Digitale Schlösser: Machen sie Fahrräder endlich diebstahlsicher?

Digitale Schlösser: Machen sie Fahrräder endlich diebstahlsicher?

von Felix Ehrenfried

Zwei Studenten aus Oxford haben ein angeblich diebstahlsicheres digitales Fahrrad-Schloss entwickelt.

Früher war ein sportliches Auto Statussymbol, heute treten andere Objekte an diese Stelle. So wird vor allem in Städten und bei jungen Menschen das Fahrrad immer beliebter. In Europa werden sogar schon mehr Fahrräder verkauft als Autos. Und: Das Zweirad wird zunehmend zum Kultobjekt. Dementsprechend schick sind viele Fahrräder, die man heute in europäischen Fahrradmetropolen wie Kopenhagen und Amsterdam sieht.

Der Trend zum Drahtesel bringt viele Vorteile mit sich: Keine Parkplatzssuche, außerdem sind sie günstig im Betrieb und gut für die Gesundheit. Allerdings haben Fahrräder einen großen Nachteil: Sie lassen sich relativ leicht klauen. Wer nicht gerade ein kiloschweres Bügelschloss mit sich herum schleppt macht es Fahrraddieben leicht.

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Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die zunehmende Popularität des Velos auch immer mehr Unternehmen auf den Plan ruft, die mit ihren Konzepten das Fahrrad sicherer gegen Diebstahl machen wollen. So arbeiten MIT-Studenten derzeit an unstehlbaren Fahrradlichtern und das Berliner Start-Up Clyc entwickelt ein digitales Fahrradschloss.

Die Idee eines intelligenten Fahrradschlosses hatten vor rund einem Jahr auch die beiden Oxford-Absolventen Franz Salzmann und Daniel Zajarias-Fainsod.  Beide sind passionierte Radfahrer. Allerdings fielen ihre Fortbewegungsmittel schon öfter Dieben zum Opfer. Das müsste sich mit moderner Technik doch verbessern lassen, dachten sich die beiden und gründeten ein Startup. Jetzt ist das Unternehmen Lock8 mit seinem ersten Prototypen eines digitalen Fahrradschlosses an die Öffentlichkeit getreten und sucht per Crowdfunding nach Investoren für die Produktion.

Alarm bei verdächtigen BewegungenDamit sind Salzmann und Zajarias-Fainsod einen bedeutenden Schritt weiter als das Konkurrenzunternehmen Clyc. Dieses konnte bisher nur ein Konzept präsentieren, von einem funktionsfähigen Schloss wie bei Lock8 ist man anscheinend noch weit entfernt.

Das Schloss von Lock8 ist ein kleiner Kasten, der zwischen den beiden Streben der hinteren Radaufhängung angebracht wird. Im Inneren befinden sich Sensoren, ein GPS-Modul und die Steuerungseinheit. Via Internet verknüpft man sein Lock8 mit der passenden App auf dem eigenen Smartphone. Daneben ist ein dickes Metallseil Bestandteil des Sets. Mit diesem schließt der Besitzer das Fahrrad wie mit einem herkömmlichen Schloss ab.

Der Clou liegt allerdings in dem kleinen Steuerungskasten. Der registriert jegliche Bewegung am abgeschlossenen Fahrrad. Wenn ein Dieb versucht, das Schloss mit Gewalt zu öffnen, ertönt ein lauter Signalton, außerdem wird der Besitzer per Nachricht aufs Handy informiert. Doch auch ausgefeiltere Methoden, wie die Öffnung des Seils durch Schockfrosten, erkennen eingebaute Sensoren und schlagen automatisch Alarm.

Sensoren erkennen jeglichen DiebstahlversuchDer Fahrer muss sein Velo nicht einmal händisch abschließen. Entfernt er sich aus dem Umkreis des Fahrrads, wird das vom Lock8 erkannt und es stellt sich automatisch scharf. Wer dann versucht das Fahrrad wegzutragen, ohne das Schloss vorher per App zu deaktivieren, wird ebenfalls per Alarm am Diebstahl gehindert.

Wenn trotz aller Sicherheitstechnik das Fahrrad dann doch einmal wegkommen sollte, zeigt der eingebaute GPS-Sensor die aktuelle Position an. Diese lässt sich dann sogar automatisch im Internet teilen, um Bekannte an der Suche nach dem gestohlenen Gefährt zu beteiligen.

Neben der Schutzfunktion soll das Lock8 auch das Ausleihen von Fahrrädern erleichtern. Per App soll man so beispielsweise das Schloss für Freunde freischalten können, ohne dass der Besitzer selber vor Ort ist. Bikesharing 2.0. sozusagen.

Damit das smarte Schloss immer genug Saft zum Ab-und Entsperren hat, lädt es sich beim Fahren auf. Alternativ sorgt eine USB-Buchse für frischen Strom. Und auch für den Fall, dass das Smartphone zum Entsperren zuhause vergessen wurde, haben die Entwickler vorgesorgt. Ein klassischer Schlüssel entsperrt dann das Schloss.

Jetzt suchen die beiden Entwickler mit einer Kickstarter-Kampagne nach Investoren. Bis Anfang Dezember hoffen sie so auf 50 000 US-Dollar (ungefähr 36 000 Euro) an Kapital:

Ausliefern wollen die Entwickler die ersten Lock8 zur "Fahrradsaison 2014", also voraussichtlich ab Mai 2014. Die genauen Kosten sind dabei noch nicht bekannt. Die ersten Unterstützer bei Kickstarter erhalten das Schloss nebst Kabeln und Software für rund 200 US-Dollar (rund 145 Euro), der reguläre Preis dürfte dann um einige Euro höher liegen. Daneben soll der Service, das Bike bei einem Diebstahl per GPS zu tracken, eine monatliche Gebühr kosten, die zwischen ein und zwei Euro liegen soll.

Das Konzept von Lock8 ist spannend, da es viele Möglichkeiten, die eine Verknüpfung zwischen Smartphone und Fahrrad mit sich bringt, ausnutzt. Allerdings muss es sich erst einmal im Alltag beweisen, in dem Diebe auf immer ausgeklügeltere Ideen kommen, das Fahrrad zu stellen. So könnten digitale Schlösser statt mit einem Bolzenschneider in Zukunft per Computer gehackt und damit geknackt werden.

Hier noch ein Video über Lock8:

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