Carsharing: So kommt man am billigsten durch die Stadt

Carsharing: So kommt man am billigsten durch die Stadt

von Benjamin Reuter

Wie umweltfreundlich die unterschiedlichen Carsharing-Angebote sind, darüber streiten Experten. Doch wenn es um den Preis geht, ist ein Konzept klar im Vorteil.

Sich ein Auto mit anderen zu teilen, ist vielleicht der größte Mobilitätstrend, den Städte in den vergangenen Jahrzehnten erlebt haben. Das zeigt auch eine Auswertung der Nutzerzahlen des Bundesverbands Carsharing (bcs) für das Jahr 2013. Die Anzahl der bei Carsharing-Angeboten in Deutschland angemeldeten Nutzer stieg innerhalb eines Jahres von 453.000 auf 757.000. Ein Zuwachs um rund 67 Prozent.

Davon entfallen rund 320.000 Nutzer auf stationsbasierte Angebote, bei denen man das Fahrzeug an einem festgelegten Ort holen und abstellen muss. 2012 waren es erst 270.000. Mit 437.000 Nutzern sind etwas mehr Menschen für stationsunabhängige Angebote registriert, wie sie vor allem die Ableger der großen Automobilunternehmen Daimler (Car2go) und BMW (DriveNow) anbieten. In diesem Fall kann das Auto überall im Stadtgebiet gemietet und wieder abgegeben werden. Hier waren es 2012 erst 219.000 Nutzer.

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Billiger als Taxi, teurer als Bus und BahnMeist wird der Trend zum Teilauto pauschal als umweltfreundlich und günstig und als positive Weiterentwicklung des urbanen Lebens dargestellt. Doch so einfach ist es nicht. Kürzlich kam eine Studie zu dem Ergebnis, dass vor allem die stationsunabhängigen Angebote den Verkehr in Städten eher verstärken, als ihn zu entlasten. Denn Städter, die vorher die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Fahrrad nutzten, stiegen vermehrt auf das Auto um. Vertreter von Car2Go kritisierten die Studie allerdings, weil sie von falschen Nutzungsdauern der Fahrzeuge ausginge.

Fakt ist: Daimler und BMW haben mit ihren Angeboten einen Nerv bei der Kundschaft getroffen, sonst würden die Nutzerzahlen nicht so stark steigen.

Neben der Umweltfreundlichkeit wird häufig auch das Kostenargument für das Carsharing vorgebracht. Und tatsächlich: Wer nur ab und an ein Auto braucht, kommt mit dem Teilen und Leihen billiger als mit dem Kauf eines Fahrzeugs (genau genommen rechnet sich ein eigener Wagen erst ab einer Jahrestrecke von rund 10.000 Kilometern).

Fakt ist aber auch, dass Städter zu Fuß, mit dem Rad oder Bus und Bahn günstiger unterwegs sind als mit den Teilautos – seien sie stationsabhängig oder -unabhängig. Wer aber unbedingt ein Auto oder ein Taxi für eine bestimmte Strecke nehmen möchte, steht vor der Frage: Was ist am günstigsten?

Stationsbasierte Angebote am günstigstenEine Antwort versucht eine aktuelle Untersuchung (hier als PDF) zu geben, die der Feriendienstleister Travel24.com in Auftrag gegeben hat. Für fünf unterschiedliche Strecken und Leihzeiten wurden die Angebote von zehn stationären Anbietern und drei stationsungebunden Anbietern vor allem in Berlin verglichen – allerdings nur auf Strecken von mehr als 30 Kilometern, die in der Stadt eigentlich kaum jemand zurücklegt und einer Mietdauer von zwei Stunden. Auch eine solch lange Mietdauer ist eher die Ausnahme beim Carsharing in der City.

Das Ergebnis: Die nicht stationsbasierten Angebote kosten für den zweistündigen 30 Kilometer Trip zwischen 27,60 Euro und 33,60 Euro. Die stationsbasierten Angebote kosteten nur zwischen neun und 18 Euro.

Ein Vergleich auf der typischeren Kurzstrecke in der Stadt fällt aber ähnlich eindeutig aus – auch im Vergleich mit dem Taxi. So werden zum Beispiel bei Drive Now oder Car2Go in Berlin – die nicht nach Kilometern, sondern nach Zeit abrechnen – für eine reine Fahrtzeit von 30 Minuten knapp zehn Euro fällig. Legt man in dieser Zeit eine Strecke von elf Kilometern zurück, hätte ein Taxi rund 21 Euro gekostet. Eine Fahrt von 13 Minuten schlägt bei Drive Now oder Car2Go mit rund vier Euro zu Buche. Wer in dieser Zeit vier Kilometer schafft, zahlt mit dem Taxi rund zehn Euro.

Komfort kostetDas Taxi ist also meist teurer als der Teilwagen. Wer allerdings einen stationsbasierten Anbieter in seiner Nähe hat, fährt noch günstiger. Bei vier Kilometern Weg sind es zum Beispiel bei Cambio in Berlin rund drei Euro Kosten, hier wird per Stunde und Kilometer abgerechnet. Für eine Strecke von elf Kilometern und einer halben Stunde Fahrtzeit werden knapp fünf Euro fällig.

Allerdings kommen bei allen Angeboten noch Jahresgebühren hinzu und die Preise schwanken je nach Tageszeit und Nutzungsdauer. Dennoch lässt sich sagen: Wer unbedingt in der Stadt ein Auto nehmen will, der ist mit dem Taxi am teuersten unterwegs. Am billigsten geht es mit den stationsgebunden Angeboten.

Allerdings: Je teurer, desto bequemer. Das Taxi holt den Kunden direkt vor der Tür ab und bringt einen zum Zielort. Zum Carsharing-Auto muss man mitunter eine bestimmte Strecke laufen.

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