Audi-CEO Stadler: "Unsere Städte müssen sich zu Smart Cities entwickeln"

Audi-CEO Stadler: "Unsere Städte müssen sich zu Smart Cities entwickeln"

AUDI-Vorstand Rupert Stadler glaubt an vernetzte Technologien, da diese das Leben in der Stadt der Zukunft erleichtern.

Rupert Stadler ist Vorstandsvorsitzender der AUDI AG. Für WiWo Green beschreibt er seine Vision einer vernetzten Zukunft. So könnte Technologie dafür sorgen, dass Menschen wieder mehr Zeit haben.

Jules Verne wäre ein hervorragender Ingenieur geworden. Der französische Schriftsteller gilt heute deshalb als einer der Begründer der Science-Fiction-Literatur, weil er zum einen die Gabe besaß, sich umfassend über den neuesten Stand der Technik zu informieren, und zum anderen genug Phantasie hatte, um daraus spannende Perspektiven für technologische Zeitreisen zu entwickeln.

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Der Titel seines verschollenen Buchs „Paris im 20. Jahrhundert“ klang wie ein Rückblick, als es seine Erben im Jahr 1994 entdeckten. Doch der längst verstorbene Verne hatte es bereits 130 Jahre zuvor verfasst. Er malt darin das Bild einer Stadt der Zukunft.

In ihr gibt es gläserne Wolkenkratzer, Druckluftleitungen zur Energieversorgung der Häuser, Hochgeschwindigkeitszüge und gasbetriebene Kutschen. Kaum zu glauben: Er hatte das Buch zwei Jahrzehnte vor Erfindung des Automobils geschrieben. Ja mehr noch, er beschreibt in seinem Roman ein weltweites Kommunikationsnetz zur Übertragung von Bildern und Texten, fast identisch mit dem heutigen Internet.

Was wäre Jules Verne wohl zum Automobil in der Stadt des 21. Jahrhunderts eingefallen? Der Siegeszug von Wissenschaft und Technik ist ungebremst weiter gegangen. Daneben ist in weiten Teilen der Bevölkerung der Wunsch entstanden, das Leben für sich und künftige Generationen nachhaltig zu gestalten. Dazu gehören Klima- und Umweltschutz und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen.

Ganz konkret wünschen wir uns saubere Luft, Ruhe und möglichst viele Grünflächen zum Erholen. Und obwohl es immer mehr Menschen weltweit in die großen Städte zieht, so nehmen auch sie sich von diesen Wünschen nicht aus.

 Das "Internet der Dinge"Wie sieht sie also aus die Stadt der Zukunft? Und vor allem: Was können wir dazu beitragen? Ich persönlich sehe das Internet der Dinge als einen der Schlüssel für diese Frage an. Wir befinden uns mitten in einer Digitalisierungswelle. Zum Ende des Jahrzehnts sollen bereits 50 Milliarden Geräte auf der ganzen Erde miteinander vernetzt sein, das ist jedes vierte. Dazu werden in den Städten auch Ampeln, Verkehrsschilder, Parkplätze, Ladesäulen, Busse, Bahnen, Fahrräder und Autos gehören.

Und 75 Prozent der öffentlichen Infrastruktur, die unsere Städte im Jahr 2050 brauchen werden, sind heute noch gar nicht gebaut. Das ist eine große Chance, jetzt die Schnittstellen zu schaffen: zwischen der Stadt sowie ihrer Infrastruktur und den Menschen, für die Mobilität zur Lebensgrundlage geworden ist.

Ich spreche seit einigen Jahren mit vielen Politikern und Verkehrsplanern, Bauträgern und Architekten. Und ich stelle ihnen im Rahmen unserer Audi Urban Future Initiative immer wieder Technologien von morgen als Impulse für ihre neuen Großprojekte vor. Denn in einer Zeit, in der alles „smart“ wird – intelligent, effizient und vernetzt – müssen sich auch unsere Städte zu Smart Cities entwickeln.

