Bio-Baumaterialien: Ein Dorf aus Abfall

Bio-Baumaterialien: Ein Dorf aus Abfall

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Fast wie der Tintenstrahldrucker daheim: Dieser 3D-Drucker baut aus Lehm und Stroh ein ganzes Haus. (Foto: WASP)

von Dirk Kunde

Häuser aus Stroh, Straßen aus Gülle: Abfall-Materialien feiern ein Revival. Wir zeigen, wie künftig mit Müll gebaut werden könnte.

Hütten aus Lehm und Stroh gibt es seit Jahrhunderten. Im italienischen Massa Lombarda erlebt das Baumaterial derzeit eine Renaissance – und zwar aus dem 3D-Drucker. Das Unternehmen World´s Advanced Saving Project (WASP) baut mit einem 12 Meter hohen Drucker Häuser.

Die Nachbarschaft besteht noch aus hässlichen Beton-Bunkern, das kleine Lehmhaus sieht in dieser frühen Bauphase aber auch noch perfekt aus.

Die Nachbarschaft besteht noch aus hässlichen Beton-Bunkern, das kleine Lehmhaus sieht in dieser frühen Bauphase aber auch noch perfekt aus. (Foto: WASP)

Das Druckmaterial besteht aus einer Mischung aus feuchter Erde und Stroh. Fenster und Tür werden nach dem Trocknen in die Wände geschnitten. Das Druckmuster der runden Häuser ist so angelegt, dass zwischen Außen- und Innenwand Hohlräume entstehen, die mit isolierendem Material gefüllt werden.

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Die Lehmhäuser sind extrem haltbar und die Herstellung benötigt wenig Energie. Das Shamballa-Projekt in dem kleinen Ort zwischen Ravenna und Bologna soll zeigen, wie sich Nachhaltigkeit und Technologie gegenseitig ergänzen.

Straßen aus Gülle

Die Zufahrt zum Haus könnte demnächst aus einem anderen Abfallprodukt bestehen, nämlich Schweinegülle. Forscher an der North Carolina Agricultural and Technical State University fanden heraus, dass Schweinegülle einen hohen Öl-Anteil besitzt. Der ist zwar nicht hoch genug, um daraus Benzin zu raffinieren, doch weist die Gülle Ähnlichkeiten mit Petroleum auf. Das wiederum wird für die Herstellung von Straßenasphalt verwendet.

Bauingenieurin Ellie Fini fertigt mit ihrem Team aus Schweinegülle ein flüssiges, klebriges Bindemittel. Gemischt mit kleinen Steinchen, lässt sich die Masse zu Straßenbelag verarbeiten. Das Ergebnis: Der Bioasphalt ist mindestens genauso haltbar wie klassischer und wird auch bei Minustemperaturen nicht brüchig.

In der Herstellung ist der Gülle-Asphalt deutlich günstiger. "Der Preis liegt bei 0,15 US-Dollar pro Liter und erfordert weit weniger Energie als der Petroleum-basierte Asphalt", sagt Fini. Die Belastungstests in ihrem Labor verliefen so erfolgreich, dass die Forscherin zusammen mit Partnern für die weitere Entwicklung das Unternehmen Bio Adhesive Alliance Inc. gegründet hat.

Autoteile aus Pflanzenabfällen

Auf dem Bio-Asphalt könnten zukünftig Autos mit diversen Bauteilen aus Bio-Plastik rollen. US-Hersteller Ford testet die Nutzung von Agaven-Pflanzenfasern in seinen Fahrzeugen. Reste aus der Tequilla-Produktion werden zu Verbundkunststoffen verarbeitet und in Pkws verbaut.

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Bei der Agaven-Ernte für Tequila und Mezcal bleibt einiges an pflanzlichen Abfällen zurück. (Foto: Ford)

"In einem typischen Auto stecken rund 180 Kilogramm Plastik", erklärte Debbie Mielewski, technische Leiterin der Nachhaltigkeitsabteilung bei Ford, dem US-Portal Slashgear. Pflanzliche Stoffe werden das nicht komplett ersetzen, doch die Haltbarkeit als auch die ästhetische Qualität der Agave sprechen für ihren Einsatz im Autobau. Im ersten Schritt wurden bei Ford Becherhalter, Sicherungskästen, Teile der Lüftung und Heizung sowie Kabelstränge aus dem "Tequilla-Plastik" gefertigt.

Als Tragetasche oder Müllbeutel Biokunststoff-Tüten: Sinnvolle Alternative oder Greenwashing?

Tüten aus Biokunststoffen geben sich den Anstrich einer umweltfreundlichen Alternative zur klassischen Plastiktüte. Doch sie sind nicht unumstritten.

Plastiktüten verschwinden allmählich aus den Supermärkten. Doch ob Biotüten wirklich besser für die Umwelt sind, darüber streiten sich Experten. (Foto: Paul Zinken/dpa) Quelle: dpa

Ford testet bereits seit dem Jahr 2000 unterschiedliche Biomaterialien in seinen Fahrzeugen, darunter Soja-Schaum, Rizinusöl, Weizenstroh, Kenaf-Fasern, Cellulose, Holz, Kokos-Fasern und Reiskornschalen. Im Idealfall erleichtern diese Materialien nicht nur das spätere Recycling, sondern auch das Gewicht des Fahrzeugs.

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