Solarstrom: Sechs Trends, die den Energiemarkt der Zukunft verändern

Solarstrom: Sechs Trends, die den Energiemarkt der Zukunft verändern

Der Solarenergie steht ihr eigentlicher Durchbruch erst noch bevor, schreibt unser Kolumnist Eike Wenzel.

Von Eike Wenzel. Er gilt als einer der renommiertesten deutschen Trend- und Zukunftsforscher und hat sich als erster deutscher Wissenschaftler mit den LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) beschäftigt. Dies ist der zweite Teil seiner Kolumne, in der er erklärt, wie Technikinnovationen die Solarindustrie umkrempeln werden. Den ersten Teil finden Sie unter diesem Link.

Derzeit deutet sich an, was Verfechter der Solarenergie schon seit Jahren versprechen: Nämlich, dass solare Energiegewinnung ganz selbstverständlich auf jedem Quadratzentimeter unserer Erde stattfinden kann. Die folgenden sechs Trends werden in den nächsten Jahren ganz besonders dazu beitragen, dass Solar 2.0 unsere Energiewelt radikal umkrempelt:

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1. Nicht nur in den USA werden sich Erdgasboom und Solarboom ergänzen: Zweifellos hat das amerikanische Erdgaswunder zu einer neuen Weltlage auf den Energiemärkten geführt. Aber es wird die Zukunftsfähigkeit des Solarmarktes nicht in Frage stellen. Ein Grund dafür: Das künftig nicht nur in den USA sprudelnde Erdgas wird nur zu knapp einem Drittel zur Stromproduktion verwendet. Wichtiger noch: Die kluge Zusammenschaltung von Erdgas und Solarenergie könnte, so die These der Citi-Bank, dazu führen, dass es sich nicht mehr lohnt, Dreckschleudern wie Kohlekraftwerke hochzufahren.

2. Solarthermie ist schon jetzt grundlastfähig und günstig: Eine US-Studie hat aktuell das Zukunftspotenzial von Solarthermiekraftwerken herausgearbeitet. Sie könnten bis 2050 einen Anteil von 25 Prozent an der weltweiten Stromversorgung haben. Ähnlich wie Kohle- und Gaskraftwerke liefern diese Kraftwerkstypen mittlerweile auch grundlastfähige Energie.

Solarthermiekraftwerke haben darüber hinaus den enormen Vorteil, dass sie aus Glas und Stahl gebaut werden. Also kein Silizium benötigen und andere teure und toxische Rohstoffe. Und auch hier gilt: Sonnenenergie aus den Sonnenreaktoren ist schon jetzt günstiger als der Strom aus den Kohledreckschleudern, bezieht man die Kosten für Treibhausgasemissionen mit ein.

3. Den Technologieaufschwung nutzen und stützen: Um Kosten und Wettbewerbsnachteile des Umbaus zu Solar 2.0 zu begrenzen und international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen neue Technologien frühzeitig verfügbar gemacht werden. Hierfür bedarf es ungleich höherer Investments in Forschung und Entwicklung, die durchaus auch an Tabus rühren müssen. Mit anderen Worten: Subventionen müssen auf dem Zukunftsmarkt Solar 2.0 weiter und anders fließen.

Ein komplett neues Kooperationsmodell zwischen Forschung und Industrie ist dafür notwendig. Aus erfolgstrunkenen deutschen Sonnenkönigen müssen endlich Industriekapitäne werden, die wissen, dass sie in einer der drei wichtigsten Zukunftsbranchen arbeiten.

4. Netzintegration der Photovoltaik (und der Erneuerbaren Energien insgesamt) vorantreiben: Der Ausbau der Photovoltaik und der Erneuerbaren Energien führt zu einem Systemwandel von der bisher zentralen Stromversorgung hin zu einer dezentralen Versorgungsstruktur. Neue Speichermedien sind für das Erblühen von Solar 2.0 unverzichtbar und müssen mit Hochdruck entwickelt werden.

Die Stromnetze sind bislang für eine zentrale Stromversorgung ausgelegt. Aus der zunehmenden Anbindung fluktuierender und dezentral einspeisender Erneuerbarer Energien ergeben sich neue Anforderungen, an die das Versorgungssystem angepasst werden muss.

5. Dezentralisierung und räumliche Gleichverteilung von Solar ist möglich und wünschenswert: Neuere Studien belegen, dass es in Deutschland grundsätzlich egal ist, an welchen Orten Solarenergie erzeugt wird. Das eröffnet Riesenchance für eine möglichst dezentrale Nutzung. Und Dezentralisierung bedeutet ja, die verbrauchsnahe Erzeugung von Energie sicherzustellen. Der Ausbau der Photovoltaik kann deshalb flächendeckend und gleichmäßig über Deutschland betrieben werden. So lassen sich die Netzausbaukosten auf Verteilnetzebene reduzieren, da regionale Konzentrationen von Photovoltaik-Anlagen vermieden werden.

Gleichzeitig wird verhindert, dass mittel- bis langfristig Übertragungsnetzkapazitäten aus dem Süden in den Norden benötigt werden. Wer auf Dezentralisierung setzt, der wird auch dabei mitverdienen, wenn um die revolutionäre Energie herum neue energieautarke Wohnformen entstehen. Der Solarmarkt wird in den kommenden Jahren zu einem Konvergenzmarkt, bei dem sich dann nicht mehr nur an den banalen Sonnenkollektoren verdienen lässt. Der Zukunftsmarkt Solar wird viele andere Märkte wie Bau, Mobilität, Infrastrukturen, Elektronik, Haustechnik etc. transformieren.

6. Markteroberungen für Solar sind auch über 2020 hinaus möglich: Wenn die deutschen Unternehmen die Herausforderung Solar 2.0 in Angriff nehmen wollen, dann bedeutet das auch eine radikale Internationalisierung des Geschäfts. Nach dem nächsten Technologiesprung wird Solar hierzulande zu günstigen Preisen quasi an jedem Hoftor montierbar sein.

Doch gerade im Nahen Osten hat der Solarboom noch gar nicht begonnen. Laut Frank Asbeck, Chef des angeschlagenen deutschen Solarherstellers Solarworld, ist es für Länder wie Saudi-Arabien und Katar heute schon günstiger, Sonnenstrom zu produzieren als sich bei den eigenen Erdöl- und -gasreserven zu bedienen. Dort gibt es genügend Geld - die Technologie könnte die neue deutsche Solarindustrie liefern.

Das Fazit: Deutschlands Hightech-Schmieden und die Solarindustrie müssen sich jetzt klar machen, dass Solar 2.0 beziehungsweise der eigentliche Solarboom erst kommt. Die Technologie wird sich in den kommenden Jahren noch mehrmals dramatisch verbessern. Märkte wie Afrika und jetzt schon der Nahe Osten versprechen gigantische Geschäftschancen.

Frank Asbeck hat Recht, wenn er sagt, dass China verstanden hat, dass Solar mittelfristig die größte Energiequelle auf dem Planeten wird: „Das kann wertvoller sein als auf allen Öl- und Gasvorräten der Erde zu sitzen“, so Asbeck. Auch der deutsche Stromverbrauch könnte innerhalb der kommenden zehn Jahre zu einem Drittel von der Sonne gedeckt werden (aktuell sind es fünf Prozent). Enorme Perspektiven für Solar 2.0. Jetzt müssen wir die Chance nur noch nutzen.

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