Autonom durch die Nacht: Ford testet Sensoren ohne Licht für Selbstfahrer

Autonom durch die Nacht: Ford testet Sensoren ohne Licht für Selbstfahrer

von Angela Schmid

Mit Sensoren, die kein Licht mehr brauchen, hofft Ford auf den Durchbruch beim selbstfahrenden Auto.

Viele gute Horrorfilme starten in einer einsamen Wüste in den USA. Nachts. Es ist bis auf die Sterne völlig dunkel. Plötzlich kommen Motorengeräusche aus der Dunkelheit. Der Ford nähert sich, und als er vorbeifährt, sieht man ... nichts. Kein Fahrer steuert den Wagen, der nun wieder in der Dunkelheit verschwindet.

Wer das erlebt, steckt allerdings nicht in einem Horrorfilm fest, sondern vermutlich auf dem Ford-Testgelände in Arizona. Denn dort dreht derzeit ein Forschungsfahrzeug seine Runden, nachts, ohne Licht und ohne Fahrer. Möglich macht das die sogenannte LiDAR-Sensortechnologie, die sich an hochauflösenden 3D-Karten mit umfassenden Informationen über die Straße, Straßenmarkierungen, Geographie, Topographie und sogar über Verkehrsschilder, Gebäude oder Bäume orientiert.

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Standard sind die Karten bisher allerdings nicht. Sie müssen mühsam von den Autoherstellern angefertigt werden. Das ist notwendig, denn konventionelle GPS-Signale reichen für autonom fahrende Autos nicht aus. Sie sind lediglich bis auf einige Meter genau – zu wenig, um die exakte Position des Fahrzeugs zu bestimmen.

Aufwendige SensorikWie viele Kilometer das Forschungsfahrzeuge bereits absolviert hat, verrät der Autobauer noch nicht. Schon kurze Strecken sammeln aber viele Daten: Der Laser-Sensor LiDAR (Light Detection And Ranging) scannt die Umgebung bis zu 2,8 Millionen Mal pro Sekunde. LiDAR nutzt Infrarot-Laserlicht bis zu einer Entfernung von rund 200 Metern und erstellt aus den ermittelten Daten eine virtuelle 3D-Karte. Das Fahrzeug arbeitet damit nicht großartig anders als ein Videospiel.

"Im Zuge der Tests wurde gezeigt, dass autonomes Fahren auch ohne Kameras möglich ist, die auf Licht angewiesen sind", heißt es aus einer Ford-Mitteilung selbstbewusst. Man habe zudem beweisen können, dass die LiDAR-Sensoren im Zusammenspiel mit der virtuellen Fahrer-Software selbst kurvige Straßen einwandfrei meistern, um das Auto sicher zu lenken.

Für den Autohersteller ist dies der nächste Schritt auf dem Weg zum autonomen Fahrzeug. Allerdings kein schneller Schritt, sagt Sprecherin Monika Wagener. Zwar seien Autos schon jetzt zunehmend automatisiert - etwa mit Stauassistenten, die das Bremsen und Gasgeben bei Stop and Go übernehmen, oder Einpark- und Spurhaltesystemen. Bis ein Auto immer und überall ohne Fahrer den Weg findet, werde nach ihrer Ansicht jedoch noch sehr viel Zeit vergehen.

Probleme mit Eis und SchneeImmerhin 2020 will Ford das erste autonome Fahrzeug nach internationalem SAE Standard Level 4 auf den Markt bringen. Das bedeutet: Das Auto kann unter bestimmten Umständen, in bestimmten Gebieten den Weg alleine bewältigen. Tobt ein Schneesturm, funktioniert das System zum Beispiel nicht mehr. Schnee und Eis können die Autos dagegen bereits bewältigen.

Bei schneebedeckter Straße oder hohem Verkehrsaufkommen erkennen weder LiDAR noch andere Sensoren wie zum Beispiel Kameras die Fahrbahn. Gleiches gilt, wenn die Sensoren selbst von Schnee oder einer Schmutzschicht bedeckt sind. In diesem Fall muss ebenfalls die 3D-Karte genutzt werden. Dabei analysiert das System automatisch wichtige Umgebungspunkte wie etwa Verkehrszeichen, Bäume und Gebäude. Sobald das Auto die Fahrbahn aufgrund von widrigen Witterungsbedingungen nicht mehr erkennen kann, bestimmt es seinen exakten Standort anhand typischer Umgebungspunkte.

Bereits in diesem Jahr will der Autobauer seine Testflotte in den USA auf etwa 30 selbstfahrende Fusion Hybrid-Modelle für Straßentests in Kalifornien, Arizona und Michigan erhöhen. Gesteuert werden die Aktivitäten vom konzerneigenen Research and Innovation Center aus, das in Palo Alto im Silicon Valley sitzt. Seit der Eröffnung im Januar 2015 betreibt Ford dort inzwischen eines der größten Automobil-Forschungszentren.

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