Drohnen statt Postboten: Scheichs könnten Amazon zuvorkommen

Drohnen statt Postboten: Scheichs könnten Amazon zuvorkommen

von Tobias Finger

2015 will Amazon Pakete per Drohne verschicken. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen es eher schaffen.

Als Jeff Bezos, Geschäftsführer des Online-Versandhauses Amazon, im Dezember ankündigte, ab 2015 autonome Drohnen zur Paketlieferung einzusetzen, schlug das große Wellen. Prime Air soll der Dienst heißen, und die Bestellungen binnen 30 Minuten zum Kunden bringen. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen dem Internetriesen nun zuvorkommen.

Alles was dem Start des neuen Angebots angeblich noch im Weg steht, ist der enorme bürokratische Zulassungsaufwand. Was für den größten Versandhändler der Welt eine unvermeidbare Hürde ist, spielt in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) eine eher kleinere Rolle. Denn hier ist es die Regierung, die Lieferdrohnen legalisieren möchte. Und die kann Gesetze nach ihren Wünschen umschreiben. Demnach könnten schon in diesem Jahr Regierungsdokumente, wie Führerscheine oder Personalausweise, von den kleinen Luftboten ausgeliefert werden.

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Wenn sich die neue Methode bewährt, sollen größere Lieferungen von Quadrocopterdrohnen (siehe Titelbild) transportiert werden. Auch - und insbesondere - kommerzielle Pakete würden dann in Rekordzeit direkt vor der Tür von Kunden landen.

Drohnen lösen viele ProblemeNützen könnte die geplante Innovation den ölreichen Emiraten auf verschiedene Arten: Zum einen würde die enorme Verkehrsbelastung in den wenigen großen Metropolen wie Abu Dhabi und Dubai deutlich reduziert werden. Vielleicht könnten auch die Pläne, ärmeren Einwohnern das Autofahren zu verbieten, gekippt werden. Zum anderen bietet sich dem Wüstenstaat die Chance, sich in die technologische Weltelite zu katapultieren. Bisher macht man dort eher dank der riesigen Ölvorkommen und der Fluggesellschaft Emirates Schlagzeilen.

Eine erste Testphase für die geflügelten Boten soll in Kürze in Dubai anlaufen und ist zunächst auf sechs Monate angelegt. In dieser Zeit sollen die letzten wichtigen Fragen geklärt und Probleme gelöst werden. Speziell in den Bereichen Sicherheit und Einsatzgebiete gibt es noch offene Fragen. Möglich sind der Einsatz von Retinascannern oder Fingerabdruckerkennung zur Absicherung der Lieferungen. Oder beides in Kombination.

Zur Ermittlung der optimalen Nutzung bedienen sich die Emirate sowohl privater Innovationskraft als auch des eigenen Finanzreichtums: Eine Million US-Dollar wurden für die innovativsten und effizientesten Ideen zur Drohnennutzung im öffentliche Dienst ausgeschrieben.

Die Pläne der Emirate zeigen auch, dass Amazons „Prime Air“ Vorhaben keinesfalls komplett abwegig ist, wie es Ebay-Chef John Donahoe in einem Bloomberg-Interview darstellen wollte. Dass die Wüstendrohnen allerdings früher abheben werden, als die Flieger von Amazon, ist hingegen wahrscheinlich. Nicht nur der verminderte bürokratische Aufwand, auch die Struktur des Staates, die einem Unternehmen sehr ähnlich ist, trägt dazu bei.

Heimvorteil für die EmirateBürger können, im Gegensatz zu Kunden, nicht zur Konkurrenz wechseln, falls die neue Technologie fehleranfällig ist. Außerdem starten die Emirate mit kleinen, leichten Lieferungen und können ihr System Stück für Stück verbessern - und für größere Pakete anpassen. Der Internetriese muss von Anfang an Pakete aller Größen- und Gewichtsklassen mit seinen motorisierten Flugboten verschicken. Dass dabei vor allem zu Beginn einiges schief geht, ist nicht ausgeschlossen.

Das größte Versandhaus der Welt sprich- und wortwörtlich zu überflügeln, dürfte die Verantwortlichen auf der arabischen Halbinsel zusätzlich anspornen, noch in diesem Jahr mit eigenen Drohnen abzuheben.

Hier noch ein Video, das zeigt wie sich Amazon den Dienst vorstellt:

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