Biogaserzeugung: Mais muss nicht länger missbraucht werden

Biogaserzeugung: Mais muss nicht länger missbraucht werden

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Eine willkommene Alternative: Die Durchwachsene Silphie kann genauso zur Biogaserzeugung genutzt werden wie Mais.

von Wolfgang Kempkens

Als Rohstoff für die Biogaserzeugung ist die Futterpflanze in die Kritik geraten. Doch es gibt eine Alternative: die Durchwachsene Silphie. Und die kann noch viel mehr.

Rund 9.000 Biogasanlagen gibt es in Deutschland. Gemeinsam erzeugen sie Energie in Höhe von 4,2 Gigawatt; damit können rund 8,4 Millionen Haushalte mit Strom versorgt werden. Eigentlich eine gute Sache – wäre da nicht das Problem mit dem Mais.

Mais ist der effizienteste Energierohstoff für Biogasanlagen. Deswegen wird er auf immer größeren Flächen angebaut. Kritiker befürchten, dass dadurch Monokulturen entstehen, die den Boden zerstören. Doch die Futterpflanze muss nicht länger als Energierohstoff für Biogasanlagen benutzt werden – denn die Durchwachsene Silphie tut es auch.

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Das haben vier Landwirte aus dem baden-württembergischen Örtchen Hahnennest herausgefunden. Sie säen nun auf ihren Äckern immer abwechselnd eine Reihe Mais und eine Reihe Silphie. Dazu kommt Dünger und Insektenschutzmittel. Der Mais wächst genauso gut wie ohne Partnerpflanze, im Herbst wird er ganz normal geerntet und landet in der Biogasanlage.

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Die Durchwachsene Silphie, die eigentlich in Nordamerika beheimatet ist, bringt in etwa den gleichen Hektarertrag und ist ähnlich produktiv bei der Gaserzeugung wie Mais. Bisher lehnten Landwirte, die Energiepflanzen anbauen, diese Alternative ab – denn im ersten Jahr nach der Aussaat bringt die Pflanze keinen Ertrag. Sie bildet lediglich Rosetten aus, die den Boden bedecken. Da ist an Gasproduktion noch nicht zu denken.

Im zweiten Jahr ist die Silphie an der Reihe. Mit manchmal mehr als drei Metern erreicht sie eine größere Höhe als Mais. Dabei kommt sie vom zweiten Jahr an ohne Dünger und Insektenschutzmittel aus. Nach der Ernte im Herbst treibt sie im darauffolgenden Jahr wieder aus und erreicht dieselbe Höhe. Das klappt mindestens zehn Jahre lang. Dann muss neu ausgesät werden.

„Was die Oberschwaben in Hahnennest erreicht haben, ist ein Quantensprung für die Biogasbranche", sagt der Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Biogas, Claudius da Costa Gomez. Sie ernten Silphie auf mittlerweile 180 Hektar. Anderswo in Baden-Württemberg wird die Pflanze auf weiteren 300 Hektar angebaut.

Silphie ist ein Allrounder

Die baden-württembergischen Landwirte verfeuern das Gas aus ihrer Biogasanlage in zwei Blockheizkraftwerken mit einer elektrischen Leistung von jeweils 250 Kilowatt. Daraus versorgen sie sich mit Strom. Die Wärmeenergie fließt in ein Nahwärmenetz. Im Sommer, wenn der Wärmebedarf gering ist, veredeln die Landwirte ihr Gas zu Biomethan, das in das öffentliche Netz eingespeist wird.

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Auch außerhalb der Energiebranche hat die Silphie lauter Freunde. Jäger wissen sie zu schätzen, weil sie Kleintieren Unterschlupf bietet. Imker lieben sie, weil sie von Juni bis September blüht und Bienen Nahrung bietet. Umweltschützer mögen sie, weil sie genügsam und auch mit mageren Böden zufrieden ist und auf Chemie verzichten kann.

Gomez hat noch weitere Vorzüge entdeckt: Die Pflanze reduziere „mit ganzjähriger Bestockung auf dem Acker massiv Erosionserscheinungen, leistet durch Humusaufbau einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz und sorgt mit ihrem bis zu zwei Meter tiefen Wurzelwerk für hervorragenden Trinkwasserschutz.“

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