Akku-Studie überrascht: Sind Elektroautos schon bald günstiger als Benziner?

Akku-Studie überrascht: Sind Elektroautos schon bald günstiger als Benziner?

von Robert Habi

Akkus für Elektro-Autos werden schneller billiger als gedacht.

Die Preise für Akkus von Elektroautos sinken schneller als erwartet. Eine neue Studie, veröffentlicht im Magazin Nature Climate Change, zeigt nun: Schon in ein paar Jahren könnten Elektroautos billiger sein als Autos mit einem Verbrennungsmotor.

Herausgefunden haben das Mans Nilsson, Forschungsdirektor am Stockholm Environment Institute und sein Kollege Björn Nykvist. Für ihre Analyse werteten die zwei Forscher 80 nach 2007 entstandene Veröffentlichungen aus, die sich mit der Preisentwicklung von Lithium-Speicherzellen beschäftigen.

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Bisher befassten sich Studien meist mit der Preisentwicklung binnen eines Jahres oder die Autoren nutzten für ihre Metastudien nur eine kleine Anzahl von Quellen.

In der Nature-Studie finden sich neben wissenschaftlichen Arbeiten auch Quellen aus Industrie- und Branchenkreisen: Schätzungen der Beraterfirmen Roland Berger und McKinsey, Analysen der Deutschen Bank, Zahlen von Industrieexperten; auch in Medien zitierte hochrangige Vertreter von Tesla, Nissan, BMW oder Mitsubishi berücksichtigten die Autoren.

So findet sich in der Studie auch eine Kostenschätzung, die Tesla-Chef Elon Musk im Jahr 2013 im ZDF nannte.

Die magische 150-Dollar-GrenzeDas Ergebnis der Auswertung: Akkus für Elektroautos sind billiger als noch vor einiger Zeit erwartet. Im Jahr 2014 lagen die Preise für Lithium-Batterienzellen bei durchschnittlich 410 Dollar (360 Euro) pro Kilowattstunde Speicherkapazität. Die Preise der Marktführer lagen bei rund 300 Dollar (265 Euro).

Fachjournale hatten dieses Preisniveau erst für das Jahr 2020 vorausgesagt (die Prognosen sind in der Grafik als orangene Dreiecke markiert). Spätestens in drei Jahren werden die Akkus bei gleichbleibender Entwicklung umgerechnet nur noch um die 200 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität kosten.

Die unscheinbare Grafik zeigt auch: Batterien von Marktführern wie Tesla und Nissan (grüne Linie) bewegen sich steil nach unten in Richtung der rosaschraffierten Fläche. Sie ist die Schallmauer, die es zu durchbrechen gilt: eine Kilowattstunde für 150 Dollar (130 Euro).

Spätestens ab dieser Marke gelten batteriebetriebene Autos als preislich ebenbürtig zur Konkurrenz mit Verbrennungsmotor. Tesla und Nissan erreichen diese Schallmauer wohl in zehn Jahren, schätzen die Autoren.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie bestätigt diesen Trend: Analysten von Lux Research errechneten für das Jahr 2025 einen Batteriepreis von 172 US Dollar pro Kilowattstunde (155 Euro) für den Hersteller Panasonic. Die Japaner liefern ihre Akkus nicht nur für Laptops oder Smartphones, ihre Zellen finden sich auch in Tesla-Autos und dem Tesla-Solarstromspeicher Powerwall.

Experten irrten deutlichAber was macht die Akkus günstiger als erwartet? Zunächst waren die Preise vor acht Jahren sehr hoch angesetzt. Und: Wie in jedem sich entwickelnden Technikfeld verbessern die Hersteller ihre Produktion ständig. Diese Lerneffekte ließen die Preise um bis zu 14 Prozent jährlich fallen, so die Autoren.

2008 zum Beispiel ging die internationale Energieagentur davon aus, Batterien für Elektroautos würden im Jahr 2010 etwa 1000 Dollar (900 Euro) pro Kilowattstunde kosten. Tatsächlich boten die Marktführer sie für etwa halb so viel Geld an.

Neben einer effizienteren Produktion drückten auch die weltweit guten Absatzzahlen in den untersuchten Jahren die Preise kontinuierlich. Im Jahr 2012 gab es laut dem Statistikportal Statista weltweit 100.000 Elektroautos, heute rollen schon etwa 400.000 davon geräuschlos über die Straßen.

Aus all diesen Gründen konnten Hersteller wie Tesla oder Nissan ihre Batterien seit dem Jahr 2007 deutlich günstiger verkaufen, als es alle Experten vorhergesagt hatten (blau gestrichelte Linie in der Grafik).

Der Trend könnte sich noch verstärken, wenn Tesla beispielsweise mit seiner Gigafactory kostengünstige Batterien in rauen Mengen produziert. Die Anlage soll noch in diesem Jahr fertig werden und gilt schon jetzt als größte Batterieschmiede der Welt. Auch der Elektrokonzern LG und das Unternehmen AESC produzieren auf Hochtouren Akkus für General Motors beziehungsweise Nissan mit ihrem Bestseller Leaf.

Lithium könnte knapp werdenEine Unsicherheit besteht dabei: Das für die Speicher zentrale Element Lithium ist zwar in den Böden Chiles und Boliviens in großen Mengen vorhanden, jedoch steigt die weltweite Lithium-Nachfrage um 25 Prozent schneller als die Förderung zunimmt.

Im Jahr 2020 könnte die Versorgung mit dem Alkalimetall deshalb knapp werden, wenn Bergbauunternehmen keine neuen Produktionsstätten erschließen. Allein Teslas neue Gigafactory wird wahrscheinlich mehr als 20 Prozent des aktuell auf dem Weltmarkt erhältlichen Lithiums verbrauchen; diese Zahl berücksichtigt noch nicht, dass Elon Musk die Produktion eventuell um 50 Prozent vergrößern will.

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