Startup-Tagebuch: Merkel will es nicht, Wowi nimmt‘s mit

Startup-Tagebuch: Merkel will es nicht, Wowi nimmt‘s mit

von Sebastian Matthes

Das Berliner Startup Chido’s mushrooms züchtet Pilze auf Kaffeesatz. Bei WiWo Green berichten die Gründer über den Aufbau ihres Sozialunternehmens.

Das Berliner Startup Chido’s mushrooms baut ein nachhaltiges Geschäftsmodell auf: Mitarbeiter des Unternehmens sammeln Kaffeesatz in Berliner Cafés ein und lassen darauf dann Gourmetpilze sprießen. Die verkauft Chido’s anschließend an feine Restaurants. Weil die Idee ein Vorbild für eine Wirtschaft ist, in der kaum noch Abfälle entstehen, hat Chido’s den Startup-Sonderpreis des Sustainovation Awards gewonnen, den die WirtschaftsWoche zusammen mit der Unternehmensberatung Altran vergibt. Bei WiWo Green schreibt Chido’s-Geschäftsführer Philipp Buddemeier ein Startup-Tagebuch über Erfolge, Misserfolge – und Pilze.

18. Januar 2013Seit 30 Jahren war schon kein Kanzler mehr auf der Grünen Woche. Angela Merkels Eröffnungsrundgang ist deshalb eine große Sache. 1.630 Aussteller verteilt auf 26 Hallenkomplexen nehmen an der Grünen Woche teil. 11.600 Schritte müsste man zurücklegen, um an allen Ständen vorbeizukommen teilt der Veranstalter mit. Merkels Rundgang ist bedeutend kürzer, aber sie kommt an unserem Stand vorbei.

Als ich mich frech an den Bodyguards vorbeidränge um ihr unser Home Growing Kit zu überreichen, sagt sie aber nur „Ne, will ich nicht“. Herr Wowereit an Merkels Seite ist da schon neugieriger: „Nehm ich mal mit“, sagt der Bürgermeister und ist auch schon wieder weg.

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Ansonsten ist die Grüne Woche für uns eine gute Gelegenheit mit Medienvertretern und Fachpublikum in Kontakt zu kommen. Die Reaktionen sind häufig ähnlich: Ach, das ist ja witzig, Pilze aus der Box. Der Umweltgedanke wird meist gar nicht wahrgenommen. Aber sobald wir erklären, dass wir organische Abfälle nutzen, um anderweitig verwertbare Ressourcen wie Holz oder Stroh zu ersetzen gibt es meist zustimmendes Kopfnicken. Und manchmal gibt es die Frage, ob ich schon Millionär sei. Dabei würde ich mich schon freuen, wenn ich unsere offenen Rechnungen ohne nachzudenken bezahlen könnte.

23. Januar 2012Gestern lief unsere Frist ab, um sich den vergünstigten Preis für unser Franchisetraining zu sichern. Wir wollen unsere Geschäftsidee in einem nächsten Schritt durch Franchise-Partner in ganz Deutschland verbreiten. Allerdings ist unsere Teilnehmerzahl zunächst auf 10 Personen begrenzt. Das Interesse an der Veranstaltung ist viel größer.

Am Ende des Tages ist das Training deutlich überbucht. Woher das Interesse? Wir sind doch selbst gerade erst dabei herauszufinden, wie sich das Geschäft mit den nachhaltig produzierten Gourmet-Pilzen profitabel aufbauen lässt. Naja, ich freue mich jedenfalls, tatkräftige Mitstreiter zu haben, die dabei helfen, Chido's groß zu machen.

Grundsätzlich ist die Idee des Pilzanbaus auf Kaffeesatz übrigens nicht neu. Vertreter der Blue Economy haben die Grundzüge der Idee schon vor Jahren veröffentlicht. Und von Back to the Roots in den USA zu GRO in den Niederlanden gibt es etliche Unternehmen, die diese Innovation bereits umsetzen.

Mit dem Aufbau unseres Franchisesystems möchten wir die Idee aber nun in die Breite tragen. Wir wollen dabei nicht nur Mitstreiter gewinnen, sondern unser Wissen über die Pilzzucht auf Kaffeesatz in einem einfach zu nutzenden Handbuch verfügbar machen.

Meine Vision ist ein weit verzweigtes Franchisesystem, dass sich zu einer Gemeinschaft aus Sozialunternehmern immer weiter ausbreitet, die sich als Pioniere einer ressourceneffizienten Wirtschaft gegenseitig unterstützen.

Folgen Sie Philipp Buddemeier bei Twitter.

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