Düsseldorf: Wie die Stadt Erdgaskraftwerke fit für die Zukunft machen will

Düsseldorf: Wie die Stadt Erdgaskraftwerke fit für die Zukunft machen will

von Wolfgang Kempkens

Erdgaskraftwerke lohnen sich kaum noch. Die Stadtwerke Düsseldorf wollen nun das Gegenteil beweisen.

Während der Düsseldorfer Stromversorger E.On den nur vier Jahre alten Block fünf des Erdgas-Kraftwerks Irsching in Bayern zum 1. April nächsten Jahres stilllegen will, entsteht in Düsseldorf gleichzeitig eine Blaupause, wie sich Erdgaskraftwerke künftig vielleicht doch wirtschaftlich betreiben lassen.

Dafür bauen die Stadtwerke Düsseldorf das wohl effizienteste Kraftwerk der Welt mit einem Wirkungsgrad von mehr als 61 Prozent. Damit wird es den bisherigen Weltrekordhalter, Block vier des pleitebedrohten Kraftwerks in Irsching, ablösen, der auf 60,4 Prozent kommt.

Anzeige

85 Prozent der Energie genutztNoch wichtiger aber als der Effizienzrekord ist: Das neue Kraftwerk könnte tatsächlich wirtschaftlich arbeiten. Derzeit sind viele Gaskraftwerke im Land die meiste Zeit arbeitslos und viel zu selten im Einsatz für einen rentablen Betrieb. Außerdem stehen die Gaskraftwerke in Konkurrenz zur Kohlekraft, die für die Hälfte der Kosten Strom liefert. Dennoch: Für die Energiewende werden die Gaskraftwerke als Backup dringend gebraucht.

Da das Kraftwerk in Düsseldorf (es steht in der Stadt und nicht auf dem Land wie Irsching) nicht nur Strom, sondern auch Wärme liefert, könnte es tatsächlich auch wirtschaftlich arbeiten (hier eine genaue Analyse der Erlöse von Gaskraftwerken mit Wärmeproduktion).

Der neue Block wird die Fernwärmeversorgung der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt verbessern und umweltverträglicher gestalten. 300 Megawatt Wärme werden bei Spitzenbedarf ausgekoppelt und ins Fernwärmenetz eingespeist. Das lässt den Gesamtnutzungsgrad auf 85 Prozent steigen. Gerade mal 15 Prozent des Energieinhalts des Brennstoffs Erdgas gehen also verloren.

Weil die Kraft-Wärme-Kopplung so effizient ist, erhalten die Stadtwerke vom Bund eine Förderung für jede produzierte Kilowattstunde (KWK-Umlage).

Außerdem benötigt das Kraftwerk keine Kühltürme, weil Wasser aus dem Rhein kostengünstig genutzt wird. Düsseldorf könnte also einen Weg aufzeigen, wie sich Gaskraftwerke künftig wirtschaftlich betreiben lassen.

Das Kraftwerk ist auch technisch für die Energiewende optimal gerüstet: Innerhalb von 40 Minuten lässt sich die Anlage von Null auf 595 Megawatt hochfahren, die elektrische Maximalleistung. Damit lassen sich plötzliche Solarstromlücken, wie sie vor allem durch Wolken entstehen, überbrücken.

Warum bauen Versorger heute noch ein Gaskraftwerk?

Die neue Anlage ist ein Gas- und Dampfkraftwerk. Das Erdgas verbrennt in einer Brennkammer. Die dabei entstehenden heißen Gase treiben eine Gasturbine an, die mit einem Generator zur Stromerzeugung gekoppelt ist. Danach sind die Abgase noch so heiß, das sie in einem so genannten Abhitzekessel Wasser in Dampf verwandeln, der ebenfalls zur Stromerzeugung genutzt wird. Die Gasturbine ist im Siemens-Werk Berlin gefertigt worden. Der 457 Tonnen schwere Koloss erreichte Düsseldorf per Schiff.

„Das integrierte Energiekonzept von Düsseldorf sollte drei Kriterien erfüllen: Klimaschutz, verlässliche Energieversorgung und Standortsicherheit“, sagt Udo Brockmeier, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Düsseldorf, die die Anlage bestellt hat und betreiben wird. 2016 soll der neue Block in Betrieb gehen.

Die Rekord-Gasturbine von Siemens läuft bereits an elf Standorten. Da sie ständig optimiert wird, ebenso wie das Zusammenspiel mit dem nachgeschalteten Dampfkreislauf, werden die Wirkungsgrade immer besser, wenn auch nur in Zehntel-Prozent-Schritten.

Während Block vier in Irsching, in dem Siemens die Hochleistungsturbine erstmals testete, weiter eingesetzt wird, sieht E.On keine Chance mehr, Block fünf wirtschaftlich zu betreiben. Die 870-Megawatt-Anlage hat im vergangenen Jahr nur stundenweise Strom geliefert, nur dann nämlich, wenn es Wind- und Solarstromlücken gab.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%