Durchbruch oder Panne? So fährt sich der neue BMW i3

Tech: Durchbruch oder Panne? So fährt sich der neue BMW i3

von Christian Sauer

Der Verkaufsstart des vollelektrischen BMW i3 steht kurz bevor. Unser Gastautor Christian Sauer hat den Wagen getestet. Sein Fazit: er überzeugt!

Christian Sauer arbeitet für griin.de, das Blog zur nachhaltigen Mobilität und schreibt regelmäßig für WiWo Green. Jetzt testete er den neuen BMW i3 in und rund um Amsterdam.

Warum findet die große Probefahrt für ein Elektroauto gerade in den Niederlanden statt? Es liegt wohl daran, dass unser Nachbarland, wie beispielsweise auch Norwegen, Elektrofahrzeuge nicht nur steuerlich fördert, sie können vielerorts auch kostenlos parken und sogar gratis aufladen. Doch dazu später mehr, schließlich ist unser i3-Testwagen voll geladen und zeigt knapp über 160 km Reichweite an. Das sollte doch locker für die von BMW empfohlene Route zum Küstenort Zandvort und zurück nach Amsterdam reichen, oder?

Anzeige

Über das Design des i3 lässt sich trefflich streiten – einige loben es als mutig und modern – andere als hässlich und skurril. Davon sollte sich am besten jeder selbst ein Bild und eine Meinung machen. Bemerkenswert ist, wie viel Platz der nur 3,99 Meter kurze BMW innen bietet. Durch das separate Fach für Ladekabel, Warndreieck & Co. im Frontbereich, lässt sich im 260 Liter großen Kofferraum im Heck locker das Gepäck für zwei Personen verstauen. Falls nötig, sind zudem die Rücksitzlehnen umklappbar. Wer den Weg in die zweite Reihe sucht, muss jeweils erst die vordere Tür öffnen und dann erst die gegenläufige hintere Tür. Ob das im Alltag praktikabel und sinnvoll ist, sei dahingestellt.

Ebenso fraglich bleibt, ob die Vergrößerung der Seitenscheiben hinten es aufwiegen kann, dass sich diese nicht öffnen lassen. Im futuristischen Cockpit erwartet uns ein mit einem bis dato so noch nicht gesehenen Materialmix aus natürlich bearbeitetem Leder oder Wolle, offenporigem Eukalyptusholz und Recycling-Elementen aus Fasern der Kenaf-Pflanze.

Futuristisches Cockpit mit EukalyptusholzWährend die Verarbeitung einen hochwertigen Eindruck hinterlässt, wirkt die Mixtur aus gewöhnlichen Knöpfen anderer BMW-Modelle zusammen mit neuen Bedienelementen weniger stimmig. Das stufenlose Automatikgetriebe lässt sich mit einem Drehschalter seitlich neben dem zweispeichigen Lenkrad bedienen. Zusätzlich zum hochauflösenden, 10,2 Zoll großen, Display in der Mitte gibt es ein weiteres 5,7-Zoll-TFT-Display anstelle konventioneller Instrumente. Die hohe Sitzposition erinnert wie das Raumgefühl an einen Van und könnte den edlen Elektro-Kleinwagen dadurch vielleicht sogar zur Alternative für SUV-Interessenten machen. Trotz der kompakten Maße und des geradezu winzigen Wendekreises von nur 9,86 m, gestalten sich Rangierversuche zuerst etwas schwierig, da wir das vordere und hintere Ende des i3 nur erahnen können. Gegen Aufpreis gibt es ringsum Parksensoren und eine Rückfahrkamera.

Auf den ersten Metern merken wir schnell, wie flott sich der i3 dank seines relativ geringen Gewichts von 1,2 Tonnen in Verbindung mit dem 125 kW (170 PS) starken Elektromotor bewegen lässt. Nur 7,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 gibt BMW an. Der Vorwärtstrieb endet elektronisch begrenzt bei 150 km/h, was auf holländischen Straßen mit generellem Tempolimit von 130 km/h völlig ausreicht. Der Wagen liegt sehr sicher und ruhig auf der Straße. Die Lenkung setzt Richtungsänderungen direkt um. Zwar wirken sich bei Elektrofahrzeugen sportliche Zwischensprints nicht so dramatisch auf den Verbrauch aus wie bei Verbrennern, aber dennoch wollen wir es ja nicht übertreiben. Also Fuß vom Gas und bloß nicht die Rekuperation vergessen!

