Ausweitung der Stromzone: Britische Busse und Züge sind künftig mit Akkus unterwegs

Ausweitung der Stromzone: Britische Busse und Züge sind künftig mit Akkus unterwegs

von Felix Ehrenfried

Elektroautos sind nichts Außergewöhnliches mehr. Großbritannien geht nun noch einen Schritt weiter.

Als "grüne Insel" wird hierzulande eigentlich Irland bezeichnet. Geht es um fortschrittliche, umweltfreundliche Verkehrskonzepte, könnte allerdings schon bald Irlands großer Nachbar Großbritannien diesen Titel erhalten.

Denn die Briten wollen ihren Verkehr so schnell wie möglich so umweltfreundlich wie möglich machen. London schickt sich an, ein Mekka für Radler zu werden und etablierten Fahrradhochburgen wie Amsterdam oder Kopenhagen den Rang abzufahren. Insgesamt will die Stadtverwaltung von Englands Hauptstadt in den nächsten Jahren mehr als eine Milliarde Euro in den Ausbau der Fahrradinfrastruktur stecken.

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Dass die Briten ihren Verkehr allerdings nicht nur mit mehr Fahrradwegen umweltfreundlicher machen wollen, zeigen zwei aktuelle Projekte. So will Londons Stadtverwaltung auf bestimmten Stadtrouten Busse einsetzen, die einen Hybridantrieb besitzen und ihre Batterien kabellos laden.

Schon bald sollen einige der berühmten roten Londoner Doppeldeckerbusse Fahrgäste mittels Elektromotor befördern. Wie Transport for London (TfL), Londons Anbieter für öffentlichen Nahverkehr, vor wenigen Tagen bekannt gab, sollen zunächst vier Busse mit Hybridmotor auf der städtischen Linie 69 fahren.

Die berühmten Doppeldecker werden elektrifiziertDie Linie führt vom östlich gelegenen Stadtviertel Canning Town rund 18 Kilometer ins weiter nördlich gelegene Walthamstow. Die vier Testbusse verfügen neben einem leistungsstarken Elektromotor über einen konventionellen Dieselantrieb der anspringt, sobald die Batterien leer sind.

Damit das allerdings so selten wie möglich vorkommt, haben die Entwickler eine spezielle Ladetechnik verbaut. Die soll die Batterien aufladen, sobald der Bus an den Haltestellen zum Stehen kommt. Eine Kabelverbindung zwischen Stromnetz und Busbatterie ist dabei nicht nötig, die Energieübertragung erfolgt über ein magnetisches Feld, Induktion genannt.

Ein ähnliches Projekt ist vor gut einem halben Jahr in der britischen Kleinstadt Milton Keynes angelaufen. Hier wird eine städtische Linie ausschließlich mit strombetriebenen Bussen bedient, induktive Ladetechnik inklusive. Bis zu 270 Tonnen CO2 und umgerechnet 18.000 Euro Spritkosten soll das Projekt in Milton Keynes jährlich einsparen. Ähnlich hoch dürften die Werte beim Londoner Projekt sein.

Die TfL-Verantwortlichen schweigen bisher allerdings noch zu den möglichen Kohlendioxid- und Kosteneinsparungen, die die Hybriddoppeldecker bringen könnten. Vielmehr gehe es um einen Test, inwieweit sich die Hybridbusse für den harten Einsatz in Londons Nahverkehr eignen, sagt die Transportbehörde.

Batteriebetriebene Züge sollen Dieselloks ablösenUm einen ähnlichen Test auf Alltagstauglichkeit geht es bei Network Rail, dem britischen Eisenbahnbetreiber, der seit Kurzem batteriebetriebene Züge testet. Das Projekt mit dem sperrigen Namen Independently Powered Electric Multiple Unit (IPEMU) wird vom britischen Verkehrsministerium gefördert und hat das Ziel, "eine Flotte batteriebetriebener Züge aufzubauen, um den Eisenbahnverkehr ruhiger, effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten", wie der Bundesverband des Elektrogroßhandels (VEG) jüngst auf seiner Website berichtete. Involviert ist auch der kanadische Zugbauer Bombardier. Bisher sind auf vielen Strecken in Großbritannien wegen fehlender Oberleitungen noch Dieselloks unterwegs.

Network Rail hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Kosten für den Bahnverkehr in den nächsten fünf Jahren um 20 Prozent zu reduzieren, gleichzeitig soll der Betrieb umweltfreundlicher werden. Die batteriebetriebenen Züge haben das Potenzial, beide Ziele gleichermaßen erreichen zu können, heißt es von Network Rail.

Erste Züge müssen derzeit schon ihre Praxistauglichkeit auf der Teststrecke von Bombardier im britischen Derby unter Beweis stellen. Dabei testet Network Rail unterschiedliche Batterietypen, unter ihnen auch Exoten wie Natrium-Nickel-Salz Akkus.

Die beiden Projekte zeigen, dass Großbritannien es ernst meint mit einem grünen Umbau der öffentlichen Verkehrsstrukturen. Auch wenn das Konzept der Batteriezüge hierzulande nur wenig bringen würde, da die meisten Bahnstrecken ohnehin elektrifiziert sind, hat doch gerade der Londoner Doppeldecker mit Hybridmotor Signalwirkung.

Denn wenn es möglich ist, die berühmten, riesigen Busse mit Elektromotoren auszustatten und diese in den Alltagsbetrieb zu integrieren, dann sollte der Einsatz auch andernorts kein großes Problem sein.

Vorreiter bei der E-Mobilität im Busverkehr ist London aber keineswegs. Auch einige deutschen Städte testen E-Busse. So verkehrt beispielsweise in Braunschweig schon seit Januar dieses Jahres ein Bus mit Elektromotor und induktiver Ladetechnik. Dresden will schon 2015 einen E-Bus im regulären Betrieb einsetzen.

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