Citigroup: Erneuerbare ab 2020 konkurrenzfähig zu Kohle und Gas

Citigroup: Erneuerbare ab 2020 konkurrenzfähig zu Kohle und Gas

von Benjamin Reuter

Analysten der Citigroup-Bank zeigen in einem Report, wie günstig Erneuerbare schon bald sein könnten.

Dass Gaskraftwerke bei der Energiewende eine zentrale Rolle spielen, ist durchaus bekannt. Der Schluss, den die Analysten der Citigroup-Bank in einer Studie ziehen, wird viele dennoch überraschen: Die Umstellung der Stromversorgung ist ohne einen drastischen Ausbau der Versorgung durch Gaskraftwerke nicht zu haben. Zwar erschien die Studie schon Ende vergangenen Jahres, aber ihre Ergebnisse sind in der aktuellen Diskussion um die Energiewende in vielerlei Hinsicht bemerkenswert.

Denn Citigroup geht zudem davon aus, dass Erneuerbare wie Wind und Sonne in „sehr naher Zukunft“ mit den Kosten von fossilen Energieträgern gleichziehen werden.

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Genauer: Schon 2020, so zeigen die Modelle der Analysten, könnten Solarmodule nur noch ein Viertel der heutigen Kosten verursachen. Spätestens dann werden sie in beinahe allen Ländern günstiger sein, als Strom aus der Steckdose (Ausnahmen: China, Indien, Saudi Arabien). In Ländern mit hohen Strompreisen wie Deutschland sind sie es heute schon. Die meisten Analysen der Preisentwicklung für Solarmodule gehen nur von einer Halbierung der Preise bis 2020 aus; die Citigroup Experten rechnen allerdings mit einem starken technologischen Fortschritt.

Windstrom dagegen muss mit den Börsenstrompreisen konkurrieren – aber auch das schafft die Windenergie in den meisten Ländern bis 2020 (Ausnahmen: USA, Australien, Russland). Die Kosten für eine Kilowattstunde Windstrom werden dann im Durchschnitt bei unter sechs Cent liegen.

Ähnlich wie eine Studie der Deutschen Bank vor einigen Wochen kommt auch die Citigroup zu dem Schluss: „Die Analyse macht klar, dass das Vorurteil gegenüber Erneuerbaren als ineffizient und subventionsbedürftig schon bald nicht mehr gilt.“

Wegen der sinkenden Kosten für die Erneuerbaren sagen die Analysten einen wahren Ausbauboom voraus – der ist aber nicht ohne einen gleichzeitigen Ausbau bei der Gasversorgung zu haben.

Gaskraftwerke müssen Lücken füllenDie Logik dahinter: Nur Gaskraftwerke sind in der Lage, die fluktuierende Einspeisung von Wind und Sonne auszugleichen, denn sie lassen sich im Vergleich zu Kohle- und Atomkraftwerken schnell hoch- und runterfahren. Stromspeicher werden in naher Zukunft noch nicht günstig genug sein, um diese Aufgabe zu erfüllen. Oder sie sind wie große Wasserspeicherkraftwerke topographisch unmöglich.

Wie groß der Bedarf an Gas vor allem in der Übergangszeit hin zu einer vollständig erneuerbaren Stromversorgung ist, zeigen verschiedene Charts für Deutschland, die die Citigroup anhand von Daten für das Jahr 2012 der Leipziger Strombörse EEX erstellt hat.

Was man darin sieht: Derzeit passen die Erneuerbaren sich ziemlich perfekt dem Verbrauch der Menschen (sieh Grafik oben) in den verschiedenen Jahreszeiten an. Im Sommer deckt viel Solarenergie die hohe Nachfrage Mittags, im Winter fällt sowohl die Nachfrage als auch die Sonne aus (siehe Grafik unten).

In der folgenden Grafik sieht man außerdem sehr gut, dass vor allem die Solarenergie gerade in einer starken Wachstumsphase die Kohle- und Atomkraft im Sommer aus dem Netz drängt, ohne deren Leistung im Winter ersetzen zu können. Citigroup hat hier ein Szenario mit 50 Prozent Erneuerbaren modelliert, also einem Wert, der schon 2020 erreicht sein könnte. Die sogenannte „Peak-Leistung“ müsste sich in diesem Fall nach den Citigroup Berechnungen versechsfachen.

Die Folge: Zwar könnte Kohle im Winter immer noch die Grundlast liefern, aber sobald die Jahreszeit sonniger wird, müssen Gaskraftwerke ran. Die Menge des Stroms, die sie produzieren müssen, ist dabei gewaltig. Erst auf lange Sicht, bei einer Großen Menge von Erneuerbaren, kann der Ausgleich durch Speicher, Smart Grids oder ein kontinentales Stromnetz geleistet werden, schreiben die Analysten.

Die Ergebnisse der Citigroup-Studie sind deshalb zweischneidig: Zwar wird in einer Übergangsphase mit viel Erneuerbaren und Gaskraftwerken der Ausstoß von Klimagasen drastisch sinken. Aber da Gas derzeit teuer als Kohle ist, könnten die Strompreise weiter klettern. Erst auf lange Sicht, mit günstigen Preisen für Speicher oder Smart Grids, sinken die Gesamtkosten.

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