Atomkraft: Das wird nix mehr!

von Benjamin Reuter

Sicher, sauber und günstig soll eine neue Generation von AKWs sein. Doch das sind leere Versprechen.

In der Atomindustrie herrscht derzeit das Prinzip Hoffnung. Zwar werden vor allem noch in China und Russland neue Reaktoren gebaut, doch weltweit ist die Kernkraft auf dem Rückzug.

Aus gutem Grund: Niemand weiß wohin mit dem Müll, die Sicherheit der Meiler ist seit Fukushima umstritten und neue Kraftwerke kosten eine Stange Geld, wie der Neubau des britischen AKW Hinkley Point zeigt, das das wohl teuerste Kernkraftwerk aller Zeiten wird. Hinzu kommt, dass der Wasserverbrauch der Kraftwerke immens ist und die Uranvorräte weltweit zur Neige gehen.

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Hoffnungen unberechtigtBisher begegneten die Befürworter der Atomkraft diesen Argumenten immer wieder mit dem Satz: Es wird doch alles besser. Eine neue Generation von Atomkraftwerken sei in der Entwicklung. Sie sei vollkommen sicher, mache noch den eigenen Atommüll zu Strom und das alles für wenig Geld.

Unter Experten sind diese Atomkraftwerke als Generation IV bekannt. Die meisten AKW weltweit gehören der 2. Generation an, die vor allem zwischen 1970 und 1980 gebaut wurde. Inzwischen entstehen in Frankreich, Finnland und Großbritannien Kraftwerke der 3. Generation. Diese haben aber mit Bauverzögerungen, technischen Problemen und vor allem mit astronomischen Kosten zu kämpfen (siehe Hinkley Point).

Wann das erste Kraftwerk der 3. Generation ans Netz geht, weiß derzeit niemand zu sagen.

Bei so viel Problemen kommt das Versprechen der Reaktoren der 4. Generation gerade recht. Unter anderem arbeiten renommierte Forscher im Rahmen der vom US-Energieministerium im Jahr 2000 ins Leben gerufenen Initiative Generation IV International Forum (GIF) an der Technik. Das Ziel: Die Reaktoren nach 2050 in den Markt zu bringen.

Nur eine Technologie ist bereit für kommerzielle EntwicklungOb das wirklich gelingt, ist aber zweifelhaft. In einem ausführlichen Report (hier als PDF) haben sich die Experten der französischen Nuklearaufsicht IRSN sechs der hoffnungsvollsten Technologien der Generation IV angesehen.

Zu den untersuchten Technologien gehören:

- Schneller natriumgekühlter Reaktor (Sodium-cooled Fast Reactors, SFR)- Höchsttemperaturreaktor (Very High Temperature Reactors, VHTR)- Schneller gasgekühlter Reaktor (Gas-cooled Fast Reactors, GFR) - Schneller bleigekühlter Reaktor (Lead-cooled or Lead-Bismuth Eutectic cooled Fast Reactors, LFR)- Flüssigsalzreaktor (Molten Salt Reactors, MSR)- Überkritischer Leichtwasserreaktor (SuperCritical Water Reactors, SCWR)

Nukleartechnik-Nerds wird bei den komplizierten Namen das Herz höher schlagen, für sie sind die gesamten 239 Seiten des Reports lesenswert.

Wer sich die technischen Einzelheiten sparen will, kann zu den Ergebnissen der Untersuchung springen. Die französischen Experten halten demnach nur eine Technologie, nämlich die SFRs, für weit genug entwickelt, um überhaupt noch in diesem Jahrhundert(!) ans Netz zu gehen und in signifikanten Mengen Strom zu produzieren.

Offen bleibt zudem, ob dieser Reaktortyp wirklich sicherer und sauberer ist, als die derzeit im Bau befindlichen der Generation III. Das ziehen die Experten auch für die anderen Technologien in Zweifel. Manche der Technologien seien zwar durchaus geeignet, das Atommüllproblem zu lösen, indem sie den Müll wieder für die Stromproduktion nutzen. Das sei aber nur auf Kosten der Sicherheit möglich.

Zudem weist die IRSN auch darauf hin, dass manche Konzepte noch nicht einmal über den Status von Laborexperimenten hinausgekommen sind. Keine guten Aussichten für die Atomkraft.

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