E-Bikes: Kettenloses Fahrrad wählt von selbst den passenden Gang

E-Bikes: Kettenloses Fahrrad wählt von selbst den passenden Gang

von Andreas Menn

Ein neues E-Bike kommt ohne Kette aus. Der Vorteil: Weniger Verschleißteile - und eine automatische Gangschaltung.

Hannover-Messe, am Stand der Hochschule Harz: Ein besonderes Fahrrad lockt scharenweise Besucher an. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein gewöhnliches Pedelec, ein Rad mit Elektroantrieb also. Doch wer genauer hinschaut, stellt fest: Das Rad hat keine Kette.

Wo an gewöhnlichen Fahrrädern Zahnräder zwischen den Pedalen montiert sind, ist bei diesem Zweirad nur ein Metallkasten angebracht, groß und rund wie eine silberne Keksdose. Darin verbirgt sich ein Generator, der die Drehbewegung der Pedale in Strom umwandelt. Der Strom wiederum fließt über eine Leitung zu einem Motor am Hinterrad und treibt ihn an.

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So sieht es aus, als übertrage sich die Kraft der Fahrers durch die freie Luft. Ein wahres Zauberkunststück. Beim Probefahren auf den Gängen der Messehalle reichen wenige Tritte in die Pedale, um schnell und fast lautlos Fahrt aufzunehmen.

Die neuartige Technik soll aber mehr sein als ein modisches Accessoire. "Das Fahrrad hat keine Gänge mehr", sagt Klaus Kramer, Professor am Fachbereich Automatisierung und Informatik der Hochschule Hart in Wernigerode. "Ob bergauf oder bergab - Sie müssen nicht mehr schalten und können immer mit der gleichen Trittfrequenz fahren." Der Elektromotor schaltet automatisch und stufenlos in die richtige Übersetzung.

E-Bike mit automatischer GangschaltungDas Radeln soll damit besonders leicht und komfortabel sein: Über die Wahl des richtigen Gangs muss sich der Radler keine Gedanken mehr machen, und nichts ruckt mehr, wenn das Rad ganz von selbst die Übersetzung wechselt. Und weil Kette und Zahnriemen fehlen, muss sich niemand mehr füchten, sich das Hosenbein mit Kettenschmiere zu verschmutzen. Das neue Fahrrad soll zudem leichter zu warten sein, weil es weniger Verschleißteile hat.

Einen Nachteil hat die Technik allerdings: Gegenüber der Kraftübertragung per Zahnriemen ist die Umwandlung in Strom deutlich weniger effizient. Den Großteil der Energie für die Fortbewegung liefert also der Akku des Fahrrades, den der Fahrer abends an der Steckdose auflädt. Eine Füllung soll für 65 Kilometer reichen, mit größerem Akku auch mehr als hundert Kilometer.

Ist der Akku alle, dann kommt der Radler allenfalls im Schneckentempo voran. Damit dürften vor allem komfortliebende Mittelstreckenradler Gefallen an dem neuen Fahrrad finden. Werte wie der Batteriestand lassen sich über eine Smartphone-App kontrollieren, die per Bluetooth-Funk mit der Elektronik des Rades kommuniziert. 

Im nächsten Jahr will der Fahrradhersteller Mifa aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt das kettenlose E-Bike auf den Markt bringen, voraussichtlich unter der Marke Grace. Mifa hatte den Pedelec-Produzenten Grace aus Berlin im vergangenen Jahr gekauft. Preislich soll das neue Fahrrad im Bereicht hochwertiger Pedelecs liegen.

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