Boom der Wasserkraft: Forscher warnen vor gravierenden Umweltschäden

Boom der Wasserkraft: Forscher warnen vor gravierenden Umweltschäden

von Benjamin Reuter

3700 große Wasserkraftwerke befinden sich in Bau oder in Planung. Naturschützer sollten alarmiert sein.

Erneuerbare Energien gelten häufig als grün, automatisch umweltfreundlich sind sie deshalb aber nicht. Solaranlagen, Windturbinen und Wasserkraftwerke stoßen zwar bei der Stromerzeugung kein klimaschädliches CO2 aus. Dennoch benötigen die Unternehmen zu ihrer Herstellung Rohstoffe, die teilweise aufwendig abgebaut werden müssen und dabei negative Einflüsse auf die Umwelt haben.

Generell gilt: Die Gesamtumweltbilanz ist bei erneuerbaren Energien besser als bei Kraftwerken, die mit fossilen Rohstoffen Energie erzeugen. Im Einzelfall kann die Umweltbilanz aber auch schlechter ausfallen.

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Besonders umstritten, wenn es um die Folgen für die Umwelt geht, ist dabei die Wasserkaft. Attraktiv ist sie, weil ihr Strom beinahe konkurrenzlos günstig und abgesehen von Unterbrechungen durch Wettereinflüsse auch durchgehend verfügbar ist. Aber häufig ist der Bau von Stauseen und Dämmen mit gravierenden Eingriffen in Landschaften und Ökosysteme verbunden.

Wie groß die Auswirkungen weltweit in den nächsten Jahren sein werden, haben jetzt Forscher des Leibniz-Institutes für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin untersucht. Die Ergebnisse ihrer Studie sind durchaus überraschend:

- Die Daten zeigen, dass bis 2030 weltweit 3700 Großstaudämme hinzukommen werden. Dies könnte die Stromerzeugung aus Wasserkraftwerken nahezu verdoppeln.

- Die Investitionen im Wasserkraft-Sektor haben sich innerhalb der vergangenen Jahren mehr als verzehnfacht. Allein der Bau dieser Anlagen wird geschätzte 1,5 Billionen Euro kosten.

- Heute tragen erneuerbare Energien bereits etwa 20 Prozent zur globalen Stromproduktion bei, davon stammen allein 80 Prozent aus Wasserkraft.

- Etwa 21 Prozent der heute noch freifließenden großen Flüsse werden in zehn bis zwanzig Jahren wegen Wasserkraftwerken nicht mehr für Fische durchwanderbar sein.

- Besonders brisant ist die Lage in China, Brasilien, Indien und Nepal, aber auch in den Balkanländern und in der Türkei.

Die Forscher fordern deshalb strengere Vorgaben für den Bau von Wasserkraftwerken und eine genauere Abwägung zwischen ihren Vorteilen für die Energieversorgung und ihren Nachteilen für die Umwelt. Allerdings ist es eher fraglich, dass sich das in den rasant wachsenden Schwellenländern, deren Hunger nach Strom rapide steigt, auch umsetzen lässt.

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