Chile: Riesiger Salzwasser-Pumpspeicher soll Strompreis drücken

Chile: Riesiger Salzwasser-Pumpspeicher soll Strompreis drücken

von Wolfgang Kempkens

Ein großer Pumpspeicher soll teure Gasimporte überflüssig machen - dazu greift Chile nun auf Meerwasser zurück.

Chiles Regierung will den Anteil an Wind- und Solarstrom bis 2025 auf ein Fünftel steigern. Derzeit kommen nur sechs Prozent des Strommixes von Wind und Sonne. Gleichzeitig benötigt das Land aber zusätzliche Kapazitäten, weil der Stromverbrauch steigt und die Energiepreise Rekordniveaus erreichen.

Um zeitweise überschüssigen Solar- und Windstrom zu anderen Zeiten nutzen zu können, wagt das Land ein großes, weltweit einmaliges Projekt. In einem hoch gelegenen Gebiet der Wüste Atacama, die gleichzeitig prädestiniert ist für die Erzeugung von Solarenergie, baut das Land zwei miteinander verbundene Speicherbecken mit einem Fassungsvermögen von 55 Millionen Kubikmetern. Dabei nutzt es natürliche Senken, sodass die Eingriffe in die Natur überschaubar bleiben.

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Gefüllt wird der Pumpspeicher mit Wasser aus dem nahe gelegenen Pazifik. Das passiert in Zeiten, in denen mehr Strom produziert als verbraucht wird. Bei Strommangel schießt das Wasser durch Druckleitungen zurück ins Meer. Dabei treibt es Turbogeneratoren an, die Strom erzeugen. Der chilenische Projektierer Valhalla will im kommenden Jahr mit dem Bau beginnen.

Das Pumpspeicher-Kraftwerk mit Namen Espejo de Tarapacá entsteht rund 100 Kilometer südlich der Ortschaft Iquique im Norden des Landes. Die Speicherseen werden in einer Höhe von 600 Metern über dem Meer angelegt. Druckleitung und Maschinenhaus integriert Valhalla in die steil zum Meer abfallende Klippe. Eine besondere Herausforderung ist der Schutz der Anlagen gegen Korrosion durch das Salzwasser. Üblicherweise nutzt man in Pumpspeicherkraftwerken Süßwasser, das weit weniger aggressiv ist.

Und so sieht das Konzept des Pumpspeichers aus:

Proyecto Espejo de Tarapacá - Ingeniería de Obras from Valhalla on Vimeo.

Die Kosten für die Anlage liegen bei 400 Millionen US-Dollar. Sie soll, so das Unternehmen, mit dafür sorgen, dass Strom in Chile billiger wird. Derzeit ist das Land vor allem von Gaskraftwerken abhängig. Da es selbst keine Vorkommen hat, muss es Erdgas zu hohen Preisen aus Argentinien importieren.

Die Strompreise könnten mit dem Ausbau der solaren Stromversorgung in Kombination mit dem Pumpspeicher Espejo de Tarapacá tatsächlich sinken, weil Fotovoltaikanlagen Strom selbst in ungünstigen Lagen bereits ähnlich günstig produzieren wie fossile Kraftwerke. In der Atacama-Wüste sind die Kosten noch geringer, weil die Sonne dort nahezu unterbrechungsfrei scheint, dazu noch mit hoher Intensität.

Das kommt auch einem weiteren Projekt zugute, das in der Atacama vorbereitet wird: Der Bau einer Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von 100 Megawatt und einem Turmkraftwerk mit einer Leistung von110 Megawatt. Das Projekt könnte allerdings noch scheitern, denn das spanische Unternehmen Abengoa, das als Projektierer auftritt, steckt in massiven finanziellen Schwierigkeiten.

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