Im Kern steht das urbane Lebensgefühl, das es gibt, seit es Städte gibt. Es ist dieses Gefühl von Freiheit und Vielfalt. Eine der Voraussetzungen dafür ist individuelle Mobilität. Vor allem Stadtmenschen leiden unter chronischem Zeitmangel. Der Wunsch, Zeit zu sparen, steht auf ihrer Agenda ganz oben. Zudem ist Raum ein wertvolles Gut in der Stadt. Mit diesem Raum gilt es künftig intelligent zu haushalten. Und bei aller Anonymität in der Metropole fördert das digitale Leben ein neues Bedürfnis nach Vernetzung – vielleicht nicht zum unmittelbaren Nachbarn, jedoch zu Menschen mit gleichen Interessen und Zielen.

In Mexico City läuft dazu gerade ein spannendes Experiment: 24 Millionen Einwohner sind es dort leid, jeden Tag im Kriechtempo von im Schnitt 6 km/h auf der Hauptschlagader des Stadtverkehrs zwischen Zuhause und Arbeit unterwegs zu sein: La Reforma ist eine der längsten Straßen der Welt und quasi im Dauerstau. Informationstechnologie soll diesem Problem nun auf den Grund gehen. Erstmals beteiligen sich die Bürger in einem freiwilligen Crowd Sourcing Projekt an einer umfassenden Analyse der Verkehrsströme. Wer will wann und mit welchem Verkehrsmittel wohin? Im Ergebnis errechnen die Gewinner unseres Audi Urban Future Awards 2014 dann ein Modell im Computer, das die Basis für ein „Betriebssystem“ ihrer Stadt im Jahr 2030 werden soll.

Entspannt auf der grünen WelleWie eine einzige Technologie die Variablen Zeit, Raum und Nachhaltigkeit in der Stadt auf einen Schlag verändern kann, zeigt unsere Entwicklung Ampelinfo online. Sie errechnet die optimale Geschwindigkeit für die grüne Welle, und zwar auf der Basis von Echtzeitdaten aus der Infrastruktur. Bereits 2013 war jede dritte Ampel in Berlin beispielsweise mit unserem System vernetzt. Würden wir alle in Deutschland diesen Assistenten einsetzen, könnten wir im Jahr 900 Millionen Liter Kraftstoff sparen. Das wären weit mehr als eine Milliarde Euro weniger an Spritkosten.

Ein Zugewinn an Zeit und Lebensqualität, da niemand mehr schnell auf eine Ampel zufahren würde, um dann zu bremsen, weil sie doch auf Rot umschaltet. Allein durch diese eine Technologie wäre der innerstädtische Verkehr besser im Fluss, und der Raum auf unseren Straßen wäre effizienter genutzt. Und vor allem: mehr als zwei Milliarden Kilogramm weniger an CO2. Bevor die Autofahrer diese Technologie jedoch nutzen können, sind sie darauf angewiesen, dass die Städte ihre Ampelanlagen umrüsten und nach einem einheitlichen Standard vernetzen. Hier ist die Politik gefragt.

Wenn wir eines nicht haben in unseren Städten, dann ist es Platz: In Somerville nahe der amerikanischen Metropolregion Boston versprechen sich Architekten viel von unserer Technologie des pilotierten Parkens, während sie gerade ein Stadtviertel zum zweiten Mal aus der Taufe heben. Seit sie hörten, dass die benötigte Fläche in einem Parkhaus um ein Drittel schrumpft, wenn man vor dem Parkhaus aussteigt, das Auto hineinschickt und selbst dort keinen Platz zum Ein- und Aussteigen mehr braucht, kann es ihnen gar nicht schnell genug gehen, bis die Technik in Serie verfügbar ist.

Wir brauchen visionäre Kraft wie einst Jules Verne. Und den Mut, unsere technologischen Visionen für eine Smart City auch in die Tat umzusetzen.

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Rupert Stadler ist CEO der Audi AG, die WiWo Green unabhängig von diesem Gastbeitrag als Sponsor unterstützt. Der vorstehende Text spiegelt nicht die Meinung der Redaktion wider.

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