Sport: Warum ein Extremläufer für die Energiewende rennt

Sport: Warum ein Extremläufer für die Energiewende rennt

Kolumne "Extrem Lauf": Jürgen Mennel ist Vizeweltmeister über 100 Kilometer. Von der Energieeffizienz seines Körpers sollen Unternehmen für die Energiewende lernen.

Jürgen Mennel ist in jeder Beziehung extrem. Als Sportler, als Umweltschützer und, nun ja, auch als Mensch. Dauerläufer Mennel wurde 1991 Vizeweltmeister im Lauf über 100 Kilometer und hat nach eigener Aussage in seinem Leben schon rund 340.000 Kilometer joggend zurückgelegt. Eine Strecke, die so mancher im Leben nicht einmal mit dem Auto schafft.

Er trägt Viertagebart, hat kurze struppige Haare und hat kein Gramm Fett zuviel am Körper. Aber Mennel möchte nicht nur laufen. Er will laufend auch die Energiewende in Deutschland voranbringen. Denn während er läuft, versucht er mit Wissenschaftlern zusammen zu ergründen, was die Energieeffizienz-Forschung vom menschlichen Körper lernen kann.

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Schon in den Neunzigerjahren lief Mennel Umweltmarathons, zum Beispiel zum Weltklimagipfel in Berlin, um auf die Zerstörung der Erde aufmerksam zu machen. Die „gesellschaftliche Bedeutung des Sports“, will er seitdem nutzen, um die Menschen auf den dringend notwendigen Umweltschutz hinzuweisen.

Mit seiner Begeisterung für das Laufen, hofft der 52-Jährige auch eine Inspiration für andere zu sein und Gründer einer neuen Mobilitätskultur: „Eine CO2-freie Bewegung zum Arbeitsplatz, kann in Großstädten ein hohes umweltfreundliches Potenzial entfalten“, sagt er. Immerhin sei das Laufen die ursprünglichste und klimaneutralste Fortbewegungsart überhaupt.

Was ihn – auch im Wortsinn – bewegt, wie er mit seinem Projekt vorankommt und was alle Hobbysportler von dem Extremläufer lernen können, beschreibt Jürgen Mennel hier bei WiWo Green in den nächsten Wochen in seiner Kolumne "Extrem-Lauf".

Was ein Extremlauf mit der Energiewende zu tun hatIm Winter trainiere ich hauptsächlich in den späten Abendstunden. So schnürte ich vergangene Woche meine Joggingschuhe, trat aus meinem Haus im schwäbischen Affaltrach und blickte in die kalte Nacht hinaus. Die Uhr stand auf ein paar Minuten nach Zwölf.

Ich hatte die letzten zwei Tage absichtlich kaum etwas gegessen. So will ich herausfinden, wie mein Körper mit der Belastung umgeht. Um die Ecke kommt mein Bekannter auf dem Rennrad, mit dem ich um die Wette laufen will. Die Strecke: Sechs Kilometer bergan bei bis zu neun Prozent Steigung.

Ich trage kurze Hosen und die kalte Luft beißt in der Lunge. Nicht nur einmal während der Strecke, komme ich an mein Limit. Die jetzt noch spärlich vorhandenen Energiereserven sind durch das hohe Tempo aufgebraucht. Welche Energiebereitstellungen des Körpers sind jetzt noch möglich? Nach einer weiteren Tempobeschleunigung bin ich auf einmal endgültig energetisch im Niemandsland angelangt. Nur durch ganz abgestimmte flexible, tiefe Atemrhythmen gelingt es, die totale Erschöpfung zu vermeiden und den hohen Energiemangel etwas auszugleichen.

Paradoxer Weise erholt sich plötzlich der Körper. Was ist geschehen? Neue, noch unbekannte, flexible Energiebereitstellungsmechanismen beginnen plötzlich zu wirken, da jetzt neue Energiereserven angezapft und zugleich trainiert und weiterentwickelt werden. Aufgrund dieser Effekte sind im Ultra-Ausdauerbereich enorme leistungssteigernde Energieleistungen möglich! Am Ende brauche ich für die Strecke 22 Minuten. Meinen Freund auf dem Fahrrad habe ich auf den letzten Metern überholt.

