Alternativ-Kerosin: Flugzeuge können jetzt mit Sprit aus Zucker abheben

Alternativ-Kerosin: Flugzeuge können jetzt mit Sprit aus Zucker abheben

von Wolfgang Kempkens

Die Flugzeugbranche muss dringend umweltfreundlicher werden. Jetzt erhält ein Sprit auf Zuckerbasis die Zulassung.

Verkehrsflugzeuge dürfen ab sofort einen Spezialtreibstoff tanken, dem Farnesan beigemischt ist oder komplett daraus besteht. Dieser Treibstoff wird vollständig aus Biomasse, also Pflanzen, hergestellt. ASTM International, eine Zulassungsbehörde in den USA, hat die Genehmigung für den Spezialsprit jetzt erteilt.

Farnesan zählt zu den Kerosinen, die üblicherweise von Flugzeugmotoren verbrannt werden. Entwickelt hat den Sprit der französische Mineralölkonzern Total und das US-Biotech-Unternehmen Amyris. Der jetzt zugelassene Flugzeugtreibstoff enthält bis zu zehn Prozent Farnesan, das Amyris in einer Fabrik in Brasilien herstellt.

Anzeige

Zucker im TankDabei handelt es sich aber nicht um gewöhnlichen Biosprit: Amyris hat Mikroorganismen gezüchtet, die Farnesan aus Zucker herstellen. Als Futtermittel für die Kleinsttierchen nutzen die US-Entwickler Zuckerrohr. Das Verfahren funktioniert jedoch auch mit Rübenzucker, vermutlich auch mit Mais. Das ist allerdings auch die Achillesferse des neuen Treibstoffs. Seine Herstellung steht in Konkurrenz zur  Nahrungsmittelproduktion. Denn was im Tank landet, können Menschen nicht mehr essen.

Deshalb entwickeln die Amyris-Forscher derzeit Verfahren weiter, um Zucker aus Bioabfällen wie Stroh und Holzschnitzeln zu gewinnen. Künftig könnten ihre lebenden Farnesan-Produzenten also Abfall fressen.

Bisher produzieren Unternehmen alternative Treibstoffe für Flugzeuge vor allem auf Basis von Pflanzenöl, also ebenfalls in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Eine weitere Möglichkeit, um Kerosin herzustellen, ist die Fischer-Tropsch-Synthese. Sie nutzt als Rohstoff Synthesegas, ein Gemisch aus Wasserstoff und Kohlenstoff, das später verflüßigt wird. Dieses Gas lässt sich aus unterschiedlichen Quellen gewinnen, unter anderem auch aus Biomasse oder Wasser (per Elektrolyse) und CO2 aus der Luft oder Kraftwerken. Es verschlingt, verglichen mit den Biotechniken, allerdings sehr viel Energie.

Militärs entwickeln "Supertreibstoff"Airlines for America, die Interessenvertretung der US-Luftfahrtgesellschaften, hat die Entwicklung des neuen Sprits ausdrücklich begrüßt, weil er zu mehr Umweltschutz beitrage.

Forscher der Naval Air Warfare Center Weapons Division, der Innovationsabteilung der U.S. Navy, haben in Kalifornien einen ebenfalls auf Farnesan beruhenden Biosprit für Flugzeuge entwickelt, wie das Fachmagazin BiofuelsDigest schreibt. Er hat einen um 13 Prozent höheren Energiegehalt als Kerosin aus Erdöl, was die Militärs natürlich fasziniert.

Kampfflugzeuge, die diesen Sprit tanken, könnten 13 Prozent weiter fliegen oder bei gleicher Reichweite eine Rakete mehr an Bord nehmen. Die Militärforscher verraten natürlich nicht, wie sie es angestellt haben, schwärmen aber von den Eigenschaften des Biotreibstoffs.

Wüstenpflanzen im TankBei Tests auf der Wright-Patterson Air Force Base im US-Bundesstaat Ohio stellte sich heraus, dass die Verbrennungstemperatur des Biosprits um 135 niedriger lag als bei konventionellem Kerosin, weil er keinerlei Verunreinigungen ausweist. Damit reduziert sich auch der Verschleiß der Motoren, wie Robert Freerks glaubt, einer der Entwickler des angeblichen Wundertreibstoffs.

Auch der Flugzeughersteller Boeing engagiert sich im Bereich Biotreibstoffe. Seine Ingenieure wollen aus Wüstenpflanzen Sprit herstellen. Das hätte den Vorteil, dass keine Ackerflächen für die Treibstoffproduktion herhalten müssen. Einen Nachteil haben aber alle mehr oder weniger grünen Kerosin-Alternativen bisher: Sie sind teurer als auf Erdöl basierender Treibstoff.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%