Biotechnologie: Franzosen fertigen Kraftstoff aus Mikroben

Biotechnologie: Franzosen fertigen Kraftstoff aus Mikroben

von Wolfgang Kempkens

Aus Frankreich stammt ein Verfahren, das Kraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen herstellt. So lässt sich auch Industrie-Kautschuk produzieren.

Ein hocheffizienter Kraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen, mit guter CO2-Bilanz, der nicht in Konkurrenz zu Nahrungsmittelproduktion und Anbauflächen steht?

Das französische Unternehmen Global Bioenergies will das möglich machen: In einer neuen industriellen Pilotanlage konnten sie Isobuten aus nachwachsenden Rohstoffen herstellen. Bisher war das Global Bioenergies nur im Labor gelungen. Die neue Anlage in Pomacle-Bazancourt in der Nähe von Reims, die eine Kapazität von zehn Jahrestonnen hat, soll das Verfahren genau wie eine zweite Anlage im sachsen-anhaltinischen Leuna, jetzt für die Industrie anwendbar machen.

Anzeige

Dort bauen die Franzosen mit Hilfe des benachbarten Zentrums für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP) der Fraunhofer-Gesellschaft zwei 5000-Liter-Fermenter auf, in denen jährlich 100 Tonnen Isobuten hergestellt werden sollen. Die gasförmige Chemikalie ist eine Vorstufe von Isooktan, einem heute aus Erdöl hergestellten Additiv in Benzin, das die Klopffestigkeit verbessert.

Isooktan lässt sich in beliebigen Mengen jeder Art von Benzin beimischen, was die Sache für die Fahrzeugindustrie interessant macht. So möchte die Volkswagenmarke Audi das in Leuna biologisch hergestellte Additiv als "e-Benzin" für seine Fahrzeuge testen (WiWo Green berichtete). Der Bio-Isooktan-Treibstoff wäre nicht nur gut fürs Klima, sondern würde wegen seiner hohen Energiedichte auch hohe Reichweite erzielen, wie das Unternehmen angibt. Die Weltproduktion an Isobuten liegt im Millionen-Tonnen-Bereich.

Mikroorganismen essen ZuckerGlobal Bioenergies, Spezialist für die Herstellung von Treibstoffen und Chemikalien aus nachwachsenden Rohstoffen, hat für die Isobuten-Produktion spezialisierte Mikroorganismen entwickelt. Gefüttert mit Zucker produzieren sie die gewünschte Chemikalie im Zuge ihres Stoffwechsels.

In Pomacle-Bazancourt werden die Mikroorganismen mit Industriezucker ernährt. Das ist nicht unumstritten, weil dieser auch als Nahrungsmittel eingesetzt werden kann. Das Unternehmen arbeitet allerdings mit Hochdruck daran, die eingesetzten Mikroorganismen so zu manipulieren, dass sie neben Glukose auch Arabinose und Xylose verdauen. Das sind Zuckerarten, die in Biomasse wie Holz, Stroh und Gartenabfällen stecken. Damit soll die viel kritisierte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion beendet werden.

Die Isobuten-Produktion gelang mit Hilfe des Unternehmens Agro-Industrie Recherches et Développements (ARD), das für den Betrieb der Pilotanlage verantwortlich ist. Die Errichtung kommerzieller Anlagen sei in den kommenden drei bis vier Jahren denkbar, sagt Rick Bockrath von Global Bioenergies. Voraussetzung ist, dass die Anlage in Leuna, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 5,7 Millionen Euro gefördert wird, erfolgreich läuft. Mitte 2016 soll sie den Betrieb aufnehmen.

Jetzt auch Durchbruch bei ButadienMit einem biotechnischen Verfahren zur Herstellung von Butadien hat Global Bioenergies ein weiteres Eisen im Feuer und kann aktuell einen Durchbruch vermelden: Erstmals ist es den Franzosen gelungen, Butadien vollständig biologisch herzustellen.

Das Gas Butadien, aus dem Synthesekautschuk etwa für die Herstellung Autoreifen gefertigt wird, wurde bislang aus fossilen Rohstoffen gewonnen.

Frédéric Pâques, technischer Direktor bei Global Bioenergies, sagt: "Wir verfügen nunmehr über ein Prototyp-Verfahren für die direkte biologische Umwandlung von nachwachsenden Rohstoffen in Butadien. Wir gehen davon aus, dass das Butadien-Programm in den kommenden Jahren die gleichen Entwicklungsschritte wie unser Isobuten-Verfahren machen wird."

Damit könnte Global Bioenergies den Butadien-Markt, der auf jährlich zehn Millionen Tonnen beziffert wird, gehörig aufmischen.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%