Design: An diesem Elektro-Moped haben 36.300 Menschen mitgearbeitet

Design: An diesem Elektro-Moped haben 36.300 Menschen mitgearbeitet

von Tobias Finger

Wir alle sind Designer: Das US-Startup Local Motors hat im Internet ein marktreifes Elektro-Moped entwickelt.

Das eigene Moped in Handarbeit zusammenschrauben, das klingt wie der Traum eines jeden Bastlers. Und dank des Startups Local Motors (LM) aus dem US-Bundesstaat Arizona können sich begeisterte Tüftler diesen Traum bald erfüllen. Nach dem Offroad-Sportler Rally Fighter soll das „Ariel Cruiser“ genannte Zweirad (siehe Aufmacherbild) das nächste Fahrzeug der kleinen Firma sein, das Marktreife und Serienproduktion erreicht. Es ist ein ästhetisch anmutendes Mofa im Retrolook - und das kommt offensichtlich gut an.

Local Motors wurde 2007 gegründet und während die meisten Unternehmen dieser Kategorie ziemlich eindeutig als Kleinunternehmen eingeordnet werden können, unterliegen die Angaben zur Firmengröße bei LM interpretationsbedingten Schwankungen. Den 59 angestellten Mitarbeitern gehen nach Angaben des Unternehmens nämlich 36.300 Communitymitglieder zur Hand. Diese sind die Quintessenz im Konzept des Unternehmens mit Hauptsitz in Phoenix.

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Gemeinsam arbeitet man im Netz an einer Vielzahl von Projekten, die aus den Vorschlägen der Crowd zusammengesetzt werden. Die Bandbreite reicht dabei von Zweirädern wie dem Ariel Cruiser über Geländewagen wie dem Rally Fighter bis hin zu fliegenden Fortbewegungsmitteln.

Den Ideen der Crowd sind keine Grenzen gesetzt, sowohl quali- als auch quantitativ. Jeder Entwicklungsschritt der einzelnen Vorhaben wird separat ausgeschrieben und von den unzähligen Designern und Ingenieuren ausgearbeitet, die mithelfen, die Projekte zu entwickeln.

Die ganze Welt designt mitLaut LM-CEO Jay Rogers finden sich immerhin noch 20 Prozent aller Einreichungen aus dem kreativen Kollektiv im Endprodukt wieder, ganze 40 Prozent werden in abgeänderter Form übernommen. Zusammen ergeben sie das komplette Konzept. Auch beim Ariel Cruiser wird das wieder der Fall sein.

Konkret läuft das so ab: Die Idee zum Cruiser wird auf die LM-Plattform hochgeladen. Dort kann sie von allen anderen interessierten Entwicklern eingesehen werden, woraufhin diese potenzielle Designs ausarbeiten und ebenfalls uploaden. Anschließend werden Vorschläge für weitere Teile des Mopeds eingereicht, über deren Umsetzung und die praktische Verwendbarkeit dann die Beteiligten entscheidet – so lange, bis ein komplettes Konzept steht, das auch in Serie produziert werden kann.

Den Cruiser wird es in zwei Varianten geben: In der Benzin getriebenen Version wird ein 50 Kubikzentimeter Hondamotor verbaut. Mit ihm und dem etwa 2,3 Liter fassenden Tank soll das Moped eine Höchstgeschwindigkeit von über 50 Kilometern pro Stunde und eine theoretische Reichweite von circa 112 Kilometern erreichen. Mit umweltschonendem Elektroantrieb sind es immer noch 43 km/h Spitze und 32 Kilometer Reichweite.

Der Co-Creation getaufte Entwicklungsprozess ist aber nicht das einzig Neue: Denn die endgültige Fertigung der Fahrzeuge durch Käufer und Fachkräfte erfolgt auf Wunsch in einer sogenannten Microfactory.

Teile aus dem DruckerDas sind von Local Motors betriebene Werkstätten, die mit den Einzelteilen beliefert werden oder sie im 3D-Druck selbst erzeugen und in denen der zukünftige Besitzer mit professioneller Hilfe sein eigenes Moped zusammensetzt und -schraubt. Hier kommt das „Local“ aus dem Firmennamen zum Tragen.

Einziges Problem: Bisher sind nur zwei dieser Microfactories eröffnet, eine in Las Vegas und die andere in Chandler, Arizona. Firmenchef Jay Rogers ist dennoch überzeugt, dass man „eine spezielle Verbindung“ zu einem Auto hat, in dem die eigene Handarbeit steckt.

Lange warten müssen die Financiers des Zweirad-Cruisers nicht mehr. Die 50.000 US-Dollar, die als Crowdfunding-Ziel ausgegeben waren, sind schon seit Längerem erreicht und fließen in die nötige Infrastruktur und Fertigung der Einzelteile. Im April 2014 sollen die ersten 13 Fahrzeuge schraub- und fahrbereit sein. Wer investiert hat, wie bei Crowdfunding-Projekten üblich, Vorrecht beim Kauf. Aber auch Nicht-Investoren können das Fahrzeug erwerben, wenn die Serienfertigung der Teile läuft.

Interessierte können über die Website des Unternehmens (localmotors.com) Studien und Zeichnungen des neuen Projekts aufrufen. Diese tragen nämlich ganz im Sinne der Crowd lediglich eine Creative Commons Lizenz.

Hier noch ein Video über Entstehung des Zweirades:



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