CO2-Ausstoß steigt: Die traurige Klimabilanz der Energiewende

CO2-Ausstoß steigt: Die traurige Klimabilanz der Energiewende

von Benjamin Reuter

Deutschlands CO2-Ausstoß ist das zweite Jahr in Folge gestiegen. Vor allem die Klimabilanz der Energiewende ernüchtert.

Nun ist es amtlich, was viele Experten schon in den vergangenen Wochen vermutet haben: Deutschlands Treibhausgasemissionen sind das zweite Jahr in Folge gestiegen. Kraftwerke, Autos und Industrieprozesse stießen 2013 rund 951 Millionen Tonnen an klimaschädlichen Treibhausgasen wie CO2 in die Atmosphäre, fast 12 Millionen Tonnen mehr als 2012.

Der Grund, laut den Experten des Umweltbundesamtes, die die Werte berechnet haben: Bei der Stromerzeugung wurde mehr Steinkohle verbrannt und witterungsbedingt kam mehr Öl und Gas beim Beheizen von Häusern und Wohnungen zum Einsatz.

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Diese Zahlen werfen ein Schlaglicht auf einen Fakt, der in der Diskussion um die Energiewende bisher noch viel zu selten eine Rolle spielt (vor allem die Kosten sind derzeit Gegenstand der Diskussion): Nämlich, dass der massive Ausbau von Wind-, Solar- und Biogasanlagen in Deutschland bisher kaum etwas zum Klimaschutz beigetragen hat. Die Klimabilanz der Energiewende ist ernüchternd.

Das verdeutlichen Zahlen des Umweltbundesamtes aus dem vergangenen Jahr (Studie als PDF hier), die den CO2-Ausstoß der Stromerzeugung zeigen.

Wurden im Jahr 2000 noch 319 Millionen Tonnen CO2 bei der Stromerzeugung ausgestoßen, so waren es 2012 317 Millionen Tonnen. Dabei hat sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix in dieser Zeit von knapp 7 auf 25 Prozent erhöht.

Allerdings ist der Stromverbrauch in dieser Zeit auch gestiegen. Aber selbst wenn man diesen Faktor einberechnet, ist eine Kilowattstunde Strom aus der Steckdose in Deutschland heute nur unwesentlich sauberer (je nach Berechnung zwischen drei und acht Prozent) als vor 14 Jahren.

Das Ziel, mit der Energiewende das Klima zu schützen, ist also bisher nicht aufgegangen. Die Erklärung dafür ist einfach: Bisher hat der Ökostrom vor allem Strom aus Atomkraftwerken ersetzt. Deren Stromproduktion sank zwischen 2000 und 2013 von rund 170 Milliarden Kilowattstunden auf 97 Milliarden kWh.

Die Erneuerbaren Energien lieferten im Jahr 2013 147 Terawattstunden, im Jahr 2000 waren es 32,6 Terawattstunden. Der Anteil von Kohle und Erdgas am Strommix blieb in dieser Zeit nahezu konstant, wie folgendes Schaubild zeigt:

Das weist auf das eigentliche Problem hin: Während die Politik den Ausbau der Erneuerbaren fördert, unternimmt sie nichts, um den Anteil der besonders schmutzigen Kohlekraft am Energiemix zu senken. Die Befürworter der Energiewende ficht das nicht an. Ihr Argument: Früher oder später wird auch der Anteil der Kohlekraft sinken, wenn die Erneuerbaren nur stark genug wachsen.

Das wird aber kaum passieren, bevor nicht alle Kernkraftwerke im Jahr 2022 vom Netz sind. Bis dahin also wird die Klimabilanz der Energiewende wenig vorzeigbar bleiben.

Das ist vor allem aus zwei Gründen problematisch: Gegner der Energiewende - auch im Ausland - können darauf verweisen, dass die vielen hundertausend Wind- und Solaranlagen zwischen Kiel und München dem Klimaschutz überhaupt nichts bringen.

Und: Da der Klimawandel drängt, müsste Deutschlands Treibhausgasbilanz schon vor 2020 signifikant sinken - auch in der Stromversorgung. Eine Energiewende ist ohne ernsthafte Maßnahmen zum Klimaschutz kaum etwas wert.

Nachtrag: Hier noch eine interessante Grafik mit der Entwicklung der einzelnen Energieformen in Deutschland aus einem aktuellen Report des Öko-Institutes zur CO2-Bilanz der Kohlekraft (hier als PDF):

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