Carsharing erobert die Städte: Aber wie nachhaltig ist der Trend eigentlich?

Carsharing erobert die Städte: Aber wie nachhaltig ist der Trend eigentlich?

Warum nutzen Berliner, Hamburger und Münchner Carsharing? Weil es billig und bequem ist oder die Umwelt schützt?

Lisa Thalheimer studiert Green Business Management an der Business and Information Technology School Iserlohn. In ihrem Gastbeitrag geht sie der Frage nach, warum Menschen Carsharing nutzen - weil sie die Umwelt schützen wollen oder weil es in einer Großstadt schlicht bequem und günstig ist?

Carsharing boomt. Nicht nur hierzulande, sondern weltweit. Das Mobilitätsangebot, das früher hauptsächlich von Ökovorreitern oder den Marketingstrategen der Automobilkonzerne genutzt und gefeiert wurde, hat sich längst einem Imagewechsel unterzogen.

Anzeige

In Großstädten wie Berlin ist es derzeit der letzte Schrei, einen kleinen Zweisitzer zu buchen, einzusteigen, anzukommen und sich nicht einmal um ein Parkticket kümmern zu müssen. Noch besser, wenn das Ganze mit einem Elektroauto funktioniert. Man achtet ja schließlich auf die Umwelt.

Das Mobilitätsmodell, sich Autos mit anderen zu teilen, kam in Deutschland erstmals Ende der 80er Jahre auf. Was zunächst als Feldversuch begann, ist heute eines der gefragtesten Geschäftsmodelle für Autokonzerne wie BMW, Daimler und Citroen. Und das aus gutem Grund: Prognosen rechnen mit 15 Millionen Carsharing-Nutzern in Europa bis 2020.

Eine wichtige Frage aber, die bisher im Zusammenhang mit dem Carsharing-Boom unterging, ist: Glauben die Nutzer, mit Carsharing der Umwelt zu helfen oder werden sie nur Kunde bei DriveNow, Car2go und Flinkster, weil es bequem und günstig ist?

Zwar werden die Umwelt-Auswirkungen von Carsharing seit geraumer Zeit heiß diskutiert. Interessensvertreter des öffentlichen Personennahverkehrs zum Beispiel sind der Meinung, Carsharing schmälere ihr Fahrgastaufkommen. Dabei betrachten sich die meisten Carsharing-Anbieter nicht zwangsläufig als Konkurrenz zum ÖPNV, sondern vielmehr als Ergänzung – auf dem Weg zu einer nachhaltigen, individuellen urbanen Mobilität.

Warum überhaupt Carsharing?Aus welchen Gründen Städter aber überhaupt Carsharing nutzen und warum sie es immer mehr nutzen, ist bisher kaum untersucht. Entsprechende Umfragen und Studien sind Mangelware.

Eine aktuell von mir durchgeführte Studie soll diese Lücke jetzt schließen. Konkret gehe ich darin folgenden Fragen nach: Wie kommt Carsharing bei der anvisierten Zielgruppe an? Wird Carsharing mit Aspekten wie Nachhaltigkeit oder Umweltbewusstsein assoziiert? Und glaubt man, mit Carsharing einen Beitrag zum Schutz von Mutter Natur zu leisten?

Besonderes Augenmerk legt die Studie auf mögliche Stolpersteine in der Kommunikation von Carsharing-Angeboten. Ein Ziel der Untersuchung ist es deshalb auch festzustellen, wie für Carsharing geworben werden muss, um es noch attraktiver zu machen.

Mit welchen umweltentlastenden Faktoren dabei geworben werden könnte, ist jetzt schon bekannt:

Das eigene Auto zum Beispiel wird, wenn überhaupt, nur zwei bis drei Stunden am Tag gefahren. Anders beim Carsharing: die PKW stehen kaum ungenutzt herum. In Ballungsräumen sind so mehr Freiflächen zum Parken da, lange Fahrten um den Block auf der Suche nach einem freien Platz entfallen.

Da Carsharing Autos den Abgaswert von 140 g/km CO2 nicht überschreiten dürfen, spart das Modell jährlich außerdem mehrere tausend Tonnen CO2 ein: Im Jahr 2009 waren es weltweit rund 483.000 Tonnen.

Ersparnis von 2500 EuroHinzu kommen soziale Aspekte des Auto-Teilens. Ko-Konsum, die beliebte Abkürzung für kollaborativen Konsum, liegt im Trend: Nutzen statt besitzen heißt die Devise, die sich hauptsächlich beim Carsharing, aber auch in anderen Bereichen unserer Gesellschaft durchsetzt – sei es das Teilen der eigenen Couch (Couchsurfing) oder gar der ganzen Wohnung (AirBnB).

Ein Problem aber, das auch Carsharing nicht zu lösen scheint: Zwar sinkt die Zahl der zugelassenen Autos (2012 waren es knapp drei Millionen), doch die eigentliche Nutzungsrate, wie beispielweise durch Vermietungen von PKW, steigt massiv an. Die Menschen fahren also nicht unbedingt weniger Auto als früher.

Dennoch, Carsharing lohnt sich nicht nur im Hinblick auf eventuelle Umweltentlastung, sondern auch für den Geldbeutel. Aufwendungen für Kraftstoff und Versicherung sind meist schon im Mietpreis inbegriffen. Das lässt Carsharing auf den ersten Blick zwar teuer erscheinen - langfristig gesehen lohnt sich das Modell jedoch allemal - nicht nur für Gelegenheitsfahrer. Laut Bundesverband CarSharing können die Nutzer jährlich bis zu 2.500€ gegenüber einem eigenen PKW einsparen.

Ob die Nutzer nur wegen dieser Ersparnis oder auch aus ökologischen Grunden auf die Teil-Autos zugreifen, wird die Studie zeigen. Ich werde im Dezember über die Ergebnisse berichten.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%