Bahn-Alternative: Locomore holt das gepflegte Gespräch auf die Schiene zurück

Bahn-Alternative: Locomore holt das gepflegte Gespräch auf die Schiene zurück

von Sabrina Keßler

Das Start-Up Locomore will günstiger und ökologischer als die Konkurrenz sein.

Sie ist nicht nur gerne mal zu spät, die Deutsche Bahn ist vor allem zu teuer - so dass sie Fernbussen und Inlandsfliegern den Markt bereitet. Aus ökologischer Sicht ein Desaster, denn der CO2-freie Schienenverkehr ist seinen Konkurrenten in puncto Umweltschutz deutlich überlegen.

Zumindest auf der Strecke Berlin - Stuttgart kommt nun eine Konkurrenz dazu, die den entsprechenden Mehrwert bieten will, der die Kunden wieder auf die Schiene lockt. Per Crowdfunding will das Start-up Locomore derzeit genug Geld einsammeln, um eine ökologische, kostengünstige, kundenorientierte und kinderfreundliche Alternative zur Deutschen Bahn zu bieten.

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Ab September 2016 soll die Route Stuttgart - Berlin (über Vaihingen/Enz, Heidelberg, Darmstadt, Frankfurt (Main), Hanau, Fulda, Kassel, Göttingen, Hannover und Wolfsburg) starten, einmal am Tag, hin und zurück.

Grüne Vorzüge: Ökostrom und TiefpreisStatt nagelneue Züge einzusetzen, will Locomore mit generalüberholten, gebrauchten Wagen auf die Gleise. In der Bord-Gastronomie gibt es Bio-Essen statt vorgefertigter Massenware. Und statt mit Höchstgeschwindigkeit durch die Lande zu düsen, werden die Züge in einem der Umwelt angemessenem Tempo fahren. Natürlich mit Ökostrom – für alle Reisenden. Bei der Deutschen Bahn fährt nämlich bislang nur derjenige mit Ökostrom, der sich eine BahnCard leistet oder für einen zusätzlichen Euro den Öko-Strom-Tarif hinzugebucht hat.

Zu Preisen ab sieben Euro sollen die Fahrten bei Locomore erhältlich sein. Langstrecken kosten in der Regel ab 22 Euro. Der Höchstpreis liegt dabei immer unterhalb der Hälfte des Normalpreises der Deutschen Bahn, verspricht das Unternehmen. So als hätte man eine BahnCard 50.

Kultivierter BahnfahrenTrotz dieses Preiskampfes will Locomore keine Konkurrenz zur Deutschen Bahn eingehen. Die Fahrten kollidierten absichtlich nicht mit dem üblichen Fahrplan der DB, wie das Unternehmen mitteilt. „Wir wollen zusätzlichen Verkehr auf den Schienen, weil das per se ökologisch ist“, sagt Gründer Derek Ladewig.

Neben mehr Tischen, kostenlosem WLAN und Service am Platz soll es bei der Bahn-Alternative auch sogenanntes Social-Seating geben. Anstatt einen beliebigen Sitzplatz zu reservieren, kann man vor Fahrtantritt per App auswählen, mit wem man gerne in einem Abteil sitzen würde. Anhand der Profile der Mitreisenden, die online eingesehen werden können - aber kein Muss sind, wie Ladewig betont - können sich Mitreisende für gleichgesinnte Sitznachbarn entscheiden.

Für die Dauer der Fahrt entstünden so beispielsweise Abteile für Fußball-Fans oder für Brettspieler oder für Fans bestimmter Musikrichtungen, erträumt sich Ladewig. Das gepflegte Reisegespräch solle damit wieder salonfähig werden.

Mindestens 240.000 Euro nötigDie Zukunft kultivierter, kostengünstiger Zugfahrten ist bislang allerdings nur eine Vision. Weil nur die wenigsten Banken und Finanziers an Ladewigs Ansatz glauben, finanziert er sein Projekt derzeit über die Crowdfunding-Plattform Startnext. Wer den Traum gemächlicher, umweltfreundlicher Bahnfahrten unterstützen will, kann sich eines der ersten Tickets für 22 Euro sichern, das später für eine Fahrt eingelöst werden kann. Doch bis es soweit ist, müssen mindestens 240.000 Euro zusammen kommen – unter anderem, um Lok und Wagen zu mieten.

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