2200 Kilometer in 24 TagenDass meine Berufung für die Energiewende in Deutschland von Bedeutung sein könnte, fiel mir das erste Mal vor zwei Jahren auf. Also noch bevor das AKW in Fukushima havarierte und die schwarz-gelbe Regierung auf einen grünen Energiekurs umschwenkte.

Damals rannte ich meinen Ultramarathon von Heilbronn über Straßburg nach Athen. Für die 2200 Kilometer brauchte ich 24 Tage. Darunter waren auch Dauerläufe von mehr als 20 Stunden. So rannte ich nahe Bologna, als keine Unterkunft zu finden war, einfach die ganze Nacht durch.

Auch für den Athen-Lauf hatte ich mit ungewöhnlichen Methoden trainiert: Auf die extreme Hitze in Südeuropa bereitete ich mich in der Heimat vor, indem ich in Wollmänteln trainierte, um so ein optimiertes körperliches Temperaturmanagementsystem aufzubauen.

In den extremsten Passagen des Ultramarathons war ich selbst erstaunt, wie effizient mein Körper mit der Energie und Kraft umging. Das brachte mich auf die Idee, dass der Körper das perfekte Symbol für energieeffiziente Technik sein könnte.

Vom Körper lernen, wie man Energie spartAusgehend davon habe ich eine Laufbanddemonstration entwickelt. Bei dieser erfolgt eine wissensgenerierende und zugleich didaktisch aufbereitete Verknüpfung zwischen biologisch trainierten und technischen energieeffizienten Energiesystemen. Genaueres werde ich in den kommenden Wochen berichten.

Als Einstieg zu dieser Laufbanddemonstration entwickelte die Hahn-Schickard-Gesellschaft in Villingen-Schwenningen – ein sehr innovatives anwendungsbezogenes Forschungsinstitut, welches in hohem Maße über Expertise im Bereich Energy Harvesting verfügt – einen Laufschuhdemonstrator. Der ist in der Lage, meine Laufbewegungen in nutzbaren Strom zu verwandeln (das sogenannte Energy Harvesting Prinzip). Danach geht die eigentliche Laufbanddemonstration erst richtig los.

Mit dieser Laufbanddemonstration ergeben sich für viele Unternehmen vor allem an der Schnittstelle von intelligent trainierbaren körperlichen Systemen (zum Beispiel spezielles Lauftrainng in ständig abgestimmten schnell wechselnden aeroben und aneroben Energiebereitstellungsbereich) und intelligenten technischen Systeme (zum Beispiel künftige Energiemanagementsysteme) zahlreiche Wertschöpfungspotenziale. Der genaue Ablauf der Laufbanddemonstration ist hier abrufbar.

Mit meinen Nachtläufen trainiere ich derzeit für einen nächsten Ultramarathon. Bei meinem „Energieeffizienzlauf“ will ich an mehreren Tagen jeweils 100 Kilometer zwischen Nürnberg und Berlin laufen. Beginnen werde ich auf der Messe SENSOR + TEST in Nürnberg. Zum ersten Mal wird die dann fertig gestellte Laufbanddemonstration vorgeführt.

Und hier noch zwei Tipps, die Winterläufer beherzigen sollten:1.Lauftipp für Laufeinsteiger und Hobbyläufer: Nach leichtem Frühstück und ausreichender Flüssigkeitszufuhr laufen Sie langsamer als sonst los und achten von Anfang an auf ihren Atem. Probieren Sie während des langsamen Laufes einfach spontan verschiedene Atemrhythmen ihrer Wahl aus!

2. Lauftipp für ambitionierte Läufer: Probieren Sie doch einmal vor dem Frühstück zu laufen. Starten Sie dabei relativ früh und lernen dabei nach und nach ihre Potenziale, sprich ihren morgendlichen Bioenergierhythmus kennen. Experimentieren Sie mit ihren unterschiedlichsten Atemrhyhtmen und lassen Sie sich dabei nicht von Tempo und Zeitvorgaben zu sehr ableiten!

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