Spekulation: Lässt sie die Preise für Nahrungsmittel explodieren?

Spekulation: Lässt sie die Preise für Nahrungsmittel explodieren?

von Benjamin Reuter

Es scheint Gewissheit zu sein, dass Finanzhändler die Preise für Essen in die Höhe treiben. Doch eine neue Studie kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Wirklich sympathisch ist das nicht: Die Chefs der Deutschen Bank werden nicht müde zu betonen, dass ihre Geschäfte mit Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Reis und Mais keine Auswirkung auf deren Preise haben. „Unbewiesen“, entgegnete Josef Ackermann seinen Kritikern auf diesen Vorwurf immer. Auch der aktuelle Chef Jürgen Fitschen rechtfertigt so das Tun seines Geldhauses.

Die Deutsche Bank hatte nach Kritik von verschiedenen NGOs wie Foodwatch 2012 den Handel mit Nahrungsmitteln ausgesetzt, um eine interne Prüfung vorzunehmen. Da die eigenen Experten keinen Einfluss feststellen konnten, will die Bank jetzt die Geschäfte wieder aufnehmen.

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Bei Bildern von Millionen Hungernden auf der Welt, Vorwürfen von NGOs, dass die Spekulanten regelrechte Nahrungskriege auslösen und Staaten destabilisieren, wirkt die Rückkehr der Deutschen Bank ins Nahrungsmittelgeschäft wie Hohn.

Aber was ist dran an den Argumenten der Banker? Eine Untersuchung von Forschern des Leibniz-Institutes für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa in Halle (Saale) kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis. Die Wissenschaftler um den Institutsleiter Thomas Glauben analysierten für ihren Report 35 Studien zum Thema Spekulation und Nahrungsmittelpreise.

Dabei zeigt sich, dass die weit überwiegende Mehrheit der Forschungsarbeiten die vorherrschende Befürchtung zum Einfluss der Spekulation auf die Agrarrohstoffmärkte nicht bestätigt.

Laut Forschungsleiter Thomas Glauben ist sogar das Gegenteil der Fall: „Auch wenn die Forschungsliteratur sicherlich noch Fragen offen lässt, spricht angesichts des aktuellen Erkenntnisstands vieles dafür, den zivilgesellschaftlichen Alarm als Fehl-Alarm einzustufen. Im Gegenteil, die Finanzspekulation kann dazu beitragen, Agrarmärkte besser funktionieren zu lassen."

NOGs wie Foodwatch und die Welthungerhilfe werden demnächst wohl mit eigenen Studien nachlegen. Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein. Das Paper des Leibniz-Institutes gibt es hier als PDF.

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