Allein dadurch verzögert der BMW i3 so stark, dass die eigentlichen Bremsen während unserer Testfahrt kaum zum Einsatz kommen mussten. Mit rund 80 km Reserve erreichen wir das Zwischenziel in Zandvoort an der Nordsee und können einmal selbst die Funktionen der „i Remote App“ testen, die deutlich mehr Funktionen als nur die Anzeige des Ladezustandes bietet oder als Fernbedienung beispielsweise der Klimaanlage und Fensterheber dient. Sie liefert ebenso eine optische Auswertung der Effizienz des eigenen Fahrstils und Tipps zur Verbesserung desselben.

Intelligente Navigation mit ReichweitenassistentDie App soll zu einer Art persönlichem Mobilitätsmanager werden. Dazu gehört auch die Einbeziehung öffentlicher Verkehrsmittel, die BMW bereits bei der Weltpremiere des i3 Ende Juli angekündigt hatte. Und tatsächlich schlägt das Navigationssystem im Auto – serienmäßig vernetzt mit Internetanschluss – auf Wunsch auch Routen zu Park+Ride-Parkplätzen vor und kennt sogar die Fahrpläne des ÖPNV. Mal schauen, wie viele i3-Besitzer später die zahlreichen Funktionen nutzen werden. Sehr clever finden wir die sogenannte iNavigation mit Reichweitenassistent. Dabei werden auch unter Berücksichtigung der Topografie und des aktuellen Verkehrsaufkommen die Restreichweite im normalen Comfort-, sowie im besonders sparsamen Eco-Pro-Modus grafisch in der Karte angezeigt.

Wie gut, dass sich die Innenstadt von Amsterdam innerhalb des kleineren der beiden Kreise befindet. Wie schon die Hinfahrt führt die auch die zweite Etappe nicht schnurrgerade, sondern kreuz und quer, durch das sehenswerte Umland zum Ziel. Doch richtig genießen können wir die Grachten und Windmühlen nicht, werden wir beim Blick auf die Reichweite doch zunehmend nervös. Deren Puffer zur verbleibenden Strecke schmilzt zusehends. Da beruhigt es wenig, dass BMW im Fall der Fälle auch einen besonderen Lade-Service am Straßenrand anbietet. Eher schon, dass das Navi uns zu einer der zahlreichen Ladestationen in der Nähe führen könnte.

Zumindest in den Niederlanden, später auch in anderen Ländern wie Deutschland, zeigt es sogar an, ob bereits ein anderes E-Auto daran hängt und ob ChargeNow akzeptiert wird. Die neue Abrechnungsmöglichkeit per Chipkarte funktioniert bei unseren Vorzeigenachbarn bereits flächendeckend, während BMW hierzulande noch einige regionale Stromanbieter davon überzeugen muss. Eine Standardisierung zum Nutzen der Kunden finden wir ebenso gut, wie die Entwicklung von Schnellladestationen mit Gleichstrom-Technologie, bei der sich BMW ebenfalls engagiert.

Komplette Tankfüllung kostet vier EuroAuch wenn unser „Sprit“ knapp wird, versuchen wir es weiter ohne „Tanken“. Wie bereits mehrfach zuvor weist uns ein Warnton darauf hin, dass der i3 inzwischen nur noch 10 km rein elektrisch fahren kann. Vielleicht hätte uns BMW doch besser einen Testwagen mit dem für 4.500 Euro erhältlichen Range Extender (Zweizylinder-Benzinmotor) geben sollen. Zum Glück lichtet sich nach einer gefühlten Ewigkeit der Feierabendverkehr in Amsterdam und wir erreichen unser Ziel, eine öffentliche Tiefgarage mit kostenfreiem (Stark-)Stromanschluss, mit sechs Kilometern Restreichweite. Der kleine, von BMW mit großen Worten angekündigte, i3 hat auch in diesem Aspekt sein Versprechen gehalten und uns mit seinem ebenso innovativen wie nachhaltigen Gesamtpaket überzeugt.

Selbst wenn Interessenten in Deutschland leider immer noch nicht mit weitgehenden, staatlichen Förderungen oder zumindest mit Anreizen im Alltag wie kostenfreiem Parken rechnen können, sollten sie trotz des Grundpreises von 34.950 und einer recht langen Aufpreisliste mit dem i3 sparen können. Mit dem von BMW angebotenen Strompaket soll eine komplette Ladung rund vier Euro kosten und auf 100 km runter gerechnet, ist das E-Mobil so deutlich günstiger als andere Autos mit Benzin- oder Dieselmotor. Hinzu kommen die geringeren Kosten für die wenigen Verschleißteile und die 8-Jahres-Garantie. Selbst die Versicherungseinstufung soll nicht teurer sein als bei „normalen“ Autos. Was spricht also jetzt noch gegen einen Elektro-Flitzer wie den BMW i3?

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%