Sozial statt egal: Berlinerinnen gründen Stellenportal für "Jobs mit Sinn"

Sozial statt egal: Berlinerinnen gründen Stellenportal für "Jobs mit Sinn"

von Nora Marie Zaremba

Sozial macht glücklich - dachten sich drei Gründerinnen und starteten mit "The Changer" ein soziales Stellenportal.

"Ein Job sollte nicht nur Geld bringen, sondern vor allem Freude und Sinn machen", sagt Nadia Boegli, 31 Jahre alt, und eine von drei Gründerinnen der Jobplattform "The Changer". Und viele Arbeitnehmer würden den Satz unterschreiben: Umfragen in der Arbeitswelt, beispielsweise von McKinsey, kommen zu dem Ergebnis, dass sich mehr als 30 Prozent der deutschen Arbeitnehmer nach einem Beruf "mit Sinn" sehnen.

Boegli fand aber keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage, wo es solche Jobs gibt - also beschloss sie -  gemeinsam mit ihren beiden Freundinnen Naomi Ryland und Nicole Winchell - "The Changer" zu gründen. Wie es der Name andeutet, möchte die Plattform Berufstätige darin unterstützen, in "gute" Jobs einzusteigen. Die Angebote reichen vom Programmierer in einer Umwelt-NGO bis hin zum Waldorf-Pädagogen. Geeignet sind die Angebote nicht nur für Berufswechsler mit langjähriger Erfahrung, sondern es gibt Einsteigerjobs sowie Praktika-Angebote.

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Idee kam nachts am KüchentischKennengelernt hatten sich die drei Frauen bereits im Masterstudium Konfliktforschung in Berlin. Da alle drei damals noch in einer gemeinsamen Wohnung in Berlin lebten, entstand die Idee für eine "Jobplattform mit Sinn" in einer langen Nacht am Küchentisch.

Heute, eineinhalb Jahre später, hat "The Changer" rund 100.000 Besucher im Monat, die sich für rund 350 Angebote, die es auf der Seite im Schnitt gibt, interessieren.

"In Deutschland hat der soziale Sektor ja irgendwie ein verstaubtes Image. Und es heißt es immer, da verdiene man ohnehin nichts." Das zumindest ist Boeglis Eindruck aus Gesprächen mit vielen Freunden. Deswegen ist es den drei Gründerinnen ein Anliegen, zu zeigen, dass Jobs im sozialen Sektor vielfältiger und innovativer sind als die meisten annehmen würden. "Wer bei uns auf der Homepage ist, der wird feststellen, dass da viel geht", sagt Boegli.

Mehr als eine Job-PlattformIn zwei Jahren hat "The Changer" eine regelrechte Community aufgebaut. In eigenen Artikeln informiert sie diese darüber, was es neues aus dem sozialen Sektor gibt und stellt interessante Gründer und ihre Geschäftsideen vor. Daneben gibt es eigene "The Changer"-Hangouts, wo sich Interessierte in informellen Rahmen ganz persönlich kennenlernen können.

Die Community, so weiß Boegli es aus vielen Rückmeldungen der Nutzer, steht natürlich mitten im Berufsleben, ist tendenziell jünger und sucht nach ganz unterschiedlichen Berufen. Was sie eint: "Etwa die Hälfte unserer Nutzer war vorher nicht im sozialen Sektor tätig", erklärt Boegli.

Wer wechselt, muss bereit sein, ein gewisses Risiko zu tragen. So war es auch bei den "The Changer"-Gründerinnen. Teilweise waren sie nach ihrem Studium in der NGO- und Start-up-Szene tätig. Der Wunsch aber, die eigene Sache zu machen, überwog schließlich.

Vielleicht ist es auch ihr kultureller Hintergrund, der sie mutiger gemacht hat als viele ihrer Altersgenossen. Die drei Wahl-Berlinerinnen stammen ursprünglich aus der Schweiz, England und den USA. Zumindest im angelsächsischen Raum scheint es akzeptierter, zu gründen und damit auch das Risiko einzugehen, auf die Nase zu fallen.

Auch schon in Hamburg und MünchenFinanzielle Mittel, um die Plattform aufzubauen, erhielten Boegli und ihre Mitstreiterinnen durch ein einjähriges Stipendium der Gründerwerkstatt der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. War es am Anfang noch ein mühsames Zusammensuchen aller Jobs von verschiedensten Plattformen, kommen heute namhafte NGOS und Firmen mit CSR-Ausrichtung selbst auf die Plattform zu.

Unternehmen können zudem ein Upgrade buchen, das noch mehr wechselbereite und besondere Top-Talente erreichen soll. Das Angebot, dass Unternehmen gesponserte Beiträge schalten können, ist ein weitere Möglichkeit, „The Changer“ zu finanzieren.

"The Changer" gibt es bereits in anderen deutschen Großstädten wie Hamburg und München. Im nächsten Schritt planen die Gründerinnen, ihre Plattform nach London und New York zu bringen. (Und wenn es nicht der soziale, sondern der ökologisch-ökonomische Bereich sein soll, empfehlen wir natürlich weiterhin ganz uneigennützig unsere Green Jobs.)

Korrektur: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass "The Changer" erst noch in Hamburg und München aufgebaut werden soll. Die Plattform ist allerdings dort bereits vertreten. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.  

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