Blockchain-Technologie: Solaranlagenbesitzer werden zu digitalen Stromhändlern

Blockchain-Technologie: Solaranlagenbesitzer werden zu digitalen Stromhändlern

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In Solaranlagen erzeugter Strom könnte dank Blockchain gewinnbringend verkauft werden.

von Dirk Wohleb

Besitzer von Photovoltaikanlagen können ihren Strom in Zukunft direkt selbst verkaufen und abrechnen. Möglich machen das Transaktionen über die Blockchain.

Die Kunden der Energieversorger werden flügge. Sie wechseln nicht mehr nur ihren Strom- oder Gasanbieter, sondern erzeugen auch selbst Strom, der sie unabhängiger macht. Aus ehemals passiven Konsumenten werden Produzenten, die mit ihrer Photovoltaikanlage ihre eigene Energie erzeugen.

Doch damit nicht genug: Sie können diesen Strom nun sogar selbst direkt verkaufen. Das zeigt ein Modellprojekt aus New York, bei dem im vergangenen April erstmals Strom aus Solaranlagen direkt in die Nachbarschaft verkauft und auch gleich abgerechnet wurde.

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Möglich macht das die Blockchain. Mit der Datenbank sind Transaktionen auch ohne eine weitere Instanz wie ein Stadtwerk möglich. „Mithilfe der Blockchain-Technologie können sich Verbraucher von Energieversorgern emanzipieren“, sagt Udo Sieverding, Energieexperte von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Für die Verbraucherschützer Grund genug, eine Studie bei den Energieexperten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Auftrag zu geben. „Mit der Studie loten wir aus, welche Chancen die derzeit viel diskutierte Blockchain-Technologie Verbrauchern bietet“, so Everding.

Energiesektor vor grundlegendem Wandel

Die Studie zeigt, dass Blockchain den Energiesektor grundlegend verändern kann und eine direkte Transaktion zwischen Produzenten und Konsumenten von Strom möglich ist. „Das würde das klassische Geschäftsmodell von Energieversorgern in Frage stellen“, sagt Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC.

Doch nicht nur die klassischen Versorger, sondern der gesamte Energiesektor stünde vor einem radikalen Wandel, wie Schwieters betont: „Das etablierte System von Stromerzeugern, Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern bis hin zum Lieferanten lässt sich radikal vereinfachen, indem Erzeuger und Verbraucher direkt in Verbindung gesetzt werden und die Netzsteuerung an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst wird.“

Bei Blockchain werden die Daten einer Transaktion verschlüsselt und abgespeichert. Die gesammelten Informationen zu sämtlichen Transaktionen werden für alle Teilnehmer zu Blöcken zusammengefasst und auf allen beteiligten Rechnern gespeichert. Im Energiesektor setzt sich damit eine Entwicklung aus dem Finanzbereich fort, in dem sich die Internetwährung Bitcoin längst etabliert hat. Auch sie wird über Blockchain abgewickelt und macht bei Überweisungen die Bank überflüssig.

Für Verbraucher ist das Blockchain-Prinzip hochinteressant. Schließlich könnten auch die Betreiber von Windkraftanlagen oder Blockheizkraftwerken Strom im großen Stil selbst verkaufen. Damit wären sinkende Strompreise möglich, weil die Gebühren von Stadtwerken, Energieversorgern oder Strombörsen wegfallen, aber auch die Transaktionskosten sinken und der Wettbewerb steigt.

Viele regulatorische Fragen sind offen

Blockchain bietet zahlreiche Optionen im Energiesektor. Nicht nur der direkte Austausch von Energie ist möglich, sondern auch die Messung und Abrechnung von Strom wäre denkbar. Mithilfe der Blockchain könnte auch die Echtheit von Stromzertifikaten oder der Zustand von Anlagen wie Smart Metern, Netzen oder Erzeugungsanlagen überprüft werden.

So vielfältig die Möglichkeiten sind, derzeit sind der Blockchain doch enge Grenzen gesetzt. Denn viele potenzielle Projekte im Energiebereich lassen sich aktuell nur schwer umsetzen. „Viele regulatorische Fragen sind offen und noch zu klären. Deswegen lässt sich derzeit noch nicht abschätzen, ob sich diese Transaktionsplattform im Energiesektor auch langfristig durchsetzen wird. Das hängt entscheidend davon ab, dass Versorgungssicherheit und auch der Schutz der Daten sichergestellt wird“, betont Schwieters.

Blockchain-Technologie Mehr Sicherheit für Verbraucher – Sämtliche Produkte sollen rückverfolgbar werden

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Doch der Zug ist nicht mehr aufzuhalten. Neue Technologien werden den Energiesektor unwiederbringlich verändern, ist Verbraucherschützer Sieverding überzeugt: „Ganz gleich, welche Systeme sich letztlich durchsetzen: Sicher ist, dass die Digitalisierung im Energiebereich neue Entwicklungen vorantreibt und Verbrauchern Chancen eröffnet.“

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