Autovermieter: Avis übernimmt Carsharing-Giganten Zipcar

Autovermieter: Avis übernimmt Carsharing-Giganten Zipcar

von Jürgen Klöckner

Der US-Autovermieter Avis kauft sich mit einer halben Milliarde Dollar ins boomende Carsharing-Geschäft ein. Das war längst überfällig.

Der US-Autovermieter Avis will im boomenden Carsharing-Geschäft mitmischen. Für 500 Millionen Dollar (ca. 377 Mio. Euro) in bar hat Avis den ebenfalls amerikanischen Anbieter Zipcar übernommen. Noch fehlt die Zustimmung der Aktionäre und der Wettbewerbshüter, die Verwaltungsräte der beiden Unternehmen sind sich aber einig. Klappt der Deal, dürfte Avis indirekt zu einem der größten Carsharing-Anbieter weltweit aufsteigen.

Die Übernahme war dringend nötig, wollte Avis den Anschluss zu einem vielversprechenden Markt nicht verschlafen. Carsharing gilt als die Zukunft der Mobilität, insbesondere in Großstädten. Parkplätze sind dort rar, der Nahverkehr gut ausgebaut und Benzin teuer. Das alles führt dazu, dass immer mehr Menschen sich Autos teilen: 1997 waren es in Deutschland noch 20.000 Menschen, 2012 schon 260.000, die Charsharing-Angebote nutzten. Auch weltweit wächst der Markt, auf dem Avis bislang nichts zu sagen hatte.

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Ganz anders die Konkurrenz: Sixt bietet zusammen mit BMW DriveNow an, Europcar kooperiert mit Daimler bei Car2Go. Auch die amerikanischen Branchengiganten Enterprise und Hertz sind im boomenden Geschäft aktiv: Hertz schnappte sich im Sommer für mehr als zwei Milliarden Dollar den Rivalen Dollar Thrifty, auf den es vor zwei Jahren bereits Avis abgesehen hatte. Doch der Kauf scheiterte, ein herber Rückschlag.

Mit der Übernahme von Zipcar kann Avis nun auf einen Schlag zum Carsharing-Giganten aufsteigen. 10.000 Autos ist die Zipcar-Flotte groß, 760.000 Menschen nutzen den Service. Zum Vergleich: Das Angebot der Deutschen Bahn Flinkster nutzen 190.000 Kunden, Daimlers Car2Go weltweit 100.000 Kunden.

Avis will Millionen einsparenNoch fahren die Autos mit dem grünen Logo vor allem in amerikanischen Großstädten. Doch auch in Europa mischt Zipcar mit: 2009 kauften die Amerikaner den spanischen Konkurrenten Catalunya Carsharing, nur ein Jahr später griffen sie beim britischen Marktführer Streetcar zu. Seit diesem Jahr gehört auch das österreichische Unternehmen Denzel Mobility CarSharing zu Zipcar.

„Es gibt ein starkes Wachstumspotenzial und gute Kooperationsmöglichkeiten im fusionierten Unternehmen“, sagte Avis-Chef Ronald Nielson. Zipcar solle eine eigenständige Marke bleiben und mit Hilfe von Avis in neue Märkte expandieren. So könne beispielsweise am Wochenende auf die Avis-Flotte zurückgegriffen werden, wenn diese nicht ausgelastet sei. Bis zu 70 Millionen Dollar will Nielson damit beim neuen Tochterunternehmen einsparen.

Für Zipcar-Aktionäre kommt die Übernahme gerade recht. Erst 2011 ging der Carsharer an die Börse und war zwischenzeitlich 1,2 Milliarden Dollar wert. Doch wachsende Konkurrenz machten dem Kurs zu schaffen: Er fiel kontinuierlich von seiner 30-Dollar Höchstmarke. Avis lockte die Zipcar-Aktionäre mit 12,25 Dollar je Aktie, was etwa anderthalb mal soviel ist wie der Schlusskurs aus dem alten Jahr. Ob es ein gutes Geschäft war, wird sich zeigen.

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