Biketechnik: Startup entwickelt digitales Fahrradschloss

Biketechnik: Startup entwickelt digitales Fahrradschloss

von Felix Ehrenfried

Ein Berliner Startup entwickelt ein Fahrradschloss, das sich per Smartphone öffnen lässt - die Technik soll Bike-Sharing einfacher machen.

Es ist Sommer in Berlin. An diesem Tag, im Juni 2012 vertreiben sich die Menschen ihre Zeit mit Eis essen, Kaffee trinken und sonnenbaden an der Spree. Michael Usher ist auf dem Weg ins Büro. Der gebürtige New Yorker pendelt seit einigen Jahren für seinen Arbeitgeber, eine kleine Unternehmensberatung, zwischen der amerikanischen Metropole und der deutschen Hauptstadt.

Seit kurzem ist Usher allerdings nicht mehr als Berater unterwegs, er möchte mit seinem eigenen Startup ein Unternehmen aufbauen. Aus diesem Grund hat er sich auch in der Berliner Startup Academy (BSA) eingeschrieben. Die Akademie hat es sich zum Ziel gesetzt, motivierte Jungunternehmer mit technischem Rat, Finanzierungsmöglichkeiten und einem breiten Unternehmensnetzwerk zu unterstützen.

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Doch bisher fehlt Usher die zündende Idee, zwei seiner Vorschläge wurden von BSA-Chef Christoph Räthke schon als langweilig oder nicht umsetzungsfähig abgeschmettert. Usher blickt umher, sieht wie ein Autobesitzer seinen Wagen per Fernbedienung öffnet. Gedankenverloren lässt Usher den Blick zurück auf sein Smartphone schweifen, wo er gerade eine SMS verfasst. Da kommt ihm die Idee: Das Smartphone zum digitalen Fahrradschloss umzuwandeln - das wäre es!

Zurück in der BSA ist auch Startup-Pionier Räthke von den Socken, Usher macht sich sofort an die Arbeit. Gemeinsam mit seinem Partner Lars Kopmann interviewt der New Yorker Fahrradexperten, App-Entwickler und Ingenieure. Das Ziel von Usher und Kopmann: Den Drahtesel ins digitale Zeitalter katapultieren. Wie das funktionieren soll? Mit dem Startup, das die beiden inzwischen gegründet haben: Clyc.

"Fahrräder haben sich im Prinzip seit Jahrzehnten nur wenig verändert, wir wollen mit Clyc das Fahrrad in die digitale Welt upgraden", erklärt Usher sein Konzept. Statt schwere Fahrradschlösser zu transportieren und sich die Hände beim Öffnen und Schließen zu verdrecken soll ein einfacher Klick auf das Smartphone-Display genügen, um das Fahrrad aufzusperren oder zu verriegeln.

Das Airbnb der FahrradszeneDoch das ist nur eine, recht technische Komponente des Plans von Clyc. "Wir wollen das Airbnb für Fahrräder werden", erklärt Usher den zweiten, wesentlich ambitionierten Bestandteil seines Plans. Airbnb ist die weltweitgrößte Online-Plattform für private Übernachtunsmöglichkeiten.

Statt Hotelzimmer und Swimmingpool bekommt man hier Studentenbude oder Gästezimmer. Privatleute geben an, welche Übernachtungsmöglichkeiten sie haben, wann sie verfügbar sind und wie viel sie kosten. Interessierte buchen dann über Airbnb ihr Wunschzimmer.

Fahrradverleih für jedenSo soll das digitale Fahrradschloss vom Berliner Startup Clyc nicht nur für die Sicherheit des geliebten Drahtesels sorgen, es soll auch die Möglichkeit bieten, anderen einfachen Zugriff zum Fahrrad zu gewähren. Ushers Vision: Jeder, der es möchte, kann sein Fahrrad online zur Verfügung stellen, Interessierte buchen es, zahlen einen Miete und schalten das Fahrrad mit ihrem Smartphone frei. "Das Ganze soll im Prinzip ähnlich wie das Mietfahrradkonzept der Deutschen Bahn funktionieren, nur soll jeder die Möglichkeit haben, mit seinem eigenen, privaten Fahrrad daran teilzunehmen", so Usher. Collaborative Consumption, zu deutsch in etwa "gemeinschaftlicher Konsum", nennt er das. Ähnliche Konzepte zum privaten Fahrradverleih präsentierten vor kurzem auch zwei US-Startups.

Außerdem wollen die zwei Clyc-Gründer ihre Software offenlegen, sodass jeder motivierte Programmierer das Konzept mit Apps erweitern kann. Bisher hüllen sich die zwei Unternehmensgründer noch in Schweigen, wie genau das Konzept vom digitalen Fahrradschloss mit Verleih- und App-Funktion in der Realität funktionieren soll. "Nach einigen verschiedenen Versuchen haben wir jetzt einen ersten kompletten Prototyp", so Usher. Mehr ist aus ihm nicht herauszubekommen, auch bezüglich eines Starttermins hält er sich bedeckt.

Clyc vertritt Deutschland bei den Tech-AllstarsDie Startup-Szene und einige Unternehmen haben die beiden Jungunternehmer allerdings schon hinter sich. Die Telekom unterstützt das Unternehmen mit dem Start-Up Inkubator hub:raum und einer Finanzierung von 5000 Euro, außerdem vertritt das Unternehmen Deutschland bei den Tech-Allstars, ein Programm der EU, das die besten europäischen Startups fördern soll.

Hier geht es zu einer Präsentation von Michael Usher zu Clyc.

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