Bund streicht Steuerprivileg: Fahren mit Autogas wird teurer

Bund streicht Steuerprivileg: Fahren mit Autogas wird teurer

, aktualisiert 26. Januar 2017, 16:34 Uhr
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Ein Mechatroniker baut eine Autogasanlage ein.

Der Steuervorteil für Wagen mit Autogas-Antrieb ist bald Geschichte: Die Bundesregierung lässt ihn im nächsten Jahr auslaufen. Die Fahrer müssen dann an der Tankstelle deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Die Fahrer von rund einer halben Million Fahrzeugen mit Autogas-Antrieb müssen an den Tankstellen mit deutlich steigenden Preisen rechnen. Der Bund will den Steuervorteil von Autogas im nächsten Jahr auslaufen lassen, wie aus einem Gesetzentwurf des Finanzministeriums hervorgeht, der Reuters am Donnerstag vorlag. Eigentlich sollte es den Vorteil für das vergleichsweise klimafreundliche Flüssiggas noch bis Ende 2021 geben, was den Staat bis zu einer Milliarde Euro gekostet hätte. Davon ist Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nun abgerückt.

In der Gas-Branche und im Bundestag sorgte das für Unruhe, selbst in Schäubles Partei: Die Befreiung stehe im Koalitionsvertrag, der Bundestag habe dies in einem Votum 2015 bekräftigt, sagte Verkehrsexperte Steffen Bilger. "Wir werden uns im Sinne des Koalitionsvertrags für die weitere Unterstützung des umweltfreundlichen Flüssiggases einsetzen."

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Schäuble hat die Befreiung fallengelassen, weil die geplante Gegenfinanzierung scheiterte: Eigentlich sollte diese durch höhere Stromsteuern auf kleine Industriekraftwerke sowie Solaranlagen erreicht werden. Über fünf Jahre wären so rund eine Milliarde Euro zusammengekommen. Das scheiterte jedoch am Widerstand des Wirtschaftsministeriums. Die jetzt vorgesehenen Regelungen zum Gas will das Kabinett noch im Februar beschließen.

Der Deutsche Verband Flüssiggas (DVFG) verwies ebenfalls auf den Koalitionsvertrag und sprach von einer Täuschung der Autogas-Nutzer. "Angesichts der drängenden Herausforderungen bei Luftreinhaltung und Treibhausgasminderung wäre es ein politisch nicht nachvollziehbares Signal, ab 2019 auf den Steuervorteil für Autogas zu verzichten", sagte der DVFG-Vorsitzende Rainer Scharr. Bei der Verbrennung von Gas wird weit weniger CO2 freigesetzt als bei Benzin, zudem entstehen 80 Prozent weniger Stickoxide als beim Diesel.

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Anders als beim Autogas werden hingegen die Steuervorteile für Erdgas beim Einsatz im Verkehr verlängert. Sie sollen dem Entwurf zufolge nun bis 2026 weiter laufen, aber ab 2024 abgeschmolzen werden. Mit Erdgas fahren allerdings mit 100.000 Autos deutlich weniger als mit Autogas. Der Preis pro Liter Erdgas liegt zudem auch mit Steuerbefreiung höher, bei etwa 1,10 Euro.

Das Autogas genannte Flüssiggas ist auch wegen der derzeitigen Steuerbegünstigung von rund 15 Cent pro Liter erheblich billiger als Benzin. Derzeit kostet es zwischen 50 und 60 Cent, hat allerdings auch einen um bis zu 20 Prozent geringeren Brennwert. Zudem kostet die Aus- oder Umrüstung der Fahrzeuge auf Gas-Antrieb zwischen 2000 und 4000 Euro. Der Steuervorteil ist daher für den Kauf oft das entscheidende Argument. Wegen der Unsicherheit über die weitere Besteuerung hatten die Verkäufe zuletzt nachgelassen.

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