Digitalisierte Stromnetze: Strom aus der Nachbarschaft wird zum Erfolgsmodell

Digitalisierte Stromnetze: Strom aus der Nachbarschaft wird zum Erfolgsmodell

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Strom aus der Nachbarschaft - für viele Regionen einen Zukunftsmodell.

von Angela Schmid

Stromprojekte, bei denen Solaranlagen, Batterien und Auto-Ladestationen vor Ort verbunden werden, sind im Trend. Nun wollen auch große Versorger wie EnBW mitmischen.

Der Megatrend Digitalisierung mischt den Energiesektor auf. Immer neue Start-ups drängen mit immer neuen Geschäftsmodellen auf den Markt, bei denen es mehr um Daten als um Technik geht. Auch der Karlsruher Energieversorger EnBW ist längst auf den Zug aufgesprungen - denn mit dem Stromverkauf alleine kann längst nicht mehr genug Geld verdient werden.

Anstatt alles neu zu erfinden, gründete EnBW die New Venture-Gesellschaft, die sich als Katalysator für die Umsetzung von Innovationen versteht. Ausgestattet mit einem Investitionsbudget von bis zu100 Millionen Euro Wagniskapital für die kommenden fünf Jahre macht sich die Gesellschaft auf die Suche nach Start-ups. Einer der ersten digitalen Jungunternehmen, die von einer EnBW-Finanzspritze profitieren, ist Lumenaza.

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Das Berliner Start-up entwickelte eine Software-Plattform, die verschiedene Energiemarktteilnehmer wie Versorger, Produzenten, Verbraucher, Batterie- und Elektromobilbesitzer über einen digitalen Marktplatz miteinander verbindet. Damit soll der regenerativ erzeugte Strom vor Ort verbraucht werden. "Die Menschen erhalten dadurch Transparenz, das Geld bleibt vor Ort", erklärt Dr. Christian Chudoba, Co-Gründer und Geschäftsführer von Lumenaza. Dies sei ein wichtiger Trend.

Vor-Ort-Vermarktung wird zum Trend

Drei Jahre haben die Gründer Chudoba und Bernhard Böhmer an der Software gearbeitet, die je nach Bedarf steuert, wie viel Strom aus der Region ins Stromnetz eingespeist wird und wie viel in Wärmespeicher wandert, aus denen die Energie bei Bedarf wieder ins Netz gespeist wird. Mit ihrem Know-how überzeugten sie auch die Energieversorger, die die Idee vor Ort vermarkten. Stadtwerke oder Energiegenossenschaften kennen Verbraucher und Erzeuger und genießen das Vertrauen.

Christian Chudoba, Co-Gründer und Geschäftsführer von Lumenaza. (Quelle: Lumenaza)

Christian Chudoba, Co-Gründer und Geschäftsführer von Lumenaza. (Quelle: Lumenaza)

Beispielsweise beim Projekt Fichtelgebirgsstrom, bei dem örtliche Versorger die Anlagen zu einem virtuellen Kraftwerk gebündelt haben und den Ökostrom aus der Region vor Ort verkaufen. Einzige Voraussetzung ist ein Smart Meter beim Erzeuger und die Möglichkeit der Steuerung. Lumenaza bleibt im Hintergrund, betreut die Cloud, über die die Software läuft, und übernimmt die Abwicklung.

"Wir ermöglichen unseren Kunden, den Strom günstiger als vom Grundversorger zu beziehen", verspricht Chudoba. Dies würde an der ausgeklügelten Software liegen, die die Abläufe stark automatisiere. "Das findet man nirgends in der Energiewirtschaft", erklärt der Geschäftsführer. Abgeschlossen ist die Entwicklung nicht - Speicher kommen in den Markt, Elektroautos werden angebunden und damit neue Schnittstellen, die eingebunden werden müssen. Chudoba: "Der Strommarkt ist im Umbruch."

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Schöne neue Energiewelt? So stellt sich Lumenaza den Handel der Zukunft vor. (Quelle: Lumenaza)

Start-ups brauchen Glaubwürdigkeit

Das Geschäft ist mühsam, da die Energiewirtschaft eher konservativ ist. Auch die Unsicherheit, ob das Unternehmen am Markt besteht, war anfangs groß. Inzwischen konnten Chudoba und Böhmer sechs Energieversorger überzeugen, mit weiteren 40 laufen Gespräche. Rund 100 Megawatt (MW) an Stromerzeugungskapazität stehen bisher über die Plattform bereit – von der fünf Kilowatt-Peak-Solaranlage über die 3,5 MW Windenergieanlage bis hin zur fünf MW Biogasanlage. Der Verbraucher zahlt einen festen Preis, der Erzeuger erhält eine monatlich am Börsenpreis orientierte Vergütung, der über der EEG- Einspeisevergütung liegt.

Der Einstieg von EnBW ermöglicht Lumenaza zu wachsen. Für den Geschäftsführer ist die Beteiligung des Konzerns auch ein Beweis dafür, das Lumenaza über die notwendige Glaubwürdigkeit verfügt. "Aktuell kommen 100 Endkunden pro Woche hinzu. Bis Ende des Jahres sollen es 5000 Verbraucher sein", so das Ziel des Geschäftsführers.

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