungen und Auffangbehältern nachzurüsten.

Noch Fragen?Hier finden Sie einen guten Überblick der aktuellen Studien zum Thema. 

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