Alternative Treibstoffe: Mit Kerosin aus Biomüll nach Los Angeles

Alternative Treibstoffe: Mit Kerosin aus Biomüll nach Los Angeles

von Wolfgang Kempkens

Die Hersteller von Biomüll-Kerosin liefern sich derzeit ein Wettrennen um konkurrenzfähige Preise.

Im Flieger selbst dürfte man nichts merken, doch wer demnächst von San Francisco nach Los Angeles fliegt, macht dies mit hochmodernem Sprit im Tank.

Zumindest Passagiere der US-Fluggesellschaft United Airlines fliegen dann umweltverträglicher als Kunden anderer Airlines. Denn United mischt das normale Flugbenzin – Kerosin – mit synthetischem aus Bioabfällen.

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Die Beimischung stellt das kalifornische Unternehmen Fulcrum Bioenergy in einer Pilotanlage her. Bereits im Herbst soll der Bau einer Großanlage in Storey County im US-Bundesstaat Nevada beginnen. Ab 2017 soll sie pro Jahr 200.000 Tonnen Abfälle in knapp 40 Millionen Liter Kerosin umwandeln. Das reicht für etwa 7 Millionen Flugkilometer, ist also nur ein Anfang.

Fulcrum setzt auf eine lange bekannte Technik, die auch in der Karlsruher Bioliq-Anlage verwendet wird, die derzeit vor allem Benzin produziert. Der Bioabfall wird durch Pyrolyse, also Erhitzen unter Luftabschluss, in ein Synthesegas genanntes Gemisch aus Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid umgewandelt.

Mit dem vor fast 100 Jahren in Deutschland erfundenen Fischer-Tropsch-Verfahren entstehen daraus, je nach Prozessführung, Treibstoffe wie Benzin, Diesel oder eben Kerosin. Ursprünglich wurde das Verfahren dazu genutzt, um Braunkohle in Benzin umzuwandeln. Es funktioniert aber auch mit Bioabfall.

Wegen des hohen Energieverbrauchs ist diese Art der Treibstoffherstellung noch nicht allzu weit verbreitet. Die Kalifornier glauben allerdings, den gesamten Produktionsprozess so modifizieren zu können, dass die Herstellungskosten unter einem Dollar pro Liter Sprit liegen. Fulcrum baut seine Pyrolyseanlage in Lizenz von ThermoChem Recovery International aus Baltimore. Das Unternehmen rühmt sich, einen besonders energiesparenden Prozess entwickelt zu haben.

Das heiße Synthesegas wird dabei, ebenso wie in Karlsruhe, von Feststoffen befreit. Eine zweite Stufe entfernt Kohlendioxid und Schwefelverbindungen. Weil es dann keinerlei Verunreinigungen mehr enthält, sondern ausschließlich Wasserstoff und Kohlenmonoxid, ist der daraus zubereitete Treibstoff besonders rein. Vor allem fehlen Aromaten, deren Verbrennungsprodukte besonders schädlich sind.

Zahlreiche Firmen forschen an Kerosin-AlternativenDie Fulcrum-United-Allianz ist dabei nicht alleine auf dem Biokerosin-Markt: Vor rund einem Jahr flog ein Lufthansa-Airbus, dessen Treibstoff zu 90 Prozent aus Kerosin und zu zehn Prozent aus Farnesan bestand, von Frankfurt am Main nach Berlin. Farnesan ist ähnlich aufgebaut wie Kerosin, wird aber aus Zucker durch Vergärung hergestellt. Entwickelt hat das Verfahren das kalifornische Unternehmen Amyris, das eine Produktionsstätte in Brasilien betreibt.

Das Stuttgarter Unternehmen JatroSolutions wiederum produziert Biokerosin aus Jatropha, einer Nuss, die in den Subtropen auf Böden wächst, die für Ackerbau ungeeignet sind.

In einem Projekt namens Aufwind arbeiten deutsche Wissenschaftler daran, Öl, das sie aus Algen gewinnen, in Biokerosin umzuwandeln. Mit an Bord ist Airbus.

Forscher der Naval Air Warfare Center Weapons Division, der Innovationsabteilung der U.S. Navy, haben in Kalifornien einen ebenfalls auf Farnesan beruhenden Biosprit für Flugzeuge entwickelt. Er hat angeblich einen um 13 Prozent höheren Energiegehalt als Kerosin aus Erdöl.

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