Ausbauzahlen für 2015: Die Welt setzt auf Windkraft

Ausbauzahlen für 2015: Die Welt setzt auf Windkraft

von Peter Vollmer

Ob in den USA, Dänemark oder China: Windkraft war 2015 die beliebteste Art der Energieerzeugung.

In Texas freute man sich am 20. Dezember: Für 19 Stunden konnte der Energiebedarf des US-Bundesstaates zu 40 Prozent mit Windenergie gedeckt werden.

In vielen europäischen Staaten würde man sagen: Immerhin. Der texanische Rekord - 13,9 Gigawatt Leistung - zeigt aber, dass Stromerzeugung mit Wind auch in energiehungrigen Staaten ein wichtiger Baustein werden kann. 14 Gigawatt sind vergleichsweise viel - der Scientific American erklärte, das sei immerhin genug Energie, um Doc Browns DeLorian-Zeitmaschine elfmal zurück in die Zukunft zu schicken. (Diese hier.)

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Viel wichtiger ist, dass die texanischen Anlagen nahezu durchgehend Strom liefern. Zwei Gigawatt Leistung wurden im vergangenen Jahr kaum einmal unterschritten. Zusammen mit einer guten Wettervorhersage und modernen Windgas-Konzepten kann Windkraft so zu einem zuverlässigen Energielieferanten werden.

Besonders deutlich wird das in Europa. Dänemark, das 2005 noch keine 19 Prozent Windenergie im Strommix hatte, konnte 2015 42 Prozent des Strombedarfs aus Wind decken. Das geht freilich nur mit so viel installierter Kapazität, dass die Windanlagen an manchen Tagen eben auch 140 Prozent des Strombedarfs liefern könnten, so geschehen diesen Juli. Allerdings mussten die Anlagen kaum abgeregelt werden, da die Nachbarländer den Strom abgenommen haben.

Schottland rühmte sich für 2015 sogar, 97 Prozent seines Stroms aus Windkraft gewonnen zu haben - allerdings ist das eher ein theoretischer Wert. Denn er gilt nur für die Haushalte - und Schottland ist Teil des britischen Stromnetzes, in dem sich zu keinem Punkt 97 Prozent Windkraft befunden haben. Trotzdem motivieren die rund 25 Terawattstunden viele Schotten dazu, den Wind-Ausbau weiter voranzutreiben.

China stellt den Rest der Welt in den SchattenIn Deutschland ging vergangenes Jahr alleine so viel Offshore-Wind-Leistung ans Netz wie nie zuvor. Zwischen 2016 und 2020 dürften dann - je nach Ausbaugeschwindigkeit - sieben Gigawatt installierte Leistung erreicht werden. Ein eigener kleiner Rekord, den Chinas Zubau wieder in den Schatten stellt: Mit 30,5 Gigawatt Leistung durch neue Windanlagen hat die Volksrepublik 2015 eine weltweite Höchstmarke gesetzt.

Und das in einer Geschwindigkeit, die selbst den sonst so gut informierten Finanzmarkt überrascht hat - Analysten waren von einem Viertel weniger Leistung ausgegangen. Das Land steht spätestens seit die Luftqualität miserabel geworden ist unter Zugzwang.

Das Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) prognostiziert für 2016 einen weiteren immensen Zubau in China. 24 GW an Wind-, 16 GW an Wasser- und 18-20 GW an Solarenergie sollen hinzukommen. Das dürfte den wachsenden Energiebedarf decken und dennoch den Kohlebedarf zurückgehen lassen, schätzt das IEEFA.

Trotzdem haben Erneuerbare (ohne Wasserkraft) in China 2014 nur zwei Prozent des Primärenergieverbrauchs ausgemacht. Alleine der Stromverbrauch lag bei über 5000 Terawattstunden - selbst wenn die Windkraftanlagen das ganze Jahr am Limit durchrotieren würden, würde der diesjährige Zubau davon nur ein paar Prozent ausmachen. Bei solch einem Stromhunger reicht auch ein Rekord-Zubau nicht, um für saubere Luft zu sorgen.

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