Studie: Grüne Banken sind die besseren Banken

Studie: Grüne Banken sind die besseren Banken

von Jan Willmroth

Nachhaltige Banken sind krisenfester als große Geldhäusern. Zudem stehen Ethikbanken beim Eigenkapital besser da - auch ohne Fokus auf kurzfristige Renditen

Die Finanzkrise könnte als der Beginn des Zeitalters der Ethikbanken in die Geschichte eingehen. Einer Studie des Weltverbands nachhaltiger Banken zufolge können sie schon heute mit den traditionellen, „systemrelevanten“ Banken mithalten: Nachhaltige Geschäftsmodelle bei Geldhäusern bedeuten demnach nicht unbedingt niedrigere Gewinne, heißt es in dem Report (pdf), für den der Verband 17 Nachhaltigkeitsbanken mit den 28 Kreditinstituten verglichen hat, die laut Finanzstabilitätsrat als „too big to fail“ gelten.

Das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Ethikbanken haben eine ähnlich hohe Eigenkapitalrendite wie die größten Geldhäuser der Welt, wie Daten aus den vergangenen zehn Jahren zeigen. Und sie kommen ihrer Aufgabe als Geldversorger der Wirtschaft sogar besser nach als ihre traditionellen Wettbewerber: Ethikbanken vergeben mit durchschnittlich 73 Prozent den größten Teil ihrer Aktiva als Kredite an ihre Kunden. Großbanken hingegen wenden dafür nur etwa 41 Prozent auf. Ähnlich sieht es bei den Kundeneinlagen aus: Nachhaltige Banken refinanzieren sich heute zu mehr als 72 Prozent mit den Geldern ihrer Kunden, bei den großen Universalbanken haben die Kundengelder nur 42 Prozent Anteil am Gesamtvermögen.

Anzeige

Und das grüne Geldgeschäft boomt. Teilweise sind die nachhaltigen Banken mehr als doppelt so schnell gewachsen wie ihre klassischen Pendants: Um 16,6 Prozent pro Jahr stiegen die Umsätze in den vergangenen zehn Jahren. Bei den Großbanken waren es nur knapp sieben Prozent. Das lässt den vorsichtigen Schluss zu, dass nachhaltige Geschäftsmodelle bei Ethikbanken weniger anfällig für Finanzkrisen sind. „Nachhaltige Banken können ihre Aktivitäten während der aktuellen Rezession steigern und insbesondere mehr Kredite an kleine und wachstumsstarke Unternehmen vergeben“, sagte Thomas Jorberg, Chef der deutschen GLS Bank. „Die Studie zeigt, wie sich die größten Banken von der Realwirtschaft entkoppelt haben.“

Nachhaltige Banken sind krisenfesterVor allem nach dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 habe sich das Modell der nachhaltigen Banken bewährt, heißt es in der Studie. Das Geschäft schwanke weniger und sei weniger von Fremdkapital abhängig. So liegt die Eigenkapitalquote – der Anteil an eigenem Kapital in der Bilanz einer Bank – bei den Ethikbanken heute um etwa die Hälfte höher als bei den  systemrelevanten Geldhäusern.

Zu letzteren gehören die größten Banken der Welt: Die Bank of China ist dabei, die Bank of America, die amerikanische Wells Fargo, Morgan Stanley, die Deutsche Bank, und viele weitere. Auf der anderen Seite stehen Banken wie die niederländische Triodos-Bank, die Alternative Bank Schweiz, oder die bolivianische BancoSol.

Ein wenig hinkt der Vergleich allerdings, wenn man absolute Werte heranzieht: Es ist leichter, sich auf ein nachhaltiges und robustes Geschäftsmodell zu konzentrieren, wenn man wie die GLS-Bank nur knapp mehr als 400 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme von 2,3 Milliarden Euro hat. Die Deutsche Bank hat hingegen mit 2,16 Billionen beinahe das Tausendfache in der Bilanz stehen.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%