Startup-Tagebuch: Engpässe, Weihnachtsfeier und ein guter Start

Startup-Tagebuch: Engpässe, Weihnachtsfeier und ein guter Start

von Sebastian Matthes

Das Berliner Startup Chido’s mushrooms züchtet Pilze auf Kaffeesatz. Hier berichten die Gründer über ihren Start.

Das Berliner Startup Chido's mushrooms baut ein nachhaltiges Geschäftsmodell auf: Mitarbeiter des Unternehmens sammeln Kaffeesatz in Berliner Cafés ein und lassen darauf anschließend Gourmetpilze sprießen. Die verkauft Chido's anschließend an feine Restaurants. Weil die Idee ein Vorbild für eine Wirtschaft ist, in der kaum noch Abfälle entstehen, hat Chido's den Startup-Sonderpreis des Sustainovation Awards gewonnen, den die WirtschaftsWoche zusammen mit der Unternehmensberatung Altran vergibt. Bei WiWo Green schreibt Chido's-Geschäftsführer Philipp Buddemeier ein Startup-Tagebuch über Erfolge, Misserfolge - und Pilze. (Lesen Sie hier: Was bisher geschah)

10. Dezember 2012

Seit unser Startup-Tagebuch zum ersten Mal bei WiWo Green erschienen ist haben wir eine Vielzahl von Bestellungen für unser Home Growing Kit erhalten; auch etliche Anfragen nach unserem Franchise-Programm. Das  gibt uns vor Weihnachten noch einen kräftigen Schub.

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Wir bei Chido’s bauen Goumetpilze auf Kaffeesatz an, von denen wir zur Zeit knapp 200 Kilo pro Monat an Restaurants in Berlin liefern. Unser zweites Standbein ist das sogenannte Home Grwoing Kit. Damit können unsere Kunden Pilze auf Kaffeesatz auch Zuhause züchten.

Ich tue das auch. Mein kleiner Pilzgarten steht in der Küche meiner Berliner Wohnung. Dabei fällt mir immer wieder auf: Die sind fast so betreuungsintensiv wie eine neurotische Hauskatze. Mindestens drei Mal am Tag muss man sich um sie kümmern, sie mit Wasser besprühen. Und dann plötzlich sprießen die Pilze aus dem Karton.

Aber mal eben am Wochenende wegfahren? Schwierig. Dachte ich.

Vor ein paar Tagen habe ich aber etwas Neues von unserem Fahrradkurier gelernt. Der hat sein Home Growing Kit einfach in einen Untersetzer mit Wasser gestellt (siehe Bild).

Eigentlich bin ich zwar sehr stolz auf unsere grüne Pappverpackung, die das von vielen als ekelig empfundene Pilzmyzel elegant versteckt. Aber letztes Wochenende habe ich es auch ausprobiert und zwei entspannte Tage in Budapest genossen. Die Pilze sahen übrigens super aus als ich zurückkam.

13. Dezember 2012

Man muss ja schon ziemlich viel richtig machen um nichts falsch zu machen. Im Moment machen wir auf jeden Fall noch nicht genug richtig: rechtzeitig Tüten zu bestellen zum Beispiel, in denen wir die Pilze züchten oder ausreichend Heizlüfter ordern, die den Keller wärmen, in denen unsere Produktion läuft. Letzte Woche waren wir bei 11 Grad im Keller, zu wenig um die gewohnte Wachstumsgeschwindigkeit sicher zu stellen.

Das Problem: Wir waren in den vergangenen Wochen sehr knapp bei Kasse.

Jetzt sind wir in Verzug: Eine pünktliche Lieferung zu Weihnachten werden wir nicht für jede Bestellung hinbekommen. Wir mussten uns schnell eine Lösung einfallen lassen und verschicken nun Gutscheine. Natürlich gab es ein paar ärgerliche Reaktionen, aber die meisten Kunden wünschen uns einfach nur viel Erfolg und sind bereit auch noch eine Woche länger zu warten. Ich habe das Gefühl, sie haben Verständnis dafür, dass beim Aufbau eines Startups nicht immer alles glatt läuft.

14. Dezember 2012

Bio oder billig? Was kaufe ich nur für die Weihnachtsfeier bei Chido’s mushrooms? Als nachhaltiges Unternehmen sind Bio-Produkte natürlich ein Muss, als Startup ist der billige Einkauf aber mindestens genauso wichtig. Wir haben deshalb eine Bio-Pizza selber gemacht und bei unserem Praktikanten gefeiert.

Schön war‘s und toll alle ein bisschen besser kennen zu lernen. Jeder hat erzählt warum er sich für Chido's begeistern ließ. Jens, zum Beispiel, studiert Technischen Umweltschutz an der TU Berlin. Dort setzt er sich seit Jahren mit der Projektgruppe Blue Engineering dafür ein, dass möglichst viele Ingenieurinnen und Ingenieure ihre soziale und ökologische Verantwortung wahrnehmen.

An Chido’s mushrooms hat ihn die Möglichkeit interessiert Ideen für nachhaltige Produkte in der Praxis zu erproben. Seine Bachelor-Arbeit möchte Jens über das Thema Ökobilanzierung schreiben, vielleicht am Beispiel Chido’s mushrooms.

Oder Hannes: Er studiert eigentlich Sinologie, hat sich dann aber für die Ideen der Permakultur begeistert. Permakultur ist ein Konzept, das die Erzeugung naturnaher Kreisläufe zum Ziel hat und für den Aufbau einer nachhaltigen Landwirtschaft entwickelt wurde. Jetzt hilft uns Hannes die besten Möglichkeiten für die Weiterverwendung des Pilzsubstrats nach der Pilzernte zu identifizieren.

Insgesamt waren wir auf der Weihnachtsfeier zu zehnt. Mich hat vor allem begeistert, dass jeder seinen ganz eigenen Antrieb dafür hatte, sich bei uns zu engagieren. Danke, liebe Kollegen, für die tollen Monate seit unserem Start.

Folgen Sie Philipp Buddemeier bei Twitter.

 Lesen Sie die nächste Folge des Startup-Tagebuchs.

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