Babel Bike: Dieses Rad schützt selbst bei einem LKW-Zusammenstoß

Babel Bike: Dieses Rad schützt selbst bei einem LKW-Zusammenstoß

von Felix Ehrenfried

Ein Fahrrad mit Sicherheitsfeatures wie bei einem Auto. Richtiges Mittel für einen sicheren Radverkehr?

Die Deutschen fahren gerne und immer mehr mit dem Fahrrad, fühlen sich im Straßenverkehr auf dem Zweirad jedoch nicht sicher. Das hat eine Befragung des Allgemeinen Fahrradclubs Deutschland (ADFC) vor wenigen Wochen ergeben.

Dabei ist die Sorge vieler Radler berechtigt. So passierten im vergangenen Jahr knapp 79.000 Verkehrsunfälle auf deutschen Straßen, an denen Radler beteiligt waren. 405 Menschen ließen dabei ihr Leben, so der ADFC.

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Ein britischer Erfinder will Fahrradfahrer vor den Gefahren des Straßenverkehrs jetzt mithilfe eines speziellen Bikes schützen. So hat Crispin Sinclair das Babel Bike entwickelt, ein Fahrrad das zwar nicht sonderlich schön aussieht, dafür mit Sicherheitsfeatures aufwartet, die sonst kein Drahtesel zu bieten hat.

Auffälligstes Merkmal des Babel Bike ist eine Art Käfig, in dem der Radler in leicht zurückgelegter Position sitzt und in die Pedale tritt. Dieser Käfig soll verhindern, dass das Fahrrad bei einem Zusammenstoß mit einem LKW von diesem überrollt wird, was häufig tödlich für den Radler endet.

Dank des Käfigs soll das Babel Bike hingegen "nur" mit dem LKW zusammenstoßen und abprallen - das dürfte immer noch schmerzhaft genug sein, ein tödliches Überrollen soll so jedoch ausgeschlossen sein. Angeblich wurde das Babel Bike bereits im Zusammenstoß mit einem 38 Tonnen schweren Truck getestet und prallte von diesem tatsächlich ab, wie die Blogger von Treehugger berichten.

Sicherheitsfeatures aus dem AutoNeben dem schützenden Käfig sorgt ein Gurtsystem dafür, dass der Radler bei einem Unfall nicht aus dem Bike geschleudert wird, u-förmige Rohre oberhalb der Füße schützen ebendiese vor gefährlichen Zusammenstößen.

Daneben verfügt das Babel Bike über automatisches Licht und Blinker, die das Abbiegen anzeigen und eine Hupe, die es angeblich mit ausgewachsenen Autohupen aufnehmen kann. Eine Wartung des Sicherheitsbikes soll dabei kaum nötig sein, da sich fast alle Komponenten im Inneren des Rahmens verstecken - das sorgt nebenbei für saubere Hosenbeine, lediglich die Reifen müsse man gelegentlich selbst aufpumpen, beteuert der Entwickler.

Um das Projekt Babel Bike zu realisieren, haben Sinclair und sein Team jetzt eine Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo gestartet. 50.000 britische Pfund (rund 69.500 Euro) wollen die Erfinder in den kommenden Wochen sammeln, um das Bike in Serie produzieren zu können.

Variante mit und ohne MotorDass solch ein Fahrrad wesentlich mehr wiegt als ein gewöhnliches Bike ohne Anschnallgurte und dergleichen, ist klar. Damit die Besitzer dennoch zügig vorankommen, haben Sinclair und sein Team einen 250 Watt Motor von Shimano verbaut.

Der beschleunigt das Bike auf bis zu 25 Stundenkilometer, der rechtlich zugelassenen Höchstgeschwindigkeit für Pedelecs ohne Versicherungskennzeichen. Die Reichweite soll bei rund 130 Kilometern liegen.

Eine Variante ohne Motor soll auch erhältlich sein. Kostenpunkt: rund 2.500 Pfund (rund 3.500 Euro) für das Model ohne Motor, 1000 Pfund (rund 1.400 Euro) mehr kostet die Variante mit elektrischer Trittunterstützung.

Die Idee zum Babel Bike kam Crispin Sinclair, als er auf dem Rad eine unsanfte Begegnung mit einem Kleinbus machte. Nach ein wenig Recherche entdeckte er, dass ein Großteil der Fahrradunfälle in London durch LKWs und Busse verursacht werden, die Fahrradwege beim unvorsichtigen Abbiegen schneiden und so direkt mit Radlern zusammenstoßen.

Ähnlich sieht es in vielen anderen Großstädten weltweit aus, sagt Sinclair. Um den Radler bei genau solchen Kollisionen besser zu schützen, entwickelte Sinclair das Babel Bike.

Besserer Schutz die Lösung des Problems Fahrradunfall?Bleibt die Frage, ob ein solches Bike Anlass zur Freude für Radler ist? Einerseits übernimmt Sinclair mit seinem Babel Bike Sicherheitskonzepte aus dem Auto, die dort in den vergangenen Jahrzehnten für eine drastische Reduzierung der Verkehrstoten bei Unfällen gesorgt haben.

Andererseits ist es fraglich, ob Drahtesel mit Schutzkäfigen wirklich die Lösung für das Problem von Radunfällen sind. Sollten nicht vielmehr besser abgeschirmte Radwege und generell eine höhere Priorität des Radverkehrs in der Straßenplanung dafür sorgen, dass solche Unfälle seltener passieren?

Trotz dieser Bedenken ist das Babel Bike ein Schritt in die richtige Richtung. Zum einen ist es ein interessanter Ansatz, Sicherheitskonzepte von vier auf zwei Räder zu übertragen. Zum anderen dürfte es gerade für Vielradler eine Alternative sein, im Großstadtverkehr etwas geschützter unterwegs zu sein.

Hier noch ein Video zum Babel Bike